Full Tilt Poker: Ivey legt Klage ab, vier andere Spieler reichen Klage ein

Eigentlich wäre es die Topmeldung. Wie bereits angekündigt, hat Phil Ivey tatsächlich am Donnerstag seine Klage gegen Tiltware Full Tilt Poker zurückgezogen. Wie nun das Gericht in Clark County Courthouse bekannt gab, wurde die Anlage freiwillig vom Kläger eingestellt. Allerdings ist das nur eine Meldung vom Gericht, die in die Büros von Full Tilt geflattert sind.

Denn fast gleichzeitig reichten vier verärgerte Kunden von Full Tilt Poker zusammen eine Sammelklage gegen den Poker Room ein. Die Namen der vier Spieler lauten Steve Segal, Nick Hammer, Robin Hougdahl sowie Todd Terry. Terry, der unter dem Screenname ‚tbt4653‘ auf den Major Plattformen schon mehr als eine halbe Million in Turniergewinnen vorzuweisen hat, ist auch ein bekannter Live Spieler.

Die vier US-Amerikaner wollen ihr Geld, das seit dem 15. April auf FTP lagert, samt Zinsen per Klage einkassieren. Besonders interessant ist, dass sich die Klage nicht nur gegen Full Tilt Poker, Tiltware, sondern auch gegen Ray Bitar, Howard Lederer sowie Phil Ivey, Chris Ferguson, John Juanda, Jennifer Harman-Traniello, Phil Gordon, Erick Lindgren, Erik Seidel, Andy Bloch, Mike Matusow, Gus Hansen, Allen Cunningham und Patrik Antonius richtet.

Als ob das noch nicht schon genug wäre, wurden auch „John Does“ (das amerikanische Pendant zu Max Mustermann) angeklagt, die stellvertretend für die Red Pros von Full Tilt stehen. In der Klage werden nicht nur die Bankrolls eingefordert, sondern auch das Fehlverhalten von FTP angeprangert.

Die vier Spieler werfen dem Unternehmen Betrug vor (Geldwäsche, illegale Geldtransaktionen et cetera) und ziehen damit vor allem die Team Pros in die Verantwortung, da diese als Anteilseigner bei Entscheidungen Mitspracherecht hätten.

Fans von Klageschriften, angehende Juristen und jeder, der Interesse hat, kann sich das 57-seitige Schreiben bei Scribd.com ansehen.

Unter dem Strich muss man jedoch sagen, dass man die Klage nicht zu hoch bewerten sollte. Sicherlich wird es Folgeklagen geben, doch mit der rückgezogenen Klage von Phil Ivey, sieht die Welt für Full Tilt gleich ein wenig rosiger aus.

Zudem zirkuliert das Gerücht, dass das Department of Justice (DoJ) bereit ist, die drei Milliarden Forderung gegen Full Tilt, PokerStars und Absolute Poker fallenzulassen. Allerdings nur, wenn die drei Räume sich bereiterklären, enger mit dem DoJ zusammenzuarbeiten. Die Vorwürfe gegen die 15 beim Black Friday angeklagten Personen werden hingegen nicht fallengelassen.

PokerStars ist bisher der einzige Raum, der sich mit dem DoJ geeinigt, sich aus dem US-Markt gezogen und die Spieler ausgezahlt hat. Full Tilt Poker steht kurz vor diesem Schritt, muss jedoch noch einen Investor finden.

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Warum FTP im Übrigen Liquiditätsprobleme hat, ist nicht bekannt. Eine Vermutung ist das 60 Millionen Defizit, welches durch Spielerkredite entstanden ist, die Full Tilt seinen Kunden unfreiwillig gewährte. Eine andere Vermutung ist, dass Ray Bitar offenbar mit Geld aus den Fonds von FTP an der Börse spekuliert hat.

Die Geschichte über die europäischen Investoren, die bei FTP einsteigen wollen, muss in diesem Zusammenhang auch revidiert werden. Die L.A. Times berichtete von einem bereits abgeschlossenem Deal. Nun sprechen mehrere Quellen davon, dass es noch mindestens drei Wochen dauern soll, bis die nötigen Verträge unterzeichnet sind. Unsere Kollegen von Wicked Chops Poker haben hierzu einen Podcast zusammen mit Ben Fried von Gaming Edge Associates und Kim Lund von Infinite Edge Gaming aufgenommen.


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