It`s still the economy, stupid! – Die Krise in Las Vegas hält an

vegasVor einigen Wochen haben wir euch an dieser Stelle ja bereits einmal über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Sin City berichtet. Damals hatten wir spekuliert, ob und wann sich Las Vegas von der Rezession erholen kann. Jetzt, gut zwei Monate nach diesem Artikel, haben sich die Zeiten in Las Vegas keines Fall verbessert und die wirtschaftliche Abwärtsspirale, in der die Glitzerstadt gefangen zu sein scheint, hält weiter an.

Zum 44. Mal in Folge führt Las Vegas eine traurige Liste an: Die der meisten Zwangsversteigerungen privater Immobilien in den USA. Nirgendwo sonst hatte das Platzen der Immobilien- und Kreditblase so brutale und verheerende Auswirkungen wie in der Glitzerstadt in Mitten der Wüste. Ein Prozent aller Häuser in Las Vegas befindet sich derzeit in irgendeinen Stadium der Zwangsvollsteckung. Hier ein Bild um dies zu verdeutlichen. Die roten Punkte markieren Häuser, die in den letzten Wochen und Monaten Zwangsversteigert wurden:

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Natürlich sind nicht nur private Haushalte von der Krise massiv betroffen. Auch die großen Casinos und Hotels ächzen unter der Last des wirtschaftlichen Einbruchs. So hat zum Beispiel erst kürzlich das Plaza Hotel and Casino in Downtown Las Vegas bekannt gegeben, 400 Arbeiter zu entlassen und auf unbestimmte Zeit große Teile des Hotels und des Casinos wegen „Renovierung“ zu schließen. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Überall in Nevada werden Jobs in der Dienstleistungsbranche abgebaut und mit einer Arbeitslosenquote von 14 Prozent ist der Bundesstaat auch in dieser Kategorie in den gesamten USA führend. Die Arbeitslosenquote von Las Vegas liegt mit 14,7 Prozent sogar noch über diesem Wert.

Natürlich erlebte Las Vegas auch in der Vergangenheit Krisen. So zum Beispiel nach 9/11 oder im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise zu Beginn der 90iger Jahre, doch anders als damals scheint die derzeitige Depression einfach kein Ende nehmen zu wollen. Seit 2007 geht es in der Stadt der Sünde konstant bergab und selbst optimistische Analysten sehen in den nächsten Monaten keine Chance auf Besserung. Es scheint fast so, als hätte die Krise vielen Bürgern der USA die Lust am Gamblen genommen. Die Touristen kommen zwar, spielen aber viel weniger, als in der Vergangenheit. Viele Menschen haben durch die Krise ihren finanziellen Ruhepolster verloren und machen sich nun, anstatt ihre hart erarbeiteten Dollar beim Craps zu riskieren, eher Sorgen um ihre Altersvorsorge und die Collegeausbildung ihrer Kinder.

Doch nicht nur normale Touristen haben den Sparstift angesetzt, auch zwei andere, wichtige Zielgruppen der Casinos lassen sich nicht mehr so gut melken wie in der Vergangenheit. Da wären zum einen die Businesskunden. Früher war Las Vegas neben seinen Shows und den Casinos vor allem als Austragungsort vieler großer Kongresse bekannt. Radiologen, Chirurgen, Orthopäden, sie alle tagten mehrmals jährlich in der Glitzerstadt. Zwar gibt es die Kongresse immer noch, doch die Portokasse vieler Unternehmen ist um einiges schmaler geworden. Anstatt der Deluxe Suite, gibt es nur mehr das Standard Zimmer und das Zocken mit der Firmenkreditkarte ist zum Tabu geworden.

Die zweite große Gruppe ist die der superreichen Wale, die unglaubliche Summen in den Casinos verblasen. Diese sind zwar ebenfalls von der Krise betroffen, aber hätten eigentlich noch genug Geld, sich die Verlockungen der Sin City zu leisten. Doch viele von ihnen lassen ihre Millionen mittlerweile lieber bei der Konkurrenz. Speziell die asiatischen Superreichen, mit deren Millionen viele neue Projekte in Las Vegas finanziert wurden, spielen mittlerweile lieber in Macao, das inzwischen zu einer ernsthaften Konkurrenz für Las Vegas erwachsen ist.

Auch in diesem Artikel bleiben uns am Ende nichts als Spekulationen, wie und ob Nevada und Las Vegas die Krise meistern können. Mittlerweile sind dort sogar Stimmen laut geworden, die eine Umorientierung der Wirtschaft fordern. Weg vom Tourismus und vom Glücksspiel, hin zu nachhaltigeren und krisensicheren Wirtschaftszweigen. Derzeit scheint es  so, als hätten die Amerikaner einfach die Lust daran verloren, in Las Vegas Party zu machen und so lange sich dies nicht ändert, werden auch die Negativmeldungen rund um die Wirtschaft der Glitzerstadt nicht abreißen…

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