Der moldawische Value – Die Walz des Dominik Nitsche – Meine nostalgischen Gefühle

„Es ist leichter, einer Begierde ganz zu entsagen, als in ihr maßzuhalten.“ Friedrich Nietzsche

Ich mag Dominik Nitsche! Und obwohl man jemanden selbstverständlich völlig sinnfrei und grundlos mögen dürfte, habe ich noch gute Gründe dafür. Dominik Nitsche bekommt mehr böse Kommentare, als ich in meinen schlimmsten Zeiten. Das nimmt mich ein wenig aus der Schusslinie und ist zur Abwechslung mal ganz angenehm. Und Dominik Nitsche formuliert spannende und sonderbare Sätze, die so wohl noch nie so gesagt wurden und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch kein zweites Mal gesagt werden. Etwa „In Moldawien ist das bessere Value“ amüsiert mich nachhaltig und ich sehne mich ein wenig nach Chisinau und ich beneide Dominik ganz ehrlich um seine Wanderjahre. Dominik ist quasi auf der Walz, nur statt schwarzen Schlaghosen und Schlapphut, trägt er klassische Pokerkluft. Good desicion kann ich da nur anmerken.

Im aktuellen Blog sehen wir fragmentarische Ausschnitte eines finnischen Sofas samt sonderbarer Tapete und Nachttischlampe im üblen Nordstlye der späteren 70er Jahre. Dominik lümmelt, oder liegt, sein Blick irgendwo im Nirgendwo und das befindet sich ausgerechnet ein klein wenig rechts unter der Kamera. Entertainer, Witzerzähler oder Showmaster wird Dominik keiner mehr. Da fehlt das Talent und wohl auch die Konzentration. In schleppender Sprache werden Städte, Turniere, Buyins, Pläne und Resultate so lange aneinandergereiht, dass selbst hartgesottene Kampfjetpiloten Schwierigkeiten hätten das richtige Knöpfchen zu finden. Aber ich bleibe trotzdem dran, weil ich ihn verstehe und weil ich es einfach ungerecht finde, was da passiert. Der Junge hat bei Turnieren mehr als eine Million Dollar gewonnen, wird in diesem Jahr 21 Jahre und alt und darf nicht dabei sein beim größten Pokerevent der Welt. Sonderbares Land dieses Amerika. Da kann man als Zwanzigjähriger keinesfalls die WSOP spielen, dafür als Einundzwanzig jähriger rezeptfrei ein Maschinengewehr kaufen, solange man  den Alkohol in einem Papierpräservativ versteckt hält.

Dominik Nitsche beantwortet auch Fragen. Wo gibt es die beste Bratwurst in Helsinki? Sprechen die Bulgaren finnisch und wo zur Hölle liegt dieses Campione jetzt wirklich? Ich hätte da gleich eine Frage zu Moldawien. Stimmt das wirklich was Tony Hawks in seinem empfehlenswerten Buch „Matchball in Moldawien“ schreibt. Angeblich ist in Chisinau sehr gefährlich in der Nacht abseits des Casinos. Nicht etwa, wegen herumstreunder Straßenbanden, sondern wegen der fehlenden Kanaldeckel und der schlechten Straßenbeleuchtung. Die werden nämlich von organisierten Gangs gestohlen und dann an Eisenhändler verkauft, die sie dann wieder an die Stadtverwaltung verkaufen. Und so weiter und so fort.Bis jetzt hielt ist das für den „moldawischen Value“. Nach der Definition von Nitsche geht es aber um die Absenz der starken russischen Spieler bei den Turnieren. Im Original sagt Dominik: „Die ganzen guten Russen sind doch in Vegas“. – Unvorstellbar vor vierzig Jahren. Da waren die „guten Russen“ oft in Sibirien, oder wenn sie Glück hatten in Israel. Ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute dort und freue mich auf den hoffentlich kommenden Blog und wenn sich Dominik Nitsche dann mit den Worten meldet: „Hallo und Willkommen zu meinem dritten Blog für Hochgepokert.com. Dieses Update bringe ich euch aus dem wunderschönen Chisinau“ ist meine Welt in Ordnung.

Gestatten Sie mir noch ein paar nostalgische Erinnerungen. Als Zwanzigjähriger machte ich ebenfalls eine Reise nach Helsinki. Wie sich das für einen Spieler gehört, erst auf Druck im Cafehaus das Geld für die Zugfahrkarte gewonnen (fliegen konnte ich noch nie leiden) und dann eben über Hamburg – Stockholm – mit der Fähre nach Turku – mit dem Zug weiter nach Helsinki. Auf besagter Fähre gab es ein kleines Casino samt Roulettetisch und im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, durfte man da schon mit Zwanzig sein Glück versuchen. Der Versuch scheiterte, die gesamte Reisekasse war weg. Für die Rückfahrt lieh ich mir in Helsinki 300 D-Mark und kaum war das Schiff in Turku von Anker, hatte ich trotz ausgeklügeltem Roulettesystem wieder alles verloren. Irgendwann in Süddänemark ging dann mein Reiseproviant zu Ende und bis Wien war das dann noch ein breiter und vor allen Dingen hungriger Weg. Mein finnischer „Value“ allerdings war auf Leben gerechnet enorm. Ich war so was von verärgert (und so was von hungrig), ich habe seit dem keinen Cent mehr in „dumme Spiele“ investiert und selbst mit einer Pumpgun könnte man mich nicht zu einem Einsatz bewegen. – Apropos Hunger. Das wäre doch mal ein Blog für die Hater und Flamer. Ali T, Dominik Nitsche und meine Wenigkeit essen ein Döner und sprechen darüber. Die Kommentarfunktion würde glühen. Ein reizvolles Projekt. Ich werde gleich bei meinem Lieblingskurden darüber nachdenken.

G.Schrage

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