CCC Lugnercity – Die schöne Uschi – Larry Hagman und meine 10 Sekunden Ruhm

Da waren sie meine zehn Sekunden Ruhm. Für einen wirklich kurzen Moment durfte ich mich fast irgendwie zugehörig fühlen zu der Gesellschaft, die wohl die bessere sein möchte. Selbstverständlich nur ganz am Rande und hierarchisch bestenfalls mit Zutritt zu den Katakomben des guten Geschmacks. Aber immerhin. Nach dem hohen Flug prügelt mich die Flüchtigkeit des Augenblicks zurück auf die vertraute Landebahn des Scheiterns. Mein mickriges Leben ist wieder so wunderbar mickrig und bedeutungsarm, wie es vorher war. Immerhin, ich habe Larry Hagman gesehen, ich habe das Parfum von „Mausi“ Lugner gerochen. Ich war dabei, wie sich Helmut Werner durchs Haupthaar strich und er tat dies mit einer routinierten Eleganz, die für mich auf ewig unerreichbar sein wird. Dafür erkenne ich die Tücken des Dativs und umschiffe mit ebensolcher routinierter Eleganz die Gefahren des Akkusativs. Nur das zählt bei den Reichen und Schönen nicht. Pioniergeist, Mut und Innovation sind gefragt. Helmut Werner zum Beispiel hat die deutsche Grammatik komplett neu erfunden und irgendwann werden alle Menschen so sprechen. Da bin ich mir ganz sicher und müsste ich jetzt mein ganzes Geld für die angedrohte Prozesslawine sparen, würde ich auch noch wetten darauf. – Trotzdem bin ich der Sieger des Abends und wahrscheinlich der glücklichste von allen. Mich hat die schöne Uschi geküsst. Einmal auf die linke Wange und einmal auf die rechte. Also zweimal und quasi symmetrisch auch noch. Wunderbar und ich habe fünfzehn lange Jahre darauf gewartet.

Das Concord Card Casino eröffnet eine Dependance in der Wiener Lugner City und ich war dabei. Exakt 29 Minuten und 45 Sekunden. Immerhin der drittlängste Partybesuch meines erwachsenen Lebens. Nummer eins wird auf ewig die After Show Party von Depeche Mode bleiben (1986?). Ich dachte mir, wenn ich immer zwei Runden auslasse und bei der dritten nur das halbe Glas trinke, könnte es sich ausgehen. Gescheitert. Britische Prols mit Weltkarriere sind in der Regel unfassbar trinkfest. Das hätte ich wissen können. Anwesenheitsdauer ungeklärt.
Zweitlängster Partybesuch, Udo Jürgens feiert (wahrscheinlich) seinen 55. Geburtstag. Angeheuert von einer deutschen Illustrierten erledige ich meinen Job in geschätzten zehn Minuten, muss dann allerdings mehrere Stunden bei der Garderobe des Ballsaals warten. Den Rückgabezettel zu verlieren ist schon mal keine gute Idee, die Chefin der Garderobe eine „zwangserkrankte Gurke“ zu nennen, eine noch viel schlechtere. Das heißt dann Warten bis auch die vorletzte Jacke weg ist, weil vorher geht gar nichts und hätte ich keinen Ausweis dabei gehabt, ich stünde wohl heute noch dort. – Kein Wunder, dass ich Veranstaltungen jeglicher Art meide. Das gebrannte Partykind scheut den Gang zum freien Buffett und ein Kellner, der mir ein Getränk ohne pekuniäre Motive reicht, ist mir sowieso nicht geheuer.

Das Concord Card Casino Lugnercity  ist schön. Wirklich appetitliche Farben, gutes Licht, und räumlich perfekt angelegt. Nur die vielen Menschen stören und das gewohnte Klappern der Chips fehlt. Dafür ist Tony Rei der Zauberer da und moderiert über eine knorrige Anlage. Ich treffe alte Freunde aus ebenso alten Tagen. Wir sehen alle irgendwie anders aus. Mehr an Körper und irgendwie weniger an Haaren. Nur Tony Rei hat seit 1978 die gleiche Frisur. Zaubern müsste man können. Aus der Ferne lockt der Medientisch. Manuela Richter von Pokernews, Sabine Hahlweg von Pokeraction und mein Kollege Stefan Roboch vom Pokermagazin sitzen da und haben es nett. Ich will hart sein. Zumindest diesen einen Abend und für 29 Minuten und 45 Sekunden. Ich will dort sein, wo es weh tut und sich die harten unerschrockenen Reporterhunde rumtreiben in ihrer unerschrockenen Neugier. Ich sehe Celine Roschek die Geigerin, die mal Miss Austria war oder so. Ihre rabenschwarze Plastiklederhose glänzt und ist eng. Zum fürchten eng. Entkäme der jungen Dame eine Flatulenz, oder würde sie auch nur unvorsichtigerweise ein überflüssiges Brötchen essen, die viel zu enge Hose würde mit einem lauten Knall explodieren und rabenschwarze Plastiklederfragmente flögen wie Geschosse durch den Raum. Ich habe meine schutzbringenden Sonnenbrillen nicht dabei und gehe weiter. Sicher ist sicher, auch wenn die endlosen Beine in ihrer kurzfristigen Nacktheit sicherlich einen Blick, wenn auch nicht den final letzten, wert wären.

Inzwischen hat Johnny Luetkenhorst das Mikrophon und moderiert unbeeindruckt das „Promi Sit and Go“. Ein blondes Mädchen hüpft mit gefalteten Händen auf und ab und freut sich. Larry Hagman verliert die Asse und ist trotzdem der Gewinner des Abends. Neunundsiebzig Jahre alt und soviel Style und Wachheit. Ich notiere mir im Geiste für die drei Wünsche an die gute Fee. Lass mich so wach und präsent sein mit Neunundsiebzig und lasse hübsche blonde Mädchen um mich hüpfen, dann dürfen sie auch die Hand gewinnen. – Ich suche Peter Zanoni, weil ich ihm gratulieren will, doch er scheint wie vom Casinoboden verschluckt. Partys sind wahrscheinlich auch nicht seins und er geht wohl dorthin, weil er weiß, dass man das wohl tun muss als Chef. Sehr sympathisch. Beim Gehen treffe ich die schöne Floorfrau Uschi. Wir kennen uns seit alten „Liesinger Casino-Zeiten“. Oliver Bierhof hatte gerade das „Golden Goal“ zur Europameisterschaft geschossen und Uschi saß hinter der Kasse und las ein dickes gescheites Buch. Schöne Frauen, die gescheite Bücher lesen an die verliere ich mein Herz sofort und nachhaltig. Fünfzehn Jahre hat es gedauert und sie hat mich  – wie erwähnt – geküsst. Zweimal sogar, einmal auf die rechte und einmal auf die linke Wange. Quasi symmetrisch. Ein wunderbares Gefühl und ein wunderbarer Abend. Ich komme wieder.

Götz Schrage

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