Edgar Stuchly im Hochgepokert.com-Interview

Götz Schrage:  „Danke, dass Sie sich für die Leser von Hochgepokert.com Zeit nehmen.“

Edgar Stuchly: „Immer gerne Herr Schrage.“

Götz Schrage: „Sie haben zur Überraschung vieler den sicheren Hafen von Casinos Austria verlassen und segeln jetzt in die unsichere Privatwirtschaft. Was treibt einen dazu so ein Risiko zu nehmen?“

Edgar Stuchly: “ Es gibt einfach Chancen im Leben, die darf man nicht an sich vorbeiziehen lassen. Als die EPT auf der Suche nach einem Präsidenten an mich herangetreten ist, habe ich mein Interesse bekundet, weil ich es für eine spannende und schöne Herausforderung halte. Nach einigen Gesprächen sind wir uns dann relativ schnell einig geworden.“

G.S: „Präsident – ein schöner Titel. Aber hat das nicht so ein wenig etwas von „Captains Dinner“. Quasi etwas sehr repräsentatives. Das kann doch für einen jungen Menschen wie sie nicht genug Herausforderung sein.“

Edgar Stuchly (lacht): „Danke für den „jungen Menschen“. Grundsätzlich sind beide Aufgaben in meine Tätigkeit eingebunden. Einerseits das Repräsentative, aber meine Hauptaufgabe wird sein die Marke EPT strategisch zu positionieren und auch abwicklungstechnisch alles auf höchstem Niveau zu halten und darauf zu achten, dass wir immer besser werden.“

G.S: „Na dann viel Spaß in Barcelona. Sie wissen wahrscheinlich was man über Spanien sagt. Da spielen angeblich die besten Fußballer der Welt und arbeiten die schlechtesten Dealer der Welt.“

Edgar Stuchly: „Das kann ich mir so nicht vorstellen. Ich reise jetzt einmal nach Barcelona um die Leute kennenzulernen und werde mir alles vorurteilsfrei aber auch durchaus kritisch ansehen.“

G.S: „Apropos vorurteilsfrei und kritisch – ich wollte mir ihren Nick bei Pokerstars ansehen. Wie läufts im Moment online bei Ihnen und bekommen Sie ihre Gage in Pokerstars Dollar ausbezahlt?“

Edgar Stuchly: (lacht) „Da werden Sie aktuell nichts finden. Wir haben eine Staff Online Play Policy bei der EPT und ich kann und werde bei Pokerstars nicht spielen.“

G.S: „Tragisch, jetzt wo die anderen weg sind. Auch keinen platinenen Diamantenstatus mit massig Playerpoints?“

Edgar Stuchly: „Auch keine Playerpoints.“

G.S. „Wenn Sie für Barcelona noch Garderobe brauchen, ich hätte fünf Pokerstars Langarmhemden, sieben Polos, vierzehn T-Shirts und etliche Kapuzenjacken. Alles frisch gewaschen und fast gebügelt“.

Edgar Stuchly: „Das wäre nett Herr Schrage. Wenn Sie mir da ein Paket zusammenstellen und rasch nach Vorarlberg bringen. Ich schaffe es vorher nicht mehr nach London um mich persönlich einzudecken.“

G.S: „Apropos Vorarlberg. Die Jungs hinter oder vor dem großen Berg gelten ja als besonders schlau. So munkelt man ja hinter vorgehaltener Hand folgendes. Wenn der Stuchly Casinos Austria verlässt, kann das nur bedeuten, dass die Pokerlizenz anderwärtig vergeben wird.“

Edgar Stuchly: „Das können Sie aber als reines Gemunkel abtun. Selbstverständlich weiß ich aktuell noch gar nichts darüber wer die ausgeschriebene Pokerlizenz bekommt. Das weiß jetzt überhaupt noch niemand. Mit meinem Jobwechsel hat das sowieso nichts zu tun. Ich habe neunzehn schöne Jahre bei Casinos Austria gehabt und abgesehen davon, hätte die Vergabe der Pokerlizenz etwa mit der CAPT Poker Tour ohnedies nichts zu tun. Wie schon erwähnt, ich sehe meine Position bei der EPT einfach als neue und spannende Herausforderung“

G.S. : „Und das völlig zu recht – darf ich gleich einmal eine der Herausforderungen thematisieren“.

Edgar Stuchly: „Ich bitte darum.“

G.S: „Wenn die Rolling Stones ihre zwanzigste letzte Welttournee starten wollen sie alles wissen. Ist das Bier im Stadion gut gekühlt, was kostet ein Hot Dog und gibt es genug saubere Toiletten. Einfach weil die Stones wissen, dass alles was bei ihrem Konzert passiert, alles mit der Marke Rolling Stones assoziiert wird. – Warum stellt die Marke EPT nicht höhere Anforderungen an ihre Partner und warum diktiert sie nicht Bedingungen, die sie doch nach sieben Jahren wohl wird durchsetzen können?“

Edgar Stuchly: „Ich starte jetzt meine Recherche Tour und werde mir Event für Event in Ruhe ansehen. Generell bin ich ganz ihrer Meinung. Es kann etwa nicht sein, dass EPT Spieler höhere Getränkepreise zahlen oder ähnliches. Wir als EPT bringen den Casinos viele Spieler und ich als Präsident der EPT werde mich für das Wohlergehen und die korrekte Behandlung jedes einzelnen Gastes verantwortlich fühlen und mein bestes tun. Mir ist auch klar, dass es Gespräche mit unseren Partnercasinos geben muss und ich werde diese Gespräche auch wahrnehmen. Da können Sie sich darauf verlassen.“

G.S.: „Das hört sich spannend und kampflustig an.“

Edgar Stuchly: „Das hat mit kampflustig überhaupt nichts zu tun. Es wird Qualitätsvorgaben der EPT geben und wenn die ignoriert werden, muss man schlussendlich Konsequenzen ziehen.“

G.S: „Genau das nenne ich meiner Welt kampfeslustig. Aber egal. Gehen wir von den Getränkepreisen – die sind unwichtig – zu den Dealern. Es gab ja zu Thomas Kremser Zeiten eine Menge EPT Dealer mit österreichischem Pass. Meist zwar aus aller Herren Länder von der ethnischen Herkunft, aber quasi als Österreicher geführt. Schon in Talin wurden viele davon vermisst und viele von den ganz besonders qualitativ hervorragend arbeitenden Kollegen. Gibt es jetzt irgendwelche Nachteile der „Kremsernähe“ und was ist da mit den erwähnten Parametern der Qualität?“

Edgar Stuchly: „Herr Schrage. Sie können mir glauben, ich werde alles tun, um die Qualität der EPT Events weiterhin hoch zu halten und sogar noch zu verbessern. Selbstverständlich gehört dazu auch, dass wir das bestmögliche Personal verpflichten. Geben Sie mir doch jetzt bitte die Gelegenheit, mich von Event zu Event einzuarbeiten und den Status zu klären.“

G.S.: „Versteh ich vollkommen. Anderes ebenfalls brisantes Thema. Das Trinkgeld. Inwiefern gehört das in ihr Aufgabengebiet? Wenn etwa eine Anette Obrestad bei einem Gewinn von einer Million Pfund wie der WSOP Europe tatsächlich 1 Pfund Trinkgeld gibt, würden Sie dann mit ihr reden, oder ist das für einen Präsidenten ein unwürdiger Job? – Ich meine, wenn Sie einen Bluthund brauchen für so etwas, könnte ich mich schon frei machen.“

Edgar Stuchly: (lacht) „Danke für das Angebot, aber wenn es um die Abläufe bei einem Turnier geht, dann gibt es keine für den Präsidenten unwürdige Aufgabe. Selbstverständlich würde ich in so einem Fall das Gespräch mit ihr suchen, schon alleine um die Verwendung und Aufteilungsschlüssel der Trinkgelder zu erklären.“

G.S: „Abschließende Frage. In welcher Stadt wird das Finale der aktuellen EPT gespielt? Haben Sie sich schon zwischen Bludenz und Bregenz entschieden? Oder tendieren Sie zu Rankweil?“

Edgar Stuchly: „Vorarlberg wäre natürlich eine spannende Region, aber ganz im Ernst, da sind wir intern noch am diskutieren und es gibt noch keine Entscheidung. Es wird auf jeden Fall eine europäische Stadt, die jeder Spieler auf Anhieb kennt, dadurch fallen Bludenz, Bregenz und Rankweil schon mal aus.“

G.S.: „Ich merke, Sie möchten das noch nicht verraten, aber ich hoffe Sie finden wieder einmal Zeit für die Leser von Hochgepokert.com.“

Edgar Stuchly: „Das werde ich ganz sicher tun.“

G.S.: „Dann bedanke ich mich herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen eine spannende und schöne Reise nach Barcelona.“

Edgar Stuchly: “ Ich bedanke mich ebenfalls.“

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