Ron Fanelli: Heart Of Darkness

Ron Fanelli, 2006,WSOP, Heads-upVor über 100 Jahren lieferte Joseph Conrad mit seiner Erzählung Herz der Finsternis die Vorlage für einen der bedrückensten, aber auch einflussreichsten Antikriegsfilme überhaupt: Apocalypse Now. Die Story des Films ist simple. Captain Benjamin L. Willard erhält mitten im Vietnamkrieg den Auftrag, den abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz in dessen Dschungelversteck aufzuspüren und zu töten. Denn Kurtz ist völlig durchgedreht. Er hat eine Armee von Eingeborenen um sich geschart, herrscht über sie wie ein Despot und mordet nach Belieben. Willards Auftrag gerät zum Horrortrip. Das Ende von Kurtz ist blutig, sehr blutig sogar. Aber es ist eben nur ein Film und Heart of Darkness nur ein Buch. Es ist das Lieblingsbuch des gescheiterten Pokerprofis Ronald ‚Mad Yank‘ Fanelli. Dessen Abstieg in den Horror ist Realität.

Im thailändischen Phuket hat er die Prostituierte Wanphen Pienjai erstochen. Ihre sterblichen Überreste stopfte der 37-jährige Ex-Navy Offizier in einen Koffer. Er transportierte ihn mit einem Motorrad bis zu einer einsamen Stelle an der Chao Fa Thani Road, wo er die Leiche an den Straßenrand warf. Dann tauchte er unter. Vier Wochen dauerte es bis die Polizei ihn endlich ausfindig machen und verhaften konnte.

Kaum 24 Stunden nach der Festnahme ließ der Police Commander von Phuket, Pekad Tantipong, Ron Fanelli wie eine wertvolle Beute der Presse vorführen. Flankiert von Polizeibeamten und mit der Tatwaffe vor sich auf dem Tisch diktierte Fanelli den Journalisten: „Es war ein schrecklicher Unfall.“ Ob er der bekannte Pokerspieler Ron Fanelli sei, wurde er von einem Reporter gefragt. „Ja, aber das ist lange her.“ Das war im Juli. Jetzt sitzt der New Yorker, der 2007 nach Thailand kam um sein Glück zu machen, in der Psychiatrie des Suan Saranrom Hospital von Surat Thani und wird auf seinen Geistzustand untersucht.

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Noch 2006 gab Fanelli der smarten Liv Boeree bei der World Series of Poker mehrere Interviews. Locker saß er der Engländerin gegenüber, plauderte über die wunderbare Welt des Pokerspiels und hinterließ den Eindruck eines intelligenten und eloquenten Mannes. Nichts war zu spüren von seinen berüchtigten Wutausbrüchen, die nicht selten seine Auftritt am Pokertisch begleiteten. Und es war auch nicht zu merken, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits völlig pleite und auf dem Weg nach unten war. Victoria Coren, die Ron Fanelli 2004 in ihre Show auf Poker Channel holte, schrieb im Gurdian, dass sie Mad Yank trotz seiner Launen gut leiden konnte: „Ich habe ihm all den Lärm verziehen, weil er Amerikaner war. Er war lustig. Ich mochte ihn“.

Doch statt einer steilen Karriere als Pokerspieler, ging es für Fanelli schleichend und Schritt für Schritt abwärts. Er suchte einen Neuanfang und ging nach Thailand. Fanelli heiratete eine Einheimische und wurde Vater. Aber die Beziehung ging schnell in die Brüche. Mad Yank verlor seinen Halt, vielleicht auch die Lebensperspektive. Trost suchte er im Rotlichtmilieu, wo sich Frauen für wenig Liebeslohn den vielen weißen Touristen anbieten. In der Sweethearts Bar traf er sein Opfer. Er nahm sie mit nach Hause. Was dann passiert, dass kann nur Fanelli beantworten. Vielleicht kam es zum Streit, weil Fanelli sich mehr erhoffte als die Frau bereit war zu geben. Vielleicht war er tatsächlich betrunken, wie er sagt, und tötete nicht aus Absicht sondern im Jähzorn. Unstrittig ist, dass Wanphen Pienjai von Fanelli mit einem Messer umgebracht wurde und er anschließend versuchte die Leiche zu beseitigen.

Aber ist Ron Fanelli tatsächlich ein eiskalter Mörder oder doch ein zerrütteter, kranker Geist? Diese Fragen müssen Ärzte und Psychiater beantworten. Die Persönlichkeit von Mad Yank soll sich in der Haft binnen weniger Wochen derartig verändert haben, dass er einem normalen Gespräch nicht mehr folgen kann. Eine Unzurechnungsfähigkeit scheint nicht ausgeschlossen.

Sollten die Mediziner aber zu dem Ergebnis kommen, dass Fanelli zum Zeitpunkt der Tat doch uneingeschränkt schuldfähig gewesen ist, und er bei seiner Version eines Unfalls bleibt, dann könnte der letzte Akt für Mad Yank auf dem Schafott enden. In Thailand steht auf Mord die Todesstrafe – ohne Geständnis wird sie vollstreckt.

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