Auf den Punkt gebracht: Der Full Tilt Million Euro Challenge 2009 Skandal

Die Vorwürfe rund um die Full Tilt Million Euro Challenge 2009 halten derzeit die Pokerwelt in Atem. Aufgrund des komplexen Sachverhaltes kann jedoch sehr schnell der Überblick verloren gehen. Wir wollen euch daher an dieser Stelle eine Zusammenfassung der bisher bekannten Details zur Verfügung stellen.

Wie sah der Modus der MEC 2009 aus?

Mehrere zehntausend Spieler haben online versucht, sich für eines der Live Events der Full Tilt MEC 2009 zu qualifizieren. Über 7.800 Spieler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nahmen in Hamburg und Salzburg an den Live Turnieren teil. In beiden Austragungsstädten wurden sie auf jeweils drei Vorrunden zu 1.300 Spielern aufgeteilt. In diesen Heats spielten dann jeweils zehn Spieler ein Single Table Turnier. Die Sieger qualifizierten sich für das jeweilige Abendfinale, indem dann die Plätze für den großen TV-Tisch – drei in Hamburg und drei in Salzburg – ausgespielt wurden.

Was dabei angeblich schief gelaufen ist:

Im Zuge unserer Recherche über die „Nürnberg Connection“ wurden wir auf einen Mitarbeiter bei der MEC 2009 aufmerksam. Dieser behauptet, dass bei dem Event betrogen wurde und der spätere Gewinner Dejan D. seinen Sieg mit unrechtmäßigen Mitteln errungen hat. Das machte unsere Redaktion hellhörig und wir trafen den „Kronzeugen“ in Nürnberg zu einem Gespräch. Bei dieser Zusammenkunft erzählte uns der Zeuge folgendes:

Laut seinen Angaben, habe sich der spätere Sieger der MEC 2009 Dejan D.  gar nicht im Vorfeld für das Event qualifiziert und registriert, sondern  sei von ihm (unserem Zeugen) bei der MEC Salzburg eingeschleust worden. Dort soll Dejan D. dann aber bereits in seiner Vorrunde gescheitert sein und wäre somit nicht für das Abendfinale qualifiziert gewesen.  Unser Kontaktmann besorgte ihm daher angeblich eines der Bändchen, das zur Teilnahme am Abendfinale berechtigte. Zusätzlich dazu soll  er Dejan D. ebenfalls ein Crew-Armband beschafft haben, durch das der spätere MEC 2009 Sieger Zugang zum Mitarbeiterbereich erhielt. Auf diese Weise  hätte sich der Mazedonier angeblich weitere Chips besorgen können – es ist von rund 300.000 Einheiten bei einem Startingstack von 10.000 Chips die Rede.

Laut unserem Zeugen wurde Dejan mehrmals von ihm selbst und weiteren Helfern aus seinem Umfeld, die organisatorisch für das Turnier zuständig waren, unterstützt. So soll zum Beispiel an seinen Tischen mehrmals der Button angehalten worden sein, damit D. bei der extrem schnellen Struktur des Turniers (es ist von 8 und 10min Leveln die Rede) nicht die teuren Blinds bezahlen musste. Nachdem mehr und mehr Spieler aus dem Turnier ausgeschieden waren, konnte Dejan D.  angeblich bei jedem Tischwechsel seine Turnierchips ins Spiel bringen. Nur durch diese gewinnbringenden Vorteile soll es ihm gelungen sein,  sich einen Platz im TV – Finale zu erspielen. Dort gewann er das Ausscheidungsturnier gegen die anderen fünf Qualifikanten, schlug im Heads-Up gleich zwei Full-Tilt Profis und  scheiterte nur an Patrik Antonius. Das brachte Dejan D. 330.000 Euro Gewinn ein.

Unser Zeuge behauptet, dass Full Tilt bereits hier Unregelmäßigkeiten aufgefallen seien. Vermutlich durch anonyme Informationen aus dem Umfeld, sollen die Eventverantwortlichen informiert worden sein. So wurde der „Kronzeuge“, der als Manager von Dejan D. operierte, seinen eigenen Angaben nach zum Beispiel vom Country Manager des Pokerraums kontaktiert und gefragt, welchen Heat sein Schützling eigentlich gewonnen hätte. Laut des Nürnberger Kronzeugen habe Full Tilt Poker auch die Auszahlung der 330.000 Euro verzögert.

Desweiteren führte unser Zeuge aus, dass er – nachdem Dejan D. nicht wie vereinbart seinen Anteil bezahlen wollte – an Full Tilt herantrat und über die Vorfälle bei der MEC 2009 aussagte.

Seinen Angaben entsprechend, verfolgte der Kronzeuge dabei jedoch keinerlei erpresserische Absichten. Laut seiner Behauptung, traf er sich am Nürnberger Flughafen mit dem Country Manager von Full Tilt, PR Beauftragten und einem Anwalt des Pokerraumes, um den Ablauf des Betrugs zu berichten. Auch hier forderte der Informant angeblich kein Geld von Full Tilt.

Dejan D. war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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