Der Ivo Donev Blog: CAPT Velden besser besucht als die WPT Slowenien!


Hallo alle zusammen,

bei meinem letzten größeren Las Vegas-Event, dem Deep Stack Extravaganza im Venetian mit einem $1500 Buy In hatte ich Tag 1 als Chipleader beendet. Am Tag 2 folgte eine ausgeprägte Achterbahn und an den letzten beiden Tischen ereignete sich folgendes:

Ich hatte Average Stack und es waren nur noch 20 Spieler von 286 im Wettbewerb. Ein junger UTG-Spieler raiste Standard auf 3 BB und ein Spieler in mittlerer Position, ein älterer Mann, callte. Ich fand im Big Blind AdJd und stand vor zwei Möglichkeiten: Entweder calle ich, um einen guten Flop zu treffen oder reraise kräftig mit der Absicht, meine Gegner zu verscheuchen und den Pot sofort zu kassieren.

Aus Sicherheitsgründen hatte ich mich nach kurzer Überlegung für die erstere Möglichkeit entschieden, also Call. Der rote Flop 2h4d9d passte nicht schlecht zu meine Karten. Ich checkte brav zu dem Preflop-Aggressor, der erwartungsgemäß ein Contibet von etwa einer halben Potgröße machte. Der Mitläufer, eine Calling Station, callte wie immer. Nun stand ich vor einer schwierigen Entscheidung. Folden kam nicht in Frage. Entweder sollte ich callen, um meinen Flush zu komplettieren oder als Semibluff All-In stellen, da ich nur für circa dreifache Potgröße Chips hatte. Ich rechnete. Wie waren meine Chancen gegen die Handrange des ursprünglichen Raisers? Weil der Mitläufer sowieso vor und nach dem Flop keine Stärke gezeigt hatte, gab ich ihm keinen Kredit für eine große Hand.

a.  Falls der UTG-Aggressor ein großes Paar hatte, wie TT, JJ, QQ, KK, hatte ich 12 Outs mit 9x Karo und 3 Asse.

b.  Falls er AK oder AQ hatte, hätte ich wieder 12 Outs, nämlich 9 Karo und 3 Buben.

c.  Nur falls er AA oder ein Set wie beispielsweise 9-9 hatte, läge ich weit hinten und wäre mit rund 3 : 1 Underdog.

Man konnte nur vermuten, mit welchen Händen mein Gegner geraist hatte. Was genau er hatte, war nicht feststellbar. Allgemein hat AJs gegen die o.a. Rangehände rund 50% mathematische Erwartung. Das kann man online testen und zwar mit http://www.pokertools.com/simulations

Also schien der Semibluff mit einem All-In gar nicht so schlecht zu sein, womit sich die Chance erhöhte, dass meine Gegner foldeten.

Ich schob die dreifache Potgröße rein, der UTG callte. Der Mitläufer foldete AsQc (!) offen. Nun standen wir vor dem Showdown, ich mit meinen Nuts Flush Draw AdJd und mein Gegner mit 9c4c, eine Hand, die ich überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Es ist eben selten, dass jemand UTG mit 9 4 raisen kann.

Da ich keine weitere Hilfe bekam wurde ich als 20ter mit $4600 Gewinn gebustet.

FAZIT: Es ist manchmal frustrierend, dass meine ganzen Analysen und Vermutungen umsonst sind, da die heutigen jungen Spieler für mich unberechenbar spielen.

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CAPT Velden

Nach Las Vegas machte ich eine Woche Pause und fuhr dann nach Velden, um CAPT zu spielen. Wie im letzten Jahr zog ich Velden vor und ließ das Main Event in Vegas aus.

Es liegen Vorteile auf der Hand. Velden ist optimal für Poker und Uralub, alles ist perfekt organisiert, Gerald Golker und Casino Austria Pokerboss Edgar Stuchly führen alles bestens – darum auch die guten Besuche.

Außerdem waren viele win2day-Qualifikanten und urlaubsfreundliche Italiener da, die das Main Event mit 195 Teilnehmern attraktiv machten. Bei NL-Turnieren hatte ich in der Vergangenheit festgestellt, dass wenn ich mich in der frühen Phase nicht schnell verdoppelte, bald das bittere Ende kam. Hier die wichtigste Hand beim Main Event mit 2000 EUR Buy In.

Level 2, 50-100. Ich fand AhQs in früher Position und raiste auf 300. Der Button und der BB, mein Kollege und Pokerass Sigi Stockinger, callten. Flop: AsAc2s. ’na wunderbar‘, dachte ich.


Sigi hatte noch die Hälfte des Start-Stacks und fand was Interessantes am Board. Plötzlich verlangte er 400, im Pot waren 900. Ich hatte ein Monster und dachte, wie ich wohl das Maximalste aus dieser Situation herausholen konnte. 800 war mein Einladungsraise. Ich wollte Action. Für den Button-Spieler wurde dies zu heiß, er strich die Segel. Sigi jedoch schob sein ganzes Stack (7.400 Chips) in die Mitte. Nun war ich am Zug mit meinem Average Stack von 15 000. Hätte Sigi AK, hätte er wahrscheinlich vor dem Flop erhöht.

Gegen welche Hände war ich vorne? Gegen AJ bis A3 oder sogar Flush Draw. und gegen welche Hände wäre ich hinten? 2-2, A-2 und vielleicht AK. Mit Bauchschmerzen callte ich und sah das, was ich nicht sehen wollte: Seine Hand war 2-2, geflopptes Full House. Ich bekam keine Hilfe vom Board und schied als Short Stack aus.

Trotzdem: Ich hatte eine schöne Zeit in Velden und werde wiederkommen! Hoffentlich überschneiden sich  2012 WSOP Main Event und CAPT Velden nicht!

WPT Slowenien

Am nächsten Tag bin ich mit meinem Mannschaftskollegen von win2day Sigi Stockinger nach Potoroz gefahren. Wir hofften, dass die neue WPT-Station Slowenien gut besucht sein würde, vor allen Dingen von Italienern, weil bekannt ist, dass aus dem Nachbarland Italien viele Spieler anreisen.

Leider erfüllte sich unser Wusch nicht, an Tag 1 waren es 46 und an Tag 2 95 Spieler. So gab es nur 141 Freiwillige, die das Buy In von 3300 EUR bezahlten. Scheinbar fasst die WPT schwer Fuß in Europa. Positiv war die schöne Deep Stack Struktur ähnlich wie bei der EPT, jedoch mit zwei kleinen Änderungen: An Tag 2 waren die Levels 90 Minuten und das Buy-In war nicht so hoch wie bei den EPTs.

Ich spielte am ersten Tag relativ gut und beendete den Tag mit 77.000 Chips. Das war über Average. An Tag 2 baute ich konstant mein Stack auf, bis dann folgende Schlüssel-Hand kam:

Es waren die letzten drei Tische am Ende des zweiten Tages. Ich hatte um die 200 000, was zu diesem Zeitpunkt Average war. Blinds waren bei 1000/2000 Ante: 200.

Alle foldeten zu mir im SB, wo ich Kd Qh fand. Sofort warf ich einen Blick auf den Stack des BBs, des Rumänen Flori Pandilica.

Er hatte gegen 100 000. Aus mathematischer Sicht hat KQ im Heads Up gegen zwei Random-Karten über 60% Vorteil. Da ich out of Position war, wollte ich den Pot sofort gewinnen und raiste auf 7000.

Mein Gegner war mit meinem Plan nicht einverstanden und callte. So sahen wir den Flop Ks7sJc. Na prima, Topp-Paar mit Superkicker! Da mein Gegner vor dem Flop nicht gereraist hatte, schloss ich AK von seinen Range-Händen aus. Auch K-7 oder J-7 waren vermutlich nicht in seinen Calling-Händen.

So machte ich logischerweise eine Contibet von 8.000. Plötzlich bekam ich Widerstand mit einem Reraise von 20.000. Hatte er Top-Paar mit schlechtem Kicker, hatte er Flush- oder Strassen-Draw, hatte er ein Set getroffen? Es war schwer zu erraten. Ich sah keine andere Lösung als meinen Gegner mit ca. 90 000 All-In zu stellen.

Es wäre super, gäbe mein Gegner jetzt auf, leider bekam ich sofort einen Call. Bei einem so schnellen Call weiß ich, dass mein Top Paar nicht gut ist. Mein Gegner zeigte mir die einzige logische Hand KcJd für zwei Top Paare. So hatte ich 50% meines Stacks verloren. Später konnte ich mich nicht mehr erholen und beendete kurz vor dem Geld – es wurden nur 14 Plätze bezahlt – als 26ter das Turnier. Meine nächste Station ist die CAPT Kitzbühel, wo ich hoffentlich einige von euch treffen werde.

Schöne Sommertage wünscht Euch:

Euer Ivo „The Chessmaster“

P.S.: Es hat mich gefreut, dass ich letzte Woche bei der Top 300 des Global Poker Indexes bin – Platz 278!

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