Bwin und der Datenskandal!


Laut derStandard.at soll der Sportwetten-Riese bwin in einen riesigen Datenskandal verwickelt sein. Zehntausende Kundendaten sollen zum Verkauf angeboten worden sein. Bwin kontert: „Wir wurden betrogen“.

Was ist passiert? Zehntausende Daten von bwin-Kunden mitsamt aktuellen Telefonnummern wurden zum Kauf angeboten. Laut bwin soll sich der Adresshändler Hermes Direkt die Daten „unter Vorspiegelung falscher Tatsachen“ erschlichen haben. Dieser aber versicherte, dass es sich um ein sauberes Geschäft gehandelt hat.

Der deutschen WAZ-Mediengruppe liegen wohl Unterlagen vor, die für einen „skrupellosen Handel mit geschützten Daten“ sprechen. In einem Schreiben an Lottogeschäfte im Ruhrgebiet habe der Adresshändler Hermes Direkt im April die Daten von bwin-Kunden angeboten. 170 Euro für 1000 Postmailings bis zu 700 Euro für Adressen mit Telefonnummern soll die Preisspanne gewesen sein. Zehntausende Kunden seien betroffen, die von dem Verkauf nichts gewusst haben.

Laut bwin hätte man davon nichts gewusst und nennt einen Schuldigen. Jürgen Wolff, Geschäftsführer der Hermes Direkt GmbH in Troisdorf, habe sich die Adressen „unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen“ und wolle nun „die widerrechtlich erlangten Daten zu Geld machen“, zitiert die WAZ einen bwin-Sprecher. Wolff habe mehrfach bei bwin nach „echt gelaufenen Briefumschlägen und Postkarten“ gefragt. Wolffs Begründung: Man sammle Briefmarken. Ein bwin-Mitarbeiter habe ein Herz für Philatelisten, so seien die Kuverts mit den Adressen von Briefwettern bei Hermes gelandet. „Die Zahl der Umschläge ist nicht dokumentiert“, so bwin. Auf jeden Fall klingt dies alles sehr schwammig.

In einer Stellungnahme betonte bwin: „bwin hat zu keinem Zeitpunkt mit Adressen gehandelt oder Kundendaten verkauft.“ An einen „vermeintlichen Briefmarkensammler“ seien „alte und leere Umschläge von Briefwettenkunden zum Kilopreis weitergegeben“ worden. Dieser habe angegeben, die Briefmarken dieser Umschläge verwerten zu wollen, „hat aber offensichtlich sich auf diesem Weg einige Adressen durch Täuschung zu erschleichen versucht.“ Bei den Kuverts habe es sich um „Rückantwortumschläge mit eingedruckter bwin-Adresse“ gehandelt, die „größtenteils nicht mit Absenderdaten beschriftet“ gewesen seien, so das Unternehmen. Jene Kuverts, die Absenderadressen enthielten, seien aussortiert worden, „lediglich einige vereinzelte wurden dabei versehentlich übersehen.“

Laut den Unterlagen, die der WAZ vorliegen soll es sich aber nicht um „einige vereinzelte“ Absenderdaten handeln sondern um insgesamt 110.000 Adressen, die heute zum freien Verkauf angeboten würden. Deshalb geht bwin auch davon aus, dass die Daten „nicht aus dieser Quelle stammen, da das Briefwettangebot bei bwin e.K. in Neugersdorf bei weitem nicht so viele Kunden nutzen. Nach unseren Einschätzungen lag die Anzahl noch vorhandener, verschiedener Adressen auf den Umschlägen nur noch im dreistelligen Bereich.“ Als Konsequenz aus dem Vorfall wurden zunächst alle Umschläge von Kunden in einem Papierschredder vernichtet. Die „Irritationen, die durch den Vorfall entstanden sind“, bedauere man sehr und das Thema Datenschutz sei „sehr ernst“.

„Wir möchten uns für Ware, die wir rechtmäßig vom Eigentümer selbst erworben haben, nicht nachträglich diskriminieren lassen, zumal der Lieferant selbst die vor Monaten angekündigten zivilrechtlichen Schritte bis heute wohlweislich nicht beschritten hat“, so zitierte die WAZ das Statement von Adresshändler Wolff, der die Anschuldigungen zurückweist.

Wie reagieren die Datenschutzbeauftragten? Es sei „definitiv unzulässig“, Adressen mit Telefonnummern ohne Einverständnis für Werbezwecke weiterzugeben. Dass Adresshändler „wider besseres Wissen“ entsprechende Bestätigungen geben, sei jedoch zunehmend „gängige Praxis“. „Dies ist ein kalkulierter Rechtsbruch“, so Bettina Gayk (Foto), die Sprecherin der NRW-Datenschutzbeauftragten. Auch den Adresshändler Wolff kenne man sehr gut, denn bereits vor Jahren hatte man dem Büro einen Besuch abgestattet, in dem tausende Briefumschläge gefunden wurden. Aber angeblich würden ja nur Briefmarken gesammelt.

quelle: derstandard.at

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