Das Desaster von Düsseldorf – Club7Poker.de Live Tour!

Grobe Ungereimtheiten bei der club7poker.de Live Tour. Eine völlig überforderte Organisation – ein Mitarbeiter der Pokerbundesliga mit einem nicht nachvollziehbaren Monsterstack. Drängende Fragen der Hochgepokert.com Redaktion konnten nicht schlüssig beantwortet werden.

Es hätte alles so schön sein können. Die club7Poker.de Live Tour am 1. und 2. Oktober 2011 versprach nicht nur Action, Spannung und ein riesiges Teilnehmerfeld. Stargäste, Live-Perfomance und gute Unterhaltung wurden ins Rahmenprogramm mit aufgenommen und die Atmosphäre war sehr angenehm.

3 Spieler, Dieter Earp, Carsten Menzen und Dieter Rönz standen am Ende als Sieger fest und setzten sich gegen weitere 1.102 Teilnehmer durch. Für die drei Hobby-Spieler gibt es von Club7Poker.com je ein Sponsor Package im Wert von 5.000 Euro.

So weit, so gut. Doch dann machten sich negative Kommentare unter dem letzten Live-Update Artikel breit. Deutlich mehr Chips sollen im Umlauf gewesen sein und Herr Ralf J. soll nicht gerechtfertigt zu seinen Chips gekommen sein. Wir waren selbst vor Ort und wollen uns einen Überblick verschaffen, was genau passiert ist.

Am ersten Tag war die Hütte brechend voll. 1.000 Spieler waren als Maximum angegeben aber da der Ansturm sehr groß war, konnten noch weitere Tische eröffnet werden und aufgrund der Teilnehmerzahlen wurde sogar der Preispool erhöht. Die Spieler, die bereits ihr Ticket gesichert hatten, in dem sie das Startgeld per Banktransfer bereits überwiesen, konnten pünktlich gegen 13.30 starten. Die Spieler, die sich erst am Veranstaltungsort anmeldeten oder nicht verbindlich reservierten, kamen auf eine Warteliste und mussten sich gedulden, ehe ein Floorman sie an ihre Plätze wies.

Ralf J. hatte die Aufgabe, die Tageskasse zu übernehmen und wies die wartenden Spieler an, wer an die Tische darf und wer sich noch gedulden musste. So weit so gut. Ein Spieler, der der Redaktion gut bekannt ist, berichtete uns vor Ort folgendes: „Schau mal, bei mir an den Tisch wurde der Typ (Ralf J.) von der Tageskasse gemovet. Das Turnier läuft jetzt seit ca. 6 Stunden und er hat einen Stack von rund 300.000. Schon komisch, vor allem, wenn man bedenkt, dass er in den ersten beiden Stunden noch gar nicht gespielt hatte.“ Ein weiterer Spieler sagte uns folgendes: „Der Ralf J. ist der beste Freund von Werner B. (Ausrichter des Turniers)! Der hat gestern die Late Registration gemacht und dann noch ersatzweise Floormann! Heute morgen, 10 min nach Start wurde er an meinen Tisch gesetzt und hatte massig Chips! Das waren bestimmt über 600.000 Chips, da habe ich mich schon gefragt, wie das geht“.

Auch wenn sich viele Personen negativ zu dem Vorfall geäußert haben, gilt, solange nichts bewiesen ist, die Unschuldsvermutung. Auch bei Ralf J. Fakt ist, am Final Table sollte laut Teilnehmer-Liste (1105 Spieler x 30.000 Startchips) 33.150.000 Chips im Umlauf sein. Jedoch wurde festgestellt, dass es weitaus mehr Chips waren. Insgesamt über 42 Millionen. Wie kann es sein, dass sich 26% mehr Chips am Final Table befanden? Im Gespräch mit den Verantwortlichen der Poker Bundesliga wurde uns vor Ort folgendes mitgeteilt.

– Es gab mindestens 70 Mitläufer-Stacks, die nicht in der Spieleranzahl berücksichtigt wurden.

– Bei jedem Pokerturnier, dass mehrere „Raise for Chips“ im Verlauf des Turniers hat, sei ein Chipszuwachs von 20-25% völlig normal.

Aufgrund dieser genannten Gründe sei es berechtigt, dass am Final Table 9 Millionen Chips zuviel im Umlauf seien.

Jede Person, die sich mit der Materie auskennt und sich das ganze hochrechnet, kommt aber bei weitem nicht auf die Summe. Wir rechnen das Ganze mal vor:

70 Mitläufer-Stacks a 30.000 Chips wären genau 2.100.000 Chips, die dazu gerechnet werden müssten. Allerdings stellt sich hier die Frage, wie es zu den Mitläufern kam, denn das Turnier war laut Veranstalter bis zum letzten Platz ausverkauft. Sollten Spieler, die sich bereits fest angemeldet haben nicht aufgetaucht sein, dürfte dies keine Rolle spielen, da sie ihren Platz bereits verbindlich bezahlt hatten und somit diese Stacks bei der Spieleranzahl mit eingerechnet sein müssten.

Ein „Chip-Up“* wurde bei den 25er, 50er, 100er und 500er Chips vollzogen. Die 1.000er Chips blieben noch bis zum Final Table. Grob gerechnet wurden die einzelnen Chips bei ca. folgender Spieleranzahl ausgetauscht:

25er – 800 Spieler
50er – 700 Spieler
100er – 300 Spieler
500er – 150 Spieler

Sollten alle Spieler jeweils einen Chip der einzelnen Werte beim „Chip-Up“ überhaben, so hätten sie dafür jeweils den nächsthöheren Wert bekommen. Im Einzelfall würde dies bedeuten:

25er – 800 Spieler = 20.000 Chips mehr
50er – 700 Spieler = 35.000 Chips mehr
100er – 300 Spieler = 120.000 Chips mehr 
500er – 150 Spieler = 75.000 Chips mehr

Somit ergibt sich die Summe von insgesamt 2.350.000 Chips (2,1 Millionen an Mitläufer und 250.000 an Chip-Ups), die maximal mehr im Spiel sein müssten. Wie ist die Differenz zu den 9 Millionen Chips zu erklären, die insgesamt mehr im Spiel war? Diese Frage gilt es zu klären und wir warten gespannt auf eine Stellungnahme der Verantwortlichen der Pokerbundesliga. Club7Poker.de hat sich bereits zum aktuellen Vorfall geäußert und machte deutlich, dass club7poker.de lediglich als Sponsor bei diesem Event aufgetreten ist aber mit der tatsächlichen Turnierabwicklung die Poker-Bundesliga beauftragt war. Tassilo Wik, Geschäftsführer der Pokerbundesliga, arbeitet gerade an einer Stellungnahme. Auf Hochgepokert.com erfahrt ihr dazu später mehr.

*Im Beispiel bedeutet dies folgendes: Spieler A hat elf 100er Chips (1.100 Gesamtwert), für zehn 100er Chips bekommt er beim Chip-Up zwei 500er Chips und für den elften 100er Chip gibt es erneut einen weiteren 500er Chip. Somit sind 400 Chips „mehr“ im Umlauf (1.500 Gesamtwert).

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