Paranoia überall – Meine kleine Pokertour – Poker Royale Wr.Neustadt

„Sag Götz, für wie blöd hältst du deine Leser eigentlich? In deinen Storys erwähnst du ausschließlich das CCC Simmering und alles und alle werden da nur gelobt.  Das ist doch schon sehr auffällig. Ich hoffe du bekommst das wenigstens gut bezahlt.“ – Wahrscheinlich hat das mit den heutigen   Drogen zu tun. Dieses genmanipulierte THC plus das weiße Pulver aus Südamerika verblödet die Menschheit. Paranoia wohin man schaut und die geistig Versehrten von Full Tilt waren therapeutisch auch nicht wirklich hilfreich. Aber egal, Anwürfe dieser Güte werden routiniert weg gelächelt. Selbstverständlich bekommen Journalisten keine Kuverts zugesteckt und würde man mir irgendwo irgendetwas anbieten, wüsste ich hundert schlaue Gründe „Nein“ zu sagen. – (Allerdings sollte die hübsche CCC Kellnerin mit dem strengen Blick auch nur einmal mit mir ausgehen, schreibe ich täglich eine Simmeringer Kolumne. Solange, bis man mich aus der Redaktion prügelt.)

Anderseits auch der dümmste Kritiker kann zufällig irgendwo ein klein wenig recht haben. Selbstverständlich nur im homöopathischen Mikrobereich, aber immerhin. Es spricht ja nicht wirklich etwas gegen eine kleine Erweiterung des Spektrums. Quasi eine Kolumne mit Nutzwert. Ein kühner Gedanke zugegeben, aber gerade deshalb durchaus überlegenswert. Immerhin ist Wien die zweitwichtigste europäische Pokerstadt. Gleich nach Rozvadov wohlgemerkt (man verzeihe mir diese Bemerkung, aber ich brauche möglichst bald eine Gehaltserhöhung).  – In den letzten 10 Tagen habe ich mich für die Leser von Hochgepokert.com in die Schlacht geworfen. Kein Weg war mir zu weit, kein Casino zu heiß und keine Pokervariante zu verwirrend. Also wer einmal eine kleine  Reise nach Wien plant, soll in dieser und der folgenden Kurzserie über die Möglichkeiten abseits von Concord und Montesino informiert werden. Selbstverständlich bleibe ich meinem subjektiven und unsachlichen Stil treu. Jeder ist dann eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen.

Poker Royale – Wr.Neustadt, Stadionstraße 36. Jan Heitmann hatte mir zuerst davon erzählt. Richtig ins Schwärmen kam er, von wegen „wunderschönes Casino“ und er würde sich freuen, wenn es „so ein schönes Ding in Vegas gäbe“. Ehrlich gesagt war ich gerade deshalb ein wenig misstrauisch, aber gesehen, geprüft und für würdig gefunden. Jan Heitmann hat recht. Schöne Farben, exzellentes Licht, blitzsauber bis hin zu den Toiletten, wohl temperiertes gutes Raumklima . Bedingt durch die Raumhöhe und die entsprechend dicken Teppiche werden alle Geräusche angenehm gedämpft. Die Chips klappern wie überall, aber die Schärfe ist genommen und man fühlt sich wie im wohligen Bauch eines Luxuskreuzers irgendwo mitten am Stillen Ozean.

Der ganze Saal irgendwo zwischen großzügig und riesengroß. Trotzdem bleibt es durch geschickte Aufteilung in Zonen durchaus gemütlich. Eigentlich würde man Brad Pitt und George Clooney vor Ort erwarten und wohlmöglich würden die auch mal kommen, wäre das Poker Royale nicht so verdammt schwer zu finden. Wenn ich so ein wirklich gut gestyltes Teil ins Nirvana stelle, tackere ich die Gegend mit beleuchteten Wegweisern voll. Daran wurde gespart.  – Nicht gespart wurde am Personal. Dealer sehr gut, Floorman freundlich und kompetent, ich wurde unaufgefordert und tadellos informiert und zum Tisch geleitet.

Angeboten werden die üblichen Varianten in überschaubarer Höhe. Ich setzte mich an den Dealers Choice Tisch, schon alleine, weil ich mich in der mir bis dato unbekannten Variante „Courchevelle“ versuchen wollte. Man bekommt fünf Karten ausgeteilt und die erste Karte des Flops wird vor der ersten Setzrunde geöffnet. Das ganze ist ein Pot Limit Spiel und als Abwechslung durchaus charmant. Richtig beliebt gemacht habe ich mich wohl nicht und vielleicht war ich auch mehr als nur ein wenig „lucky“ an diesem Abend.  An meinem Tisch waren ausschließlich Österreicher. Gesprächsthemen war Pferdesport und Golf und jeder Move wurde auf seine spieltechnische Korrektheit erörtert. Irgendwie die kleinen Probleme der besseren Leute und ich als bekennender Pokerprolet mitten drinnen. Wie auch immer,  viele Leser würden sich wohl genau so eine Partie wünschen. Ich persönlich habe es gerne wilder und spannender, abgesehen langweilen mich hochwissenschaftliche Erörterungen auf kleinen Limits, aber jeder wie er mag.

Zusammenfassend: Durchaus einen Umweg wert und wenn man sich einem ortskundigen Spieler anschließt, klappt es dann auch mit der Anreise. Ich komme sicher wieder, nehme mir aber dann mindestens zwei albanische Freunde mit. Sonst fühle ich mich gar zu einsam.

Dienstag gibt es einen Bericht zu „City Poker – Lugner City“ und zur „Ilano Poker Lounge“.

Götz Schrage

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