Das verlorene Royal Flush – Die Akte GermanHawke – Ich liebe Daniela Katzenberger wirklich!

Ich schäme mich. Wirklich, aufrichtig und selbstverständlich aus gutem Grund. Der Liebe Gott und Ben Kang haben mir dieses wunderbare Plätzchen im großen weiten Netz zur freien Verfügung gestellt und ich sollte es demutsvoll hegen und pflegen. Stattdessen sitze ich tagelang in jedem Gastgarten, der mich nimmt und lasse nichts von mir hören oder lesen. Die Hitze lähmt und klare Sätze waren ohnedies nie meine Stärke. Tröstlich für mich, dass scheinbar auch andere leiden und neben der Spur auf Halbmast existieren. Zum Beispiel mein Freund der „Pokershop Sepp“. Er kennt meine Prinzipien. Niemals Bad Beat Storys erzählen und schon gar nicht zuhören, wenn andere es auch nur versuchen. Sobald ein Satz unheilvoll beginnt („Ich sitze im Big Blind, habe die Asse und am Button kommt ein Raise……“) ergreife ich fluchtartig die Flucht  ( „…fluchtartig die Flucht“ ist natürlich Ginalisadeutsch, aber es hat immer noch 42 Grad im Cafehaus. Ich bitte um Nachsicht).

„Stell dir vor Götz. Da habe ich zum ersten Mal im Leben ein Royal Flush im Flop und verliere den Pot!“. – Das nenne ich mal einen guten ersten Satz vom „Pokershop Sepp“. Der macht neugierig und da höre ich dann doch zu. Schon alleine aus Verpflichtung meinen Lesern gegenüber. Mit Royal Flush den Pot zu verlieren? Ja kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen? Das nächste Mal kommt einer und erzählt mir, der zweitgrößte Online-Pokerroom verschwindet von einem Tag auf den anderen spurlos ohne die Spieler auszubezahlen!

Ich habe Q,10 in Kreuz und der Flop kommt A, J, K in Kreuz. Ich will das für dich und die Ewigkeit mit einem Screenshot festhalten. Da gelingt mir nicht so wirklich, ich suche mein Handy um ein Foto zu machen. Irgendwie übersehe ich die Zeit und plötzlich ist meine Hand tot. Am Turn spielt einer rein und ich bin auf „auto-fold“ weil „abwesend“. – Erst will ich mit dem in Casinos üblichen: „Da ist mir noch was viel krasseres passiert, ich habe ………..“ antworten, aber dann fällt mir doch nichts ein und ich drücke mein Bedauern aus. Immerhin hat es der „Pokershop Sepp“ damit in diese Kolumne geschafft und das gibt es für kein Geld der Welt zu kaufen.

Allerdings kann man es natürlich auch auf üble Weise in meiner Kolumne Erwähnung finden. Zwar nur einmalig, aber dafür aus gutem Grund. Der Betrug im Netz beginnt doch nicht erst bei Full Tilt und sonstigen Skandalen. Jeder von uns kann sich jeden Tag aufs Neue entscheiden, wo sein Platz ist. Die virtuelle Welt ist noch so jung und in gewisser Weise ungeschützt. Ein Paradies für Menschen ohne Ehre, ohne Charakter und vor allen Dingen, ohne Mut. Die dicke Lippe vor der Tastatur ist schnell riskiert und die Konsequenzen gleich Null. Einige Zeit habe ich mir den Luxus geleistet, ganz besonders unverschämten Usern ein Flugticket tour/retour anzubieten. Die Qualifikation wäre darin bestanden, Sätze, die mir mangelnden Mut unterstellen, oder meine Familie beleidigen, „face to face“ zu wiederholen. Das Ticket wurde nie eingelöst und inzwischen habe ich die Aktion auch beendet, weil sonst meldet sich noch ein steierischer Käfigkämpfer auf Alaska-Tournee mit Heimweh und Pokerkenntnissen.

Kürzlich bekam ich bei Facebook eine Freundschaftsanfrage. Der Name mir persönlich unbekannt, die Pinnwand präpariert mit Icons der „Fans Israel“, „Jüdisches Museum Berlin“, „Peace between Arabs and Jews“ und hätte es bei Facebook eine Gruppe der „jüdischen Nasenbohrer“ gegeben, wären die wohl auch noch erwähnt wurden. Eigentlich schon mal verdächtig und vor allen Dingen schlecht recherchiert. Mein religiöses Bekenntnis lautet bei Facebook nicht zufällig „Daniela Katzenberger“ und statt nach Israel ins Kibbuz, zieht es mich im Alter viel eher nach Santa Ponca. Da bewerbe ich mich dann als Rausschmeißer im Cafe Katzenberger und alles wird gut.

Aber weiter in der Geschichte, kaum hatte ich den neuen Facebook-Freund bestätigt, outet er sich als „GermanHawke“ und dämlich und altersmilde wie ich nun mal bin, ließ ich mich auf so manchen durchaus charmanten Chat ein. Was dann passiert ist, weiß ich nicht so genau. Irgendwie eine Art wirrer Antrag, den ich so gar nicht verstehen konnte und wollte. Einfach ein schlecht und strange formuliertes Angebot. Jedenfalls hört sich das im Originalkommentar von GermanHawke hier so an: „Aber von mir hat er sich zumindest nicht bestechen lassen, wenn auch nur aus Angst vor der Konkurrenz.“Dabei hätte ich mich ganz sicher von GermanHawke „bestechen“ lassen, hätte ich nur kapiert, was er eigentlich von mir wollte. Scheinbar eine eigene Kolumne? Oder eine eigene Seite, oder vielleicht gleich ein eigenes Internet? Alles kein Problem für mich. Zum Hörer greifen, Ben Kang anrufen und der schickt das Geld gleich mit dem Tieflader. Die Domain www.hochgepokertendlichauchmitgermanhawke.com müsste hoffentlich noch zu haben sein.

Selbstverständlich sollte man Trolle nicht füttern. Gib ihnen Zucker und sie werden fett und lästig. Lerne sie zu ignorieren und sie fliehen wie Graf Dracula von der Sonnenterasse. Einen Vorwurf allerdings kann ich nicht so im Raum stehen lassen. Unter dem selben Beitrag unterstellt er mir, ich würde meine Turnier-Buy ins nicht selber bezahlen. Quasi eine Hand wäscht die andere und das nächste Interview wird dann besonders nett. Nicht auszudenken, wenn das auch nur ein einziger Leser glauben würde und wieder sehr schlecht recherchiert. Ich bin so ein altes und stures Cashgame-Fossil. In dem gesamten Jahrtausend habe ich maximal sechs Turniere gespielt, die in irgendeiner Weise würdig  gewesen wären, bei Hendon Mob gelistet zu werden. Also im Schnitt alle zwei Jahre eines und  natürlich das Buy in ganz normal bezahlt. Sollte sich unter meinen Lesern ein verschrobener Millionär finden, der sich selbst, das Leben im Allgemeinen und besonders sein Geld wirklich hasst, wäre ich bereit die Dosis zu erhöhen. Sponsorangebote an mein Management: Santa Ponca, Postfach: Katzenberger.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern noch ein paar schöne sommerliche Tage. Ich mach mich jetzt auf ins nächste Lokal und pfeife den serbischen Kellnerinnen hinterher wie immer (noch dazu, wo die Kleidchen dank der Hitze noch knapper sitzen als sonst). Cheers!

Götz Schrage

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