Unsichere Zukunft nach dem Black Friday – Ein Geständnis von Poker Pro Shane „shaniac“ Schleger


Wohin geht die Reise? Bis zum 15. April 2011, dem Black Friday, konnten viele US-Spieler als Profis ihren Lebensunterhalt durch Onlinepoker bestreiten. Über die Jahre wurden teilweise gewaltige Gewinne erzielt und beachtliche Bankrolls aufgebaut. Das ist seit dem Black Friday vorbei. Die großen Pokerseiten Full Tilt Poker und PokerStars sind für US-Spieler geschlossen. Die Karrieren junger Onlinegrinder sind nun in Gefahr. Hinter ihrem Berufsweg taucht ein großes Fragezeichen auf. Einer von ihnen ist Shane „shaniac“ Schleger.

Anfang 2011 wurde er in das Team Pro Online von PokerStars aufgenommen. Ende vergangener Woche skizzierte Schleger, der für seinen sehr ehrlichen Blog bekannt ist,  in einem ausführlichen Gastbeitrag auf slate.com die Situation der Grinder und welche Möglichkeiten ihnen nach dem Black Friday bleiben.

Schleger erklärt auf slate.com zunächst die Vor- und Nachteile von Onlinepoker: „Viele meiner besten Freundschaften sind in der Pokerwelt entstanden. Ebenfalls genieße ich die Möglichkeiten, die ganze Welt zu bereisen und einfach mal einen Tag auszusetzen, wenn ich ausgebrannt bin. Gleichzeitig sind wir Grinder uns auch der sozialen Isolation, den finanziellen und emotionalen Swings sowie der Frage nach dem Beitrag zur Gesellschaft bewusst.“

Obwohl bei Schleger der Schock des Black Friday und über die Sperrung seiner „Fleischtöpfe“ noch sehr tief sitzt, möchte er sein pokeranalytisches Denkvermögen auch auf seine jetzige Lebenssituation anwenden: „Ähnlich wie in einer Pokerhand muss ich nun aus den wenigen, unerwünschten Optionen die beste auswählen. Obwohl die kurzzeitige Lösung nicht besonders wünschenswert ist, muss ich auch dringend Anpassungen an meinem Karriereweg und an meinem Lifestyle vornehmen. Es geht darum, die Lösung zu finden, die mir auf lange Sicht den höchsten Wohlstand beschert.“

Seine Möglichkeiten in der Zukunft und abseits der (virtuellen) Pokertische beschreibt er wenig optimistisch: „Natürlich könnte ich mir einen Job besorgen, aber ohne Universitätsabschluss, ohne vorweisbare Qualifikationen und mit einer 6-jährigen Lücke im Lebenslauf wird es sehr schwer für Leute, die sich in meiner Situation befinden.“

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Einen praktischeren Weg sieht Schleger beim Live-Poker: „Ich könnte die lokalen Cash-Games grinden, jedoch muss ich hierfür in die Nähe eines Casinos ziehen. Oder ich bestreite weltweit Highstakes-Turniere. Dafür braucht man jedoch eine gesunde Bankroll im Hinblick auf hohe Buy-Ins und Reisekosten. Keine der beiden Lösungen wird jedoch für den Großteil der Onlinespieler möglich sein, speziell für diejenigen nicht, die durch ihr Pokereinkommen ihre Familien unterstützen.“

Die Tücken des Live-Poker führen Schleger zu einer dritten Möglichkeit – dem Umzug ins Ausland: „Ich könnte weiterhin von zu Hause arbeiten, wenn ich die USA verlasse. Auch wenn es emotionale und logistische Hürden bei einer Auswanderung gibt, so müsste ich mich dennoch entscheiden: Möchte ich lieber in meiner geliebten Stadt wohnen und die meiste Zeit in Casinos und Card Rooms verbringen, die ich eigentlich nicht mag? Oder möchte ich meine Zelte zumindest für eine gewisse Zeit in einem neuen Land aufschlagen und dieselben Strukturen sowie den bisherigen Lebensstil beibehalten?“

Abschließend klagt Schleger auf slate.com über ein Leid, das vielen Online Pros widerfährt: „Ich bin gefangen in einem komischen, luftleeren Raum und unsicher darüber, wann und ob überhaupt Onlinepoker jemals in diesem Land (den USA) legalisiert wird! Welcher Schritt für mich als nächstes kommt, ist ebenfalls unsicher!“

Hier geht es zum kompletten Artikel auf slate.com …

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