Pokern in Blumau – „Krav Maga“ und das Eiserne Kreuz – Die 400.-Euro Gulaschsuppe

Ein wenig mehr Grips in der Birne und ich hätte mir eine Menge Kilometer erspart. Mal ganz ehrlich, warum sollte jemand ausgerechnet mir einen wirklich guten Tipp geben? Noch dazu von einem mir fast völlig fremden Spieler, dem ich kurz davor einen wirklich bösen Beat umgehängt hatte. – „Ein Wahnsinn die Partie in Blumau. Genug Geld am Tisch und keiner hat irgendeinen Plan.“ – Ich hatte auch keinen Plan, dafür einen Freund mit Navigationsgerät und Auto. Als rasender Hochgepokert.com Casino-Tester (Sektion: Österreich/Ost) quasi ein Pflichttermin und so machte ich mich auf den Weg ins spannende Nirgendwo. Dort wo sich Dealer und Floorman niemals Gute Nacht sagen und die unbeleuchteten Bundesstraßen dritter Ordnung so schmal sind, dass es einem bei einem entgegenkommenden Wagen gruseln müsste. Dafür ist die Gegend schön. Zumindest im Dunklen.

„Zeitlos – Card Club“, 2602 Blumau Sollenauerstraße 1 – täglich außer Sonntag ab 18.00 geöffnet. –  Nicht wirklich leicht zu finden und die Beschreibung „gleich nach Bad Vöslau“ trifft es nicht wirklich. Aber irgendwann waren wir da am Ortsrand von Blumau, gleich neben der schmalen Eisenbahn. Der Parkplatz gut gefüllt. Durch die Glasscheiben sehe ich die vertraute Silhouette der Casinolampen. Pieter de Korvar soll schon mal da gewesen sein – wenn ich das richtig verstanden habe – und eine Klimaanlage gibt es auch. Wir steigen aus dem Wagen. Ich klopfe mein dunkles Jackett zurecht und überprüfe, ob die Scheine da sind wo sie zu sein haben. Noch drei Schritte bis zum Eingang und plötzlich wird es dunkel. Wo gerade noch Licht, Leben und Casino war, ist jetzt eine schwarze Scheibe, so als ob ich gleich vorab Hausverbot hätte oder so. Rausgeschmissen wurde ich schon aus einigen Lokalen, aber das war für mich auch neu. Schemenhaft erkenne ich den Schriftzug „Zeitlos“ und sehe auf die Uhr. Es ist 21.55 Uhr.

Daneben ein kleines Lokal mit dem Charme einer Sportkantine. Ein harter Reporter lässt sich nicht so leicht abschütteln. Mir gegenüber sitzt ein blonder extrem Kurzbehaarter, am Oberarm das Eiserne Kreuz tätowiert. Ganz großartig. Offenbar mein Glückstag. Der geschätzte Leser wird es ja noch nicht bemerkt haben, aber ich neige gelegentlich dazu ein wenig durchzuknallen. Manchmal will ich gar nichts sagen (oder schreiben), es spricht (oder schreibt) irgendwie aus mir heraus. Sätze wie: „Na du Stricher, wollen sie dich nicht einmal in Sachsen haben?“ unterdrücke ich mal besser und bestelle einen kleinen Kaffee. Mir fällt so eine großartige „Krav Maga“ Griffkombination ein. Nur dazu müsste ich eine kleine Frau sein und einen Zopf haben, an dem mich jemand packt. Fehlanzeige auf doppelter Ebene. Der Kaffee ist gut, das Service ist freundlich und ich bekomme ein Keks geschenkt. Immerhin.

Am Weg nach draußen sehe ich flackernde Lichter im „Cardroom“. Vor dem Spielautomaten sitzt ein hübsches Thaimädchen und ignoriert die Welt und mich sowieso. Alle Kraft den virtuell rotierenden Walzen. Da gäbe es sicher auch einige Bad Beat Storys zu erzählen, aber im „Zeitlos“ bleibt für so etwas keine Zeit. Drei leere Tische sehe ich im Halbdunkel, oder sind es doch vier? Einen Turnierplan für den August gibt es auch. Um 19.00 wäre ein NLHE 20 + 5.- gewesen, oder vielleicht war es gerade vorbei, als wir kamen und drüben in der Kantine gab es die Siegesfeier. Hoffentlich hat nicht der mit dem Eisernen Kreuz gewonnen. Am Floorman Pult sehe ich einen Flyer: „V.I.P – CASHGAME – Dienstags ab 19.30 NLHE 1-2 Buy in E 100 – E 500 – BUFFET FREI“. Alles klar, einfach nur der falsche Tag. Dienstag passt mir gut. Ich werde wieder kommen. Einmal ein richtiger „V.I.P“ sein und sei es vorerst einmal in Blumau. Aller Anfang ist schwer.

Draußen ist es noch dunkler als dunkel. Wir cruisen mit dem dicken Wagen über dünne Straßen. Rechts könnte man ins „Erholungszentrum Haschendorf“ abbiegen. Wenn das die Krankenkasse zahlt bin ich dabei. Weitere sonderbare Ortsnamen und irgendwann ein kleiner Wegweiser „Wiener Neustadt 9 km“ – Die Zivilisation hat uns wieder. Ich bin erleichtert irgendwie und wenn man schon mal in der Gegend ist, gleich nochmal auf einen Besuch ins Poker Royale. Peter Hasjzan begrüßt mich und behauptet sich zu freuen. Wenn der wüsste, wie sehr ich mich freue. Irgendwie wie ein Bergsteiger nach der Rückkehr vom K2 bei schlechtem Wetter. Ich setze mich auf einen freien Platz, esse eine wunderbare Gulaschsuppe für 400.-E und verliere beim Omaha drei Euro und achtzig Cent (oder war es doch  umgekehrt?). – Egal, ich muss weiter. Das Cercle wartet. Als Casino-Tester ist man immer unter Druck. Was ich dann in der noblen Casino Austria Dependance auf der ebenso noblen Wiener Kärtnerstraße erlebt habe, schildere ich dann in meiner Kolumne am kommenden Montag.

Götz Schrage

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