New York City: FBI zerschlägt das Pokergeschäft der Cosa Nostra

Einen solchen Schlag gegen die nordamerikanische Mafia hat es noch nie gegeben. Über 800 Beamte von FBI und Polizei wurden am Donnerstag aufgeboten, um praktisch zeitgleich in den US-Bundesstaaten New York, New Jersey und New England Mitglieder der Cosa Nostra zu verhaften. Am Ende der Aktion sprach FBI Vizedirektorin Janice Fedarcyk (Foto rechts) auf einer Pressekonferenz von einem Erfolg und rund 130 Festnahmen. Das organisierte Verbrechen wurde in seinen Grundfesten erschüttert.

Die Aktion richtete sich gegen die New England La Cosa Nostra (LCN), in New Jersey gegen die DeCavalcante Familie und gegen die fünf Mafia-Familien von New York – Bonanno, Colombo, Gambino, Genovese und Luchese.

Der Gambino-Clan hatte schon im April 2010 einen schweren Hieb erlitten, als führende Köpfe verhaftet und vor Gericht gestellt wurden. Sie hatte unter anderem im großen Stil illegale Pokerrunden organisiert (Hochgepokert berichtete). Die letzten Angeklagten bekannten sich Anfang Januar für schuldig. Sie erwarten Strafen von bis zu 30 Jahren Gefängnis. Bei der jetzigen Polizeiaktion wurden erneut hochrangige Mafia-Mitglieder verhaftet. Für den 83-jährige Luigi Manocchio, der lange Zeit Boss der LCN war, klickten die Handschellen. Joseph Corozzo (69) sowie Bartolomeo Vernace (61) verdienten sich laut FBI als „Berater“ in den höchsten Kreisen der Gambino Familie ihre Sporen. Beide wurden festgenommen.

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Der Colombo Clan wurde vom FBI am härtesten getroffen. Mit Andrew Russo (76) und Benjamin Castellazzo (73) gingen den Ermittlern die mutmaßlichen Bosse der Familie ins Netz. Richard Fusco, der als Consigliere (oberster Berater) in der Rangordnung der Colombos den dritten Platz einnahm, wurde ebenfalls festgenommen.

Die Anklagepunkte gegen die Mafiosi reichen von illegalem Waffenbesitz, über Erpressung, Drogenhandel, Zinswucher, illegalen Glücksspiel bis hin zu Mord. Der Glücksspielsektor galt neben dem Drogenhandel bisher als einer der lukrativsten Einnahmequelle der Familien von New York City. Michael Scarpaci und Thomas ‚Tommy‘ Orefice zogen bis zu ihrer Festnahme im April für die Gambino Familie die Fäden beim illegalen Poker in den Hotelzimmern von Manhatten. Dominick Difiore, Anthony Manzella, Michael Scotto und weitere Mitglieder der Familie versorgten die illegalen Pokerclubs mit Prostituierten und Drogen. Alle wurden bei der Aktion im April verhaftet. Durch die Festnahme weiterer Mitglieder sind die Pokergeschäfte der Gambinos nun endgültig beendet.

Aber auch illegalen Wettbüros florierten bei der Mafia und spülten Millionen von Dollar in die Kassen. Der Zugriff der Polizei dürfte verhindert haben, dass die Cosa Nostra beim Super Bowl (5. Februar 2011), dem wichtigsten Sportereignis in den USA, wieder gewaltige Wetteinnahmen erzielt.

„Dies ist einer der größten Schläge gegen die Mafia in der Geschichte des FBI, und zwar sowohl, was die Zahl der festgenommenen Personen angeht, als auch die Breite der vorgeworfenen Verbrechen“, sagte US-Justizminister Eric Holder.

Tatsächlich konnte der Erfolg wohl nur deshalb gelingen, weil die Zeiten der Omerta, des legendären Schweigegelübdes der Mafia, offenbar vorbei sind. Bei drohenden Gefängnisstrafen von bis zu 40 Jahren lassen sich viele Gangster auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein. Für eine mildere Strafe oder gar Straffreiheit liefern sich die Verbrecher gegenseitig ans juristische Messer.

Ein Beispiel für diese neue Entwicklung ist der Mafia-Aussteiger Andrew DiDonato, der vor wenigen Tagen mit dem Ex Polizisten Denny Griffin das Buch Surviving the Mob: A Street Soldier’s Life in the Gambino Crime Family herausgebracht hat. Andrew DiDonato, der 15 Jahre bei den Gambinos in Diensten stand, wechselte Ende der 1990er Jahre die Seiten.

Die Cosa Nostra wurde Anfang der 1930er Jahre gegründet. Der legendäre Charles ‚Lucky‘ Luciano (1897-1962, Foto rechts) gilt als ihr Urvater. Luciano hatte erkannt, dass man nur mit organisierten Strukturen und unterschiedlichen Einnahmequellen langfristig Erfolg haben kann. Seine Prinzipien verleihen seit fast einem Jahrhundert den Familienclans ihre Macht.

Nach den Anschlägen vom 11. September galt die Aufmerksamkeit des FBI den Terroristen. Die Mafia konnte ihr Imperium fast unbeobachtet ausbauen. Dazu gehören neben illegalen Geschäften auch die Infiltration von Gewerkschaften und Baubehörden. Die jüngsten Verhaftungen zeigen jedoch, dass ein neuer Wind durch New York weht. Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen wird in den USA mit aller Härte fortgeführt. (Fotos: FBI / Mafia News)

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