Der Ivo Donev Blog: CAPT Innsbruck- Die Leon Show und eine unglaubliche Cash Game Hand

Hallo liebe Leser, als Casinos Austria Fan, die ich wegen der musterhaften Organisation und vielen Win2day-Qualifikanten sehr schätze, war es für mich Pflicht, die CAPT Turniere zu spielen. Im Mai war Innsbruck auch als Vorbereitung für die kommende WSOP für mich gedacht. Ich spiele bei den CAPT Turnieren hauptsächlich die 1000€ und die 2000€ buy-in Turniere, weil hier die Struktur wesentlich besser ist als bei den kleineren Turnieren.

Das Main Event: Das Teilnehmer Feld war klein aber fein. Mit 79 optimistisch eingestellten Startern – jeder hoffte natürlich auf einen Gewinn – hatte das Schlüssel-Turnier begonnen. Es war eine bunte Mischung zwischen vielen Amateuren und einigen Profis, die um einen Preispool von über 150.000€ kämpften.

An meinem Tisch wurden ab und zu Spieler ausgetauscht (wegen Chips Mangel…LOL) aber im Großen und Ganzen war folgende Mannschaft an dem grünen Mini Stadion vertreten.


Platz 1: Tormann – Erich Kollmann – Super Pro

Platz2 : Verteidigung – Ivo Donev

Platz3 : Verteidigung – Dani Studer – Inhaber eines Bowling Salons

Platz4: Win2Day Qualifikant – Solid

Platz5: Unbekannt

Platz6: Mittelfeld Bülend (Schweiz) – der Mann ohne Angst

Platz7: Mittelfeld – Vlado Sevo – hatte offensichtlich einen schlechten Lauf

Platz8: Angreifer – ein ungarischer junger Spieler – unberechenbar

Platz9: Leer

Platz10: Unbekannte Call Station

Ich war von meiner Tischauswahl zufrieden, weil es nicht so viele starke Spieler gab, und auf den besten Spieler E. Kollmann, hatte ich Position. Alles war OK, 15.000 Startchips, 1 Stunde Level und bei der Hand Nr. 2, bekam ich KhKd. UTG, das ungarische Internet Kid, raiste auf 150, der auf Platz 10 sitzende Calling Station callte, nun war ich an der Reihe. Ich erinnerte mich an eine alte Poker Weisheit:

,,Mit großer Hand großen Pot spielen, mit kleiner Hand kleinen Pot spielen!“ In solchen Situationen raise ich nicht zu wenig, um nicht zu viele Spieler in den Pot zu locken, und nicht sehr hoch, um dann nicht alle zu vertreiben. Optimal ist es, wenn ich nur einen Gegner im Pot behalte. Ich raiste auf 725, das war hoch genug um alle, außer die zwei aktiven Spieler zu vertreiben. So hatten wir zu dritt folgenden Flop gesehen, 4d6h9h. Meine Gegner checkten brav zu mir. Der Flop war nicht so schlecht (kein Ass!) für meine roten Könige, darum war es Zeit meine Hand zu schützen, also wettete ich 1.975 Chips. Beide Opponenten callten schnell… Wow was ist hier nur los, dachte ich. Turn 2d, beide checkten abermals. Die Board Textur sah gefährlich aus, zwei Flush Draws und dazu zwei Gegner, die eine große Wette am Flop callten. Trotzdem der gefährliche Flush war nicht vollständig. Darum wettete ich jetzt kräftig – etwa die Pothöhe von 6.800. Der ungarische Junge gab endlich auf, aber die Calling Station konnte nicht los lassen. Der River brachte Qh.

Jetzt schob mein Gegner seine letzten 4.200 in die Mitte, All-in! Wow was nun? Hatte er wirklich seinen Flush vervollständigt? Im Pot waren über 26.000, und ich musste 4.200 bezahlen, was mir mehr als 6 zu 1 Pot Odds gab.

Was kann ich schlagen? Wahrscheinlich nur AQ, falls mein Gegner extrem loose Calls am Flop und Turn gemacht hatte.

Gegen welche Hände würde ich verlieren?

a) Gegen Flush – irgendwie glaubte ich aber nicht, dass man am Turn eine so hohe Wette bezahlen konnte auf einen Flush Draw

b) Gegen ein Set – 999, 666 oder 444

Ich war fast sicher, dass ich diesen riesigen Pot verlieren würde, aber gezogen von den Pot Odds bezahlte ich mit Bauchschmerzen. Ich war sehr erstaunt, als mein Gegner mir zwei Damen zeigte. So hatte er am River sein Set gemacht und mich fast vernichtet, ich hatte nun circa 2.000 Chips bei einem Average von 15.000!

Wahrscheinlich war mein Call am River ein Fehler, weil es fast klar war, dass er nicht bluffte, sondern mit einer fertigen Hand für Wert wettete!

FAZIT: Während eines Poker Turniers macht jeder Spieler mehrere Fehler. Manche Fehler bleiben unbestraft und bedeutungslos, andere aber können dir schweren Schaden zufügen oder sogar das Turnierleben kosten!

Jetzt musste ich meine Strategie total ändern. Mit einem Stack deutlich unter Average muss man etwas lockerer spielen und schnelle Entscheidung suchen: Entweder verdoppeln oder raus.

Bald hatte ich mich mit KD (Straße) verdoppelt. Es gab noch viele up and downs, aber am Ende des Tag 1 ( 20 Spieler) hatte ich 36.200 eingetütet, was trotzdem unter Average von 60.000 war. Der klare Chip Leader war der Boss von King’s Casino – Leon Tsokernik , der folgendes Kunststück gebastelt hat. Fast am Ende des Tag 1 gingen drei Spieler All-in mit einem Stack zwischen 16.000 und 50.000 (bei Blindes 600-1.200). Leon sagte nach langer Überlegung, alle hätten große Karten, also dann habe ich zwei live Karten – Call, und drehte stolz 6h9h um. Es war klar, dass er hinten lag, nur wie weit, das war die Frage. Seine Gegner zeigten AK, AQ und AQ. Der Flop war 4hTc5d und dann folgte Qh mit noch einer Herz 3h, somit hatte Leon mit seinem runner runner Flush drei Spieler eliminiert und den Grundstein für seinen zukünftigen Platz 2 gelegt! Achtung, er heißt nicht Zocker sondern Tsoker…nik

Trotzdem denke ich, dass es ,,fast“ keine Spieler gibt, die so große Raise All in vor dem Flop mit 9 hoch callen können!

An Tag 2 begannen wir mit 20 Spieler für die 8 bezahlten Plätze zu kämpfen.

Mein Tisch war ziemlich OK. Der gefährlichste Spieler, der WPT Champ Markus Lehmann, war schnell ausgeschieden. Mein Stack hatte begonnen allmählich zu wachsen. Ohne Showdown hatte ich es geschafft, rund 69 000 aufzubauen. Dann kam die wichtigste Hand des ganzen Turniers für mich.

Es waren die letzten 11 Spieler, und wir waren 6 und 5 Spielern an zwei Tischen verteilt. In Level 11 (100/2.000 Ante 300) bekam ich UTG AK. Eine Bombe besonders im Shorthand, also raiste ich auf 6.000. Alle foldeten außer der Big Blind Ömer Kaya. Er begutachtete detailliert meine und seine Chips. Nach kurzer Zeit bekam ich eine klare Bootschaft, Reraise auf 18.000. Ich schätzte bei meinem Gegner um die 60.000 Chips (bei einem Average leicht über 100.000) und hatte in dieser schweren Situation folgende mögliche Züge:

a) Fold und auf eine bessere Gelegenheit warten

b) Reraisen, aber wie hoch ? Falls ich auf z.B. 36.000 reraise wäre ich theoretisch committed. Darum: Wenn Reraise dann All-in!

c) Call kam nicht in Frage, denn bei einem eventuellen Call wäre der Pot in der Mitte fast so groß wie Ömers restliches Stack

Gedacht getan, ich schob mein Stack in die Mitte ,,All-in“, als Ömer (er beendete diese Turnier als Dritter!)sofort callte, war klar dass seine Hand besser war. Showdown [AsKh] gegen KhKc

Der Dealer drehte 7c6c5h um und am Turn passierte ein Wunder, ich erwischte eine von meinen drei Outs Ac. Jetzt hatte ich super Chancen am Final Table mit einem guten Stack zu landen. Leider hatte das Märchen aber noch ein böses Ende : 2c ,also einen Flush und ich hatte nicht gemerkt, wie dieser entscheidende Pot in die falsche Richtung wanderte! Danach war ich short Stack und auch blitzschnell ausgeschieden. Was soll ich sagen, eine von den vielen (seit 15 Monate) banalen Geschichten mit meinem ,,Seat Open“ kurz vor dem Geld.

Wahrscheinlich hatte ich die Reraises mit AK übertrieben, also selber schuld, gebe ich zu!

Trotzdem ich bin Optimist für die kommende WSOP, die ich über einen Monat nun geplant hatte.

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Der chancenlose Bluff!

Beim Cash Game hatte ich folgende seltene Situation erlebt. Beim Cash Game hatte ich einen kleinen Omaha Pot Limit Tisch gesehen mit Blinds 2-4 und Minimum 100€ buy in. Ehrlich gesagt ist Omaha Pot Limit nicht meine beste Poker Disziplin und ich spiele darum diese Poker Variante in kleinen Limits mit Blindes 2-4 bis 5-10. Der Tisch war gut und ich kaufte mich mit 200 ein. Bei diesem niederen Limit spielen viele Spieler extrem loose und callen oft nicht nur vor dem Flop, sondern sie gingen noch am Flop und Turn zu weit. So weit so gut, aber ohne Karten ist es schwer, gegen solche Spieler anzukommen oder zu bluffen, weil sie einfach callen. Nach circa 30 min. schrumpfte mein Anfangs-Buy-in auf circa 150. Dann bekam ich am Button 5s6c8c9s, und was sah ich? Sieben Limper! Ich wollte das Feld auszudünnen und raiste auf 38. Zu meiner Überraschung callten der BB und der UTG Limper, alle andere foldeten. So stieg den Pot um circa 150€. Der Flop brachte 4c7sJs .

Meine Gegner checkten zu mir, ich mit meinem gigantischen Draw wettete Potgrösse.

Meine Opponenten callten, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt musste sich unbedingt mein Draw verbessern, weil ich nur noch nur 8 € Rest hatte, was praktisch wie All in aussah.

Turn Ac. Jetzt hatte ich 2 Flush Draws und Straßen Draw, also unendlich viele Outs. Meine Gegner checkten zu mir und ich fand keinen Grund, nicht die freie Karte zu nehmen, weil sie bei diesem Pot sowieso mit jeder Hand bezahlen würden. Der River 7d, brutal, jetzt waren alle meine Träume geplatzt. Ich hatte nur 9 hoch und. nur 8 € Restgeld! Meine Gegner checkten wieder und ich entschied mich, die letzten 8€ in den Pot von fast 600€ zu werfen. Bitte nicht lachen, aber es bestand eine minimale Chance, dass meine Gegner auch auf Draw waren, sie hatten ja immer gecheckt. Der Blind-Spieler schaute mit Frust auf das Bord und dann seine Karten an und foldete mit etwas wie ,,ich kann nicht kontrollieren“. Der UTG Spieler war wie geschlagen, seufzten und foldete. Der Dealer schob den Pot zu mir und ich öffnete meine Karten. Als meine Gegner meine 9 hoch gesehen hatten, waren sie sehr wütend aufeinander, aber der Dealer hatte gelacht und sagte: „Ich deale seit 10 Jahren im Poker, aber so einen billigen Bluff hatte ich noch nie gesehen!“

Und wenn man überlegt, gab dieser chancenlose Bluff meinen Gegner fantastische Pot Odds über 1 zu 70! Für mich aber, es reicht, wenn ich einmal aus 70 solcher Versuche erfolgreich bin um mathematisch gute Ergebnis zu erzielen. Na ja, wie der Dealer schon sagte, so etwas passiert nur einmal mal in 10 Jahren.

Euer :Ivo ,,The Chessmaster“ Donev

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