Der Ivo Donev Blog: Bodensee Championship und eine Online win2day Hand

Hallo alle miteinander,

„Die Todsünde aller Spieler ist es, schlechtes Spiel und Pech zu verwechseln!“ (Jan Fleming)

Bei Pokerturnieren trifft man immer wieder auf neue und alte Situationen. Ich versuche ihnen überwiegend über fehlerhafte Situationen meinerseits oder  meiner Gegner zu berichten. Es ist nicht so schwer, mit ein Paar Assen zu spielen, im Gegensatz dazu ist es aber sehr schwer, mit  schlechteren Karten gegen bessere Karten zu gewinnen, oder anders gesagt: Mit einem erfolgreichen Manöver bei einem großen Pot eine bessere Hand zum folden zu bringen.

Bregenz-Bodensee Championships 13.-18. September

Ich bin schon seit über 13 Jahren Stammgast in meinem Haus-Casino Bregenz. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich wohne genau in der Mitte zwischen Bregenz und Lindau; für die vier Kilometer Entfernung nehme ich gerne mein Fahrrad und kann somit den ständigen Stau in Richtung Bregenz umgehen und genieße dazu noch einen herrlichen Panoramablick auf die Bregenzer Bucht.

Zuerst spielte ich im Casino Bregenz die zwei kleinen Turniere mit einem Buy-In von 300€ am 13.09. und 350€ am 15.09. Bei beiden hatte ich gute Chancen, schied aber schlussendlich kurz vor dem Geld als 20. bzw. 26. von circa 170 Spielern aus.

Das Main Event

Es ist sehr lobenswert, dass sich das Casino Austria bemüht, die Struktur bei den großen Turnieren den ,,Deep Stack“ Turnieren anzupassen. Für 1.500€ Buy in erhält man schon 15.000 Start Chips, beim CAPT Baden für 2.000€ Buy in bekommt man 20.000 Startchips. Sogar bei der Poker EM bekommt man für die 4.000€ Buy in 30.000 Startchips, genau wie bei den teuren EPT Turnieren!

Wenn die Spieler am Tisch aggressiv-loose spielen, ist meine Strategie solid-tight zu spielen und umgekehrt, wenn die Spieler solid-passiv sind, dann spiele ich loose-aggressiv. Mit anderen Worten ich versuche mich an meinen Tisch anzupassen! Es war Level 2 (50/100) und ich hatte einen relativ guten Tisch mit passiven Spielern. In mittlerer Position bekam ich KsJs und raiste auf 300. An einem loosen Tisch mit vielen aggressiven Spielern hätte ich niemals mit KsJs geraist, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass ich ein Reraise bekomme! Zwei Spieler hinter mir, der SB und der BB waren sofort mit meinem Vorschlag einverstanden.

Der Dealer öffnete einen interessanten Flop: Qs9c2d Rainbow. Na ja, bei so einem Flop  hatte wohl kaum jemand  etwas starkes getroffen und dazu  hatte ich vier nuts outs. Die beiden Blind Spieler checkten zu mir, und ich machte logischerweise ein Conti Bet mit 600, so wurden die beiden Calling Stations nach mir verscheucht. Nur der Small Blind, ein in der Schweiz lebender Italiener, callte. So stand ich mit ihm Heads up in Position, und zwar gegen einen Hobby-Spieler. Turn – Boom! Zehn. Das Bord Qs9c2dTh Rainbow, damit hatte ich die absoluten Nuts.

Mein Gegner checkte wieder. Jetzt wollte ich definitiv einen Call, darum wettete ich nur 1000 in den Pot von 2700, wobei mein Gegner den Köder schnell angebissen hatte. Perfekt, dachte ich, schon in Level 2 würde ich einen hübschen Pot gewinnen. Der River brachte nochmals eine Qc. Er checkte, und trotz des gepaarten Boards hatte ich immer noch das Gefühl, dass ich vorne liegen würde. Jetzt war der letzte Zeitpunkt gekommen, etwas mehr mit meiner Nuts Straße zu verdienen. Im Pot waren schon 4700, ich verlangte nun 3000. Plötzlich packte der Italiener die schwere Artillerie aus und raiste auf 6000! Wow! Was war los hier? Diese ruhige Calling Station hatte bis jetzt keine Stärke  gezeigt, und plötzlich war er so aggressiv. Also dachte ich, er könnte…

a) Full Haus haben

b) oder eventuell drei Damen mit gutem Kicker, etwa QK, QA oder QJ.

Mein erster Instinkt sagte mir, dass ich folden sollte, weil ein doppeltes Raise am River fast immer eine Bomben-Hand bedeutete. Dann aber kamen die Gedanken: Super Pot Odds und ein Amateur, der könnte eventuell drei Damen auch so spielen. Ungern callte ich und sah Quads-Damen. Ich musste sagen, dieser Amateur hatte  seine Damen super gespielt, und ich hätte nie im Traum gedacht, dass er so stark war. Vielleicht nur sein Call mit QQ vor dem  Flop out of Position gegen vier Gegner war fraglich!? Trotzdem ist dieser Monster Pot mit fast 17.000 in die falsche Richtung gewandert.

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Im Level 4, 150/300, war ich im Big Blind mit [Ax][Jx]. Alle foldeten bis zum Cutoff, der auf 800 raiste. Der Button ging mit, und ich wollte ebenfalls mit tanzen. So waren wir zu dritt auf den Raise-Zug aufgesprungen, und die erste Station war [Ax][7x][6x] Rainbow. Ich checkte brav zu dem Raiser, der aber ebenfalls checkte. Jetzt hatte der Button wohl gedacht, dass es freies Futter gäbe und wettete 1500. Zuerst dachte ich mir: Mit meinem unter Average Stack um die 10-11.000 müsste ich raisen, dann aus irgendwelchen Gründe dachte ich: er hatte kein besseres Ass als ich, weil er vor dem Flop am Button mit AK oder AQ geraist hatte. In einem solchen Fall hatte ich Top Paar mit gutem Kicker und läge sicher vorne, also könnte ich langsam spielen. Gewisserweise hatte ich Recht, weil mein Gegner wirklich keine Ass hatte sondern ein Paar Zehner. Am Turn aber wurde sein Traum erfühlt [Ax][6x][7x][Tx] und somit war ich auf verlorenem Posten. Dies war mein letzter Fehler (am Flop nicht zu raisen) und so bin ich zurecht ausgeschieden.

Das 500€ Super Sattelite für die Poker EM

Ich bin gut gestartet, hatte ein schnelles double-up und konnte konstant meinen Stack erweitern, bis ich am Final Table landete. Es gab fünf Tickets mit je 4.000€ zu gewinnen. Irgendwann waren wir noch sechs Spieler; bei Blinds 4.000/8.000 mit Ante 500 passierte folgendes: Apo, ein deutscher Spieler mit griechischer Abstammung war UTG und raiste auf 20.000. Thomas Hoffman reraiste hinter ihm auf etwa 100.000. Bei dieser Action waren alle automatisch fold. Für keinen am Tisch gab es einen Sinn, etwas zu riskieren, weil der Small Blind extrem short war mit circa 12.000! Apo mit 60.000 total staunte und staunte und schaute traurig zu dem Short Stack: Das gibt es doch nicht, ich darf mit keinem Blatt callen, und foldete offen KK. Ich denke in solchen Situation, bei einem Sattelite ist es eine Ausnahme, wo man jedes Blatt inklusive AA vor dem Flop auf ein Reraise wegwerfen muss, weil es einen extremen Short-Stack Spieler gibt! Fairerweise hatte ihm Thomas Hoffman AA gezeigt, und alle, besonders der Shorti, waren enttäuscht, dass keiner ausgeschieden war. Bald war dann das Drama zu Ende, weil der Shorty ausgeblindet  wurde, und ich hatte mich über das Ticket für die Poker EM gefreut. Danach konnte ich wie meine Katze schlafen.

Sonntag 25.09  eine interessante online Hand auf  Win2day

Um 20h spielte ich den Big Sunday mit 109€ Buy in. Von gestarteten 128 Spielern waren um die 40 Spieler bei einem Average um die 16.000 geblieben.

Es war Level 10, 200-400, Ante 40.

Wir waren acht Spieler am Tisch und der Big Blind spielte keine Hand, weil er offensichtlich nicht online war. UTG+2, Stack 18.000, raiste auf 1172. Ich war im Small Blind mit [Ax][9x] und hatte nur einen Aggressor gegen mich. Mit meinem M=circa 9 konnte ich nur folden oder All-in pushen.

a) auf der einen Seite war ich gegen den frühen Raiser, der den doppelte Stack von mir hatte,

b) auf der anderen Seite konnte er auf steal sein und mit irgendwelchen verdächtigen spielbaren Karten raisen.

Ich hatte entschieden, All -in zu pushen, und das aus zwei Gründen:

a) falls mein Gegner folden würde, gewänne ich 1.800 ohne Risiko, also über 20% meines Stacks

b) falls er callte, glaubte ich nicht, dass ich weit hinten liegen würde, weil er für das stehlen von toten Blinds eine breite Range von Händen hatte, die von meinem A mit der 9 dominiert wären!

c) nach dem All-in Call sahen wir beide fünf Karten, und er hat keinen Positionsvorteil mehr.

Immerhin, falls mein Gegner mit schwacher Hand callen würde, riskiert er die Hälfte seines Stacks.

Mein Gegner aber war unbeeindruckt von der Höhe meines Raises und callte schnell mit….

K-T offsuited. Aber sehen sie selbst, wie er mich erledigt hatte:

Das war ein typisches Beispiel für Online Poker. Man erkennt oft, dass bei Online-Poker die Spieler mehr loose spielen, da die meisten Spieler anonym sind und niemand sie wegen falscher, verrückter oder überzogener Spielweise auslacht im Gegensatz zum live Spiel, wenn man da dämliche und verrückte Pokerentscheidungen trifft. Ich meine, dass es bei Win2day extrem viele Spieler gibt, die sehr locker spielen. Genau das macht diesen Poker Room noch attraktiver!

„Keine Ehefrau erträgt das Zusammenleben mit einem Pokerspieler sehr lange. Es sei denn, er  ist ein stetiger Gewinner!“ ( Lord Dewar)

Euer: Ivo ,,The Chessmaster“

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