Die Orakel vom Olymp

Rainer Vollmar schreibt auf pokerolymp.de :

Schuster bleib bei deinen Leisten

Respekt, lieber Benjamin Kang, für deine Rolle als Chefaufklärer im Skandal um Ali Tekintamgac und die Full Tilt MEC. Du hast uns mit deinen Videos in den letzten Tagen so manche schlaflose Nacht bereitet und viele Informationen geliefert. Gleichwohl befürchten wir als Ende vom Lied das viel zitierte Hornberger Schießen.

Als PokerStars Pro bist Du vielleicht nicht gerade die ideale Besetzung, um den Stab über den größten Konkurrenten zu brechen, und auch den Klang des Milchschäumers in unseren Ohren werden wir so schnell nicht wieder los. Doch wir wissen nun mehr.

Respekt, lieber Benjamin Kang, erwarten wir „gescheiterte Journalisten“ auch von Dir. Wir leben von unserem Beruf, bezahlen unsere Buy-Ins selbst und haben unseren Boethius gelesen. In diesem Sinne:

Si tacuisses, philosophus mansisses.

RV

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Vielen aufmerksamen Beobachtern der Pokerszene wird es wohl in den letzten Tagen aufgefallen sein: Eine der größten deutschen Pokerseiten hat sich auffallend bedeckt zu den aktuellen Ereignissen gehalten. Man könnte fast schon sagen, dass man sich beim Lesen der Seite Pokerolymp teilweise wie im Pokerhades gefühlt hat – so still und leise wie im Totenreich.

Doch auf einmal tönt es doch noch laut aus den leeren Hallen. Rainer Vollmar meldet sich zu Wort! Wer jetzt aber konstruktives oder aktuelles erwartet, wird enttäuscht. Man beschäftigt sich  „nur“ mit meiner Person. Auch wenn mir das schmeichelt, hätte ich den Herren wohl eher zu einem Text zur Sache geraten. Aber das steht mir nicht zu, denn ich bin kein Journalist wie Herr Vollmar.

Ich gebe zu, mich mit vollem Einsatz der Aufklärung zu widmen – das allerdings wäre die Aufgabe eines Journalisten. Meine vertragliche Beziehung als PokerStars Pro sollte kein Hindernis dabei sein, an der Recherche eines Betrugsverdachts mitzuwirken. Genauso wenig wie die geschäftliche Beziehung des Pokerolympen mit den Verantwortlichen der FullTiltPoker.net Million Euro Challenge 2009. Ich kann meine persönlichen Vertragsangelegenheiten jetzt gerade nicht ändern, nehme den Vorwurf aber mal als Gelegenheit zur Klarstellung über die redaktionelle Freiheit, die zumindest wir (hochgepokert/PokerToday) genießen. In den vergangenen Jahren unserer Berichterstattung, hat PokerStars nicht ein einziges Mal Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen genommen. Die Mehrheit tausender Zuschauer von PokerToday wäre uns sicher nicht Woche für Woche und Jahr für Jahr treu geblieben, wenn sie den Eindruck einer inszenierten Werbesendung gewonnen hätte.

Für mich entsteht der Eindruck, dass ohne unser Engagement in den letzten Tagen ein deutlich geringerer Informationsstand in der deutschen Poker-Community herrschen würde. Gerne bleibe ich bei meinen Leisten, nur bin ich nicht der Typ der mit den Schultern zuckt, wenn der Schuster seine Arbeit verweigert.

Doch eines will ich dem Pokerolymp versprechen: Es gibt zu viele Menschen, die an einer Aufklärung interessiert sind, als dass am Ende nichts dabei herauskommt und die Angelegenheit ohne Ergebnis endet – wie beim Hornberger Schießen. Auch wenn einige sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Dennoch respektiere ich diese gewagte Prognose zu einem so frühen Stadium – die Domain Pokerorakel.de ist jetzt noch frei und bietet dafür sicher einen schönen Rahmen.

Zum Schluss möchte ich noch auf Ihren exzellent gewählten lateinischen Sinnspruch eingehen (Autoren, die damit ihre nichtssagenden Texte aufwerten wollen, sind mir schon immer ein Gräuel gewesen). Ausnahmsweise jedoch passt er mal, der pseudo-intellektuelle Abschluss ihres Textes. Si tacuisses, philosophus mansisses schreiben Sie, Herr Vollmar, was auf deutsch soviel heißt wie „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“. Vom Schweigen verstehe ich wirklich nicht viel, da würde ich ihnen jetzt doch deutliche Kompetenzvorteile unterstellen. In meiner Welt muss niemand schweigen, auch die nicht, die anderer Meinung sind.

Ben Kang

P.S. Per Du sind wir nicht, aber wir können ja mal persönlich darüber reden.

Nachtrag 10:54 21.11.2010 : Beim Kaffee musste ich grad so lachen als ich mir das nochmal munter durchgelesen habe. Sie fühlen sich so direkt angesprochen mit meinem, auch auf uns bezogenen, Urteil von unfähigen, „gescheiterten“ Journalisten. Das hat mich dann schon nochmal herzlich lachen lassen 😉


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