Nach dem Geburtstag – Matthäus ist 50 und mir fällt eine Menge dazu ein

Heute wird Lothar Matthäus aufwachen und seine Welt wird schön sein wie immer und die Frau an seiner Seite hoffentlich nicht ganz so anstrengend wie sonst. Ein Geburtstag gehört ordentlich gefeiert und ein runder sowieso. Jeder Mann der schon Fünfzig wurde, weiß, wovon ich schreibe. Dies Jubiläum an Jahren hört sich gruselig an und ist dann doch recht harmlos. Ich weiß das, ich habe da die Nase vorne und meinen Ehrentag schon einige Woche hinter mir – dafür hat „Loddar“ deutlich mehr Länderspiele und so gleicht sich alles aus.

Jetzt gehört er also auch zum Klub der gut aussehenden Senioren und sollten die jemals einen Pressesprecher suchen – gerne auch ehrenamtlich – kann die Wahl, bei aller Bescheidenheit nur auf mich fallen. Es verbindet mich aber noch deutlich mehr. Zum Start meiner – nennen wir es in milde betrachtet – „Karriere“ bei einer kleinen Monatszeitschrift, schoss Matthäus gerade seine Tore für Borussia Mönchengladbach. Damals ein Spitzenverein und Lothar schien dort absolut verwurzelt. München war weit weg und Italien sowieso und warum Englisch lernen, wenn man dort gar nicht richtig baden kann, da über dem großen Teich.

In diesen Zeiten musst ich als junger Redaktionsaspirant noch täglich in ein muffiges Büro mit richtigen Schreibmaschinen, einem echten Telefaxgerät, einer ekeligen Kaffeemaschine und äußerst attraktiven Graphikerinnen. Damals wurde in der Bundesliga noch deutlich weniger Geld verdient und unser verhältnismäßig bescheidenes Gehalt finanzierte sich aus dem Verkaufserlös der Magazine und all den bunten Anzeigen für die Konsumgüter der frühen 1980er-Jahre.

Heute ist alles viel einfacher. Aktuell sehe ich Lothar Matthäus quasi jeden Morgen. Statt ins Büro fahre ich mein silbernes ProBook hoch. Als Startseite selbstverständlich Hochgepokert.com, die beste Pokernews-Seite der Welt.  Mit einer halben Sekunde Verzögerung springt der Ad-Server an. Da ist dann Lothar Matthäus gleich rechts in der Sidebar und schaut wichtig wie immer und er ist es in diesem Fall auch tatsächlich. Bunte und blinkende Banner funkeln mir die Brötchen auf den Tisch und das Bier in den Kühlschrank. Und solange Lothar Werbung für Poker macht, mache ich mir mal keine Sorgen.

Natürlich mag es den einen oder anderen mit mehr Esprit geben da draußen in der Welt der großen Sportveteranen. Vielleicht steht Lothar Matthäus auch nicht direkt für den weltgewandten Botschafter des Feingeistes, aber seine Ideale sind redlich und als Mensch ist er hoffnungslos ehrlich und mindestens so hoffnungslos romantisch. So gesehen ist Poker vielleicht ein ruhigerer Hafen für meinen Altersgenossen und bei seinen soliden Verhältnissen ist so manche unvorteilhafte Pokerpartie doch deutlich günstiger, als so manche ungünstige Liaison. Außerdem kann man so einen Bad Beat am nächsten Morgen einfach vergessen. Keine BILD Reporter campieren vor der Villa und verwickeln Lothar in sonderbare Interviews und kein RTL nimmt ihm verwegene Liebesgeständnisse ab, die sich dann doch binnen kurzer Zeit verflüchtigen.

Wünschen wir Lothar Matthäus also gute Coaches und ebenso gute Karten. Hoffentlich sehen wir ihn bald einmal in Aktion. Für Deutschland ist er jedenfalls ein wunderbarer Botschafter des Pokerns. Denn wo Lothar draufsteht, kann nichts wirklich Böses drinnen sein. So mancher, der unseren geliebten Sport aktuell noch für ein Spiel des Satans hält, wird mit seinen Vorurteilen spätestens vor Lothars Unschuld kapitulieren.  In diesem Sinne gratuliere ich Lothar Matthäus noch leicht verspätete im Namen der Redaktion und melde mich gleich an für den ersten Interviewtermin nach dem ersten Turniersieg. Und aus purer Bosheit werden wir auf Englisch parlieren. Irgendwie wurmen mich die 150 Länderspiele Vorsprung doch ein wenig. (Fotos: Bundesliga)

G. Schrage

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