Der Hochgepokert.com Aufsatzwettbewerb – Heute analysiert D.Schweitzer die Krise!

Die Redaktion bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der 1. Hochgepokert.com Aufsatzwettbewerb war ein voller Erfolg. In den kommenden Tagen werden wir fünf Texte veröffentlichen. Der spannendste und interessanteste Artikel wird dann von Hochgepokert.com prämiert. Selbstverständlich wird die Jury auch Leserreaktionen und Kommentare bei der Bewertung berücksichtigen – Viel Vergnügen bei der Lektüre

Nach dem schwarzen Freitag- Alles halb so schlimm, oder steht Poker vor dem Ende?

Wie sicher viele von uns war auch ich am Wochenende auf allen Pokernews Seiten und in diversen Foren unterwegs. Ich versuchte mir einen Überblick bezüglich der Geschehnisse des „schwarzen Freitags“ zu verschaffen. Was war eigentlich passiert?

Ein New Yorker Staatsanwalt hatte in Zusammenarbeit mit dem FBI Anklage gegen sechs Köpfe der Onlinepokerplattformen Pokerstars,Full Tilt Poker und Absolute Poker sowie gegen fünf mit diesen eng zusammenarbeitenden „Finanzdienstleistern“,wegen Bankenbetrug,Geldwäsche und Verstößen gegen das Glücksspielverbot erhoben. Zwei der 11 Personen, die sich in den USA aufhielten, wurden infolgedessen festgenommen. Darüber hinaus waren von Freitag an die drei Plattformen für US Amerikaner gesperrt.

Was im ersten Moment vielleicht wie die Überreaktion eines Poker hassenden Staatsanwalts unter zu Hilfenahme des FBI aussehen mag, wird bei genauerer Betrachtung also der Lektüre der Anklageschrift, zu einer wohl überfälligen Reaktion der Behörden auf die mit krimineller Kreativität betriebene Umgehung des UIGEA(Unlawful Internet Gambling Enforcement Acts).Dieser machte es in den USA vom 13.10.2006 an illegal Zahlungen für Online Glücksspiele(also auch Poker)durchzuführen. Da Banken und Kreditkartenfirmen nun nicht mehr mitspielten, mussten alternative Wege das Geld der Amerikaner auf ihre Pokerkonten zu transferieren gefunden werden. Hier wurden die „Black Friday Eleven“ aktiv und hier setzen  auch die den Beschuldigten zur Last gelegt  Handlungen ein. Es fing mit nicht existierenden Onlinehändlern an. Über diese konnte, ohne das ein Bezug zu Poker hergestellt wurde, unauffällig Geld bewegt werden. Danach haben die Finanzdienstleister ebenfalls unter zu Hilfenahme von Scheinfirmen es immer wieder geschafft Banken Geld gen Pokerstars und Co. transferieren zu lassen. Falls den Banken mal was auffiel hatte man immer noch diverse andere Onlineportale in der Hinterhand und konnte ungestört weitermachen.

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Als man dann die Banken nicht mehr anlügen wollte, hat man sich halt eine gekauft bzw. Anteile an der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden SunFirst Bank aus Utah erworben. Diese hat dann gegen eine kleines Entgelt(etwas größer als bei der legalen Variante)für die Pokerfirmen beide Augen zugedrückt. All dies scheint von der Staatsanwaltschaft, auch mit Hilfe einiger interner Emails der betroffenen Unternehmen, recht unproblematisch beweisbar zu sein. Einzelne,der den Beschuldigten vorgeworfenen Vergehen führen laut Gesetz zu Strafen von bis zu 30 Jahren Gefängnis. Was die finanziellen Folgen angeht ist das amerikanische Rechtssystem durchaus für saftige Strafen bekannt.

Das das alles halb so schlimm ist, kann man in Bezug auf die Unternehmen wohl nicht behaupten. Welche Auswirkungen das konkret auf uns europäische Spieler haben wird ist jedoch noch äußerst unklar. Die ersten Folgen waren weniger Traffic und ein natürlicher Cashout-Reflex der Spieler, welcher zu immensen Problemen bei den betroffenen Unternehmen geführt hat. Einige warten wohl immer noch auf ihr Geld und werden wohl in Anbetracht der möglicherweise noch ausstehenden Milliardenstrafen selbst nach Erhalt ihres Geldes in Zukunft ein ungutes Gefühl haben. Man sollte nämlich nicht vergessen, dass Onlinepoker in Deutschland  schlicht und einfach illegal ist und man auch hier einen staatlich organisierten Rundumschlag, wie auch immer der aussehen mag, nicht kategorisch ausschließen kann. Doch selbst die negativsten Szenarien scheinen ein Ende der Pokerära nicht einleiten zu können. Der UIGEA führte nicht zu weniger Poker sondern nur zu mehr illegalen Handlungen. Der „schwarze Freitag“ wird, wenn überhaupt, nur kurzfristig zu weniger Poker führen. Andere Anbieter lassen US-Bürger immer noch spielen und verzeichnen in den letzten Tagen(wenig überraschend) deutliche Zuwächse. Marktanteile werden sich verschieben, vielleicht wird auch wieder mehr Livepoker gespielt werden (müssen?).

Doch wird dies tatsächlich der großen Freude mit der weltweit Millionen Menschen dieses Spiel betreiben ein Ende setzen? Haben es Verbote und Restriktionen, die rational schwer zu begründen sind und sich dem gesunden Menschenverstand auch nicht ohne weiteres erschließen, es jemals vermocht das Handeln der Masse zu ändern? “Nein“ ist meine Antwort und ich schließe mit der freudigen Feststellung: Poker ist wohl genau so sicher am Ende,  wie wir auf dem Weg in eine drogenfreie Gesellschaft sind!

Also viel Spaß an den Tischen und auf bald!

D.Schweitzer

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