Razzia: Schweizer Polizei sprengt Pokerturnier

Es sollte ein gemütlicher Pokerabend werden, am Ende war es ein Horrortrip. In Köniz, einer Kleinstadt südwestlich von Bern, stürmte ein rund 30 Mann starkes Einsatzkommando der Schweizer Polizei am vergangenen Freitagabend einen Pokerclub. „Hände hoch“, schrie einer der Beamten. Dann klickten die Handschellen. Alle 53 Teilnehmer des Pokerturniers wurden in Eisen gelegt. Geld wurde beschlagnahmt. Anschließend wurden die Spieler gefilzt, fotografiert und ihre Personalien aufgekommen. Die Hände blieben die ganze Zeit in Fesseln. Ein Augenzeuge: „Man behandelte uns wie Schwerverbrecher!“ Dafür gab es aber überhaupt keinen Grund. Pokerturniere um Geldeinsatz außerhalb von konzessionierten Casinos sind in der Schweiz zwar seit Mai diesen Jahres verboten, doch die Teilnahme hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. Spieler werden nicht belangt. Lediglich die (gewerbliche) Organisation von Pokerrunden mit Geldeinsatz ist illegal.

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Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK), zuständig für die Einhaltung der neuen Gesetze, spricht von einer Anzeige, der man nachgegangen sei. Der Polizeieinsatz in Köniz sei verhältnismäßig gewesen. Gegen den vermeintlichen Veranstalter der Pokerrunde werde ein Strafverfahren eingeleitet. Das könnte zum Rohrkrepierer werden. Grund: Pokerspiele im Freundeskreis sind in der Schweiz nicht verboten.

Da es aber keine juristische Definition gibt, was unter einem Freund zu verstehen ist, ist es sehr schwierig legale von illegalen Pokerturnieren zu unterscheiden. Auch die Organisatoren sind kaum auszumachen, solange sich alle Beteiligten als Freunde bezeichnen. Daher drängt sich der Verdacht auf, dass der massive Polizeieinsatz vor allem eine abschreckende Wirkung auf die Spieler haben soll. Die Botschaft scheint einfach: Statt einer gemütlichen Pokerrunde, erwartet euch ein Horrortrip.

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