Ein Braceletgewinner, korrupte Banken und Wikileaks

Deutschsprachigen Pokerspielern ist der Name Sherkhan Farnood vielleicht noch ein Begriff. Im Jahr 2008 bezwang er beim H.O.R.S.E Event der WSOPE den Österreicher Ivo Donev im Heads Up und sicherte sich dadurch sein erstes und bisher einziges Bracelet. Seither ist es pokertechnisch eher ruhig um den Afghanen geworden, dafür war er an anderen Fronten ausgesprochen untriebig.

Farnood war nämlich lange Jahre der CEO der „Kabul Bank“, der größten afghanischen Bank. Und so erfolgreich er am Pokertisch war, so wenig Glück hatte er scheinbar bei der Führung dieser Bank. Die Kabul Bank steckte diesen Sommer nämlich in einer ausgesprochen fatalen Krise und stand Analysten zu Folge kurz vor dem Kollaps. Überall in Afghanistan hatte ein Sturm auf die Bank eingesetzt und verzweifelte Kunden versuchten noch schnell so viel Geld wie möglich von ihrem Konto abzuheben. Man muss nicht Wirtschaft studiert haben, um zu wissen, dass dies nicht besonders gut für eine Bank ist. Einem Bericht der BBC zu Folge dürfte Sherkhan Farnood daran nicht ganz unschuldig sein.

Seit Monaten halten sich hartnäckige Gerüchte darüber, dass es bei der Kabul Bank in den höchsten Managementetagen massive Misswirtschaft, Untreue und Korruption gegeben hat. Farnoods Name wird dabei zwar nicht dezidiert genannt, jedoch musste er Anfang September gemeinsam mit dem zweiten CEO der Bank seinen Hut nehmen. Doch nicht nur das. Farnood hatte in Dubai kolportierte 160 Millionen Dollar in Immobilien investiert und dürfte nun dazu gezwungen sein, dieses Geld der Bank zurück zu erstatten, oder ihnen die Immobilien zu übergeben. Wie man ihn dazu zwingen will, ist allerdings noch nicht ganz klar, da er mit 28 Prozent Anteil der größte einzelne Sharholder der Bank ist.

Diese eigentlich nicht mehr ganz tagesaktuelle Geschichte hat nun einen neuen Boost erlebt. Denn Sherkhan Farnood hat es auch auf Wikileaks geschafft. Amerikanische DiPlomaten bezeichneten ihn in einer geleakten Depesche nämlich als „gutes“ Beispiel dafür, wie viel Geld von Afghanistan aus ins Ausland abfliest. Auch seine Leidenschaft für High Stakes Pokerturniere findet dort gleich mehrmals Erwähnung. Eine Leidenschaft, für die er jetzt auf jeden Fall wieder mehr Zeit haben dürfte…

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