Friede für Tassilo Wik – Pokerbundesliga und die Liebespuppenpumpe

Keine weiteren Beschimpfungen mehr. Tassilo Wik hat es im Moment auch so schwer genug. Ich entsage der Versuchung, obwohl die Gelegenheit so günstig wäre und die äußeren Umstände sowieso. Seit mittlerweile zwei Wochen fresse ich diese dicken Penicillinbomben. Mein Reservat an Schmerzmitteln könnte man wahrscheinlich in jeder Crackpfeife rauchen (oder in Frankfurt am Bahnhof verticken). Niemals war ich der Entmündigung so nah und auch der dümmste Anwalt würde mit jedem Antrag auf Unzurechnungsfähigkeit durchkommen. Eigentlich könnte ich schreiben was ich will. Mindestens bis der Arzt kommt, aber auf einen liegenden Tassilo wird nicht getreten. Real sowieso nicht und metaphorisch ist es auch nicht fein.

Bei Beate Uhse gibt es ein reichhaltiges Angebot an Gummipuppen. Und wenn es wo ein reichhaltiges Angebot gibt, dann gibt es wohl auch den entsprechenden Bedarf. Argumente wie: „Erwartungsvolle Liebesöffnungen (drei) warten darauf, dich zu empfangen“ oder „Mit Vibro-Ei und GRATIS Liebespuppenpumpe“ überzeugen das entsprechende Klientel und alle sind glücklich und zufrieden. Die Jungs von Beate Uhse haben das Geld und die anderen Jungs müssen nicht einmal ihre Lungen anstrengen. Wozu gibt es schließlich die mitgelieferte Liebespuppenpumpe (nebenbei bemerkt mein neues Lieblingswort).

Jeder – wirklich auch der dümmste aller Männer – versteht um was es geht, und weiß was ihm der Postbote bringen wird. Wer sich eine Gummifrau zum aufblasen bestellt, weiß um ihre Stärken („I´ll straddle your cock for a erotic lapdance“), allerdings kennt er auch die Grenzen und Schwächen. Beschwerden wie: „Gina Lynn spricht nicht mit mir“, oder „Jill Kelly kann nicht kochen“ wird es beim Beate Uhse Support nicht geben (hoffe ich zumindest). Überhaupt ein fairer und vorbildlicher Deal. Keine falschen Versprechen, keine Missverständnisse und klar in der Kommunikation.

Ich habe mich durch die Homepage der Pokerbundesliga gekämpft. Ein harter Job  vielleicht bis jetzt der härteste meiner Karriere. Bis dahin war mein Wissen eher marginal und stark von meinem lieben Kollegen Robbie Quo geprägt. Ich glaube ich habe zweiundfünfzig Teile der dreiundfünfzigteiligen Artikelserie „Sachpreisturniere – Poker pur, oder pure Abzocke“ auf Royalflush.de gelesen. Geschmeidig geschrieben zugegeben, aber am Ende war ich immer noch im Unklaren. Ist das jetzt pures Poker, oder eben doch die pure Abzocke? Jetzt nach der eigenen Recherche bin ich schlauer. Jetzt habe ich es verstanden. Die Pokerbundesliga ist definitiv keine Abzocke. Tassilo Wik ist unschuldig und wer sich beschweren will, soll sich erst die Mühe machen und alles lesen was die Homepage hergibt.  Es geht nun mal „vordergründig um Sport, Freizeitbeschäftigung und Vervollkommnung der erworbenen Pokerfähigkeiten.“ – Immerhin, jetzt kennen wir den Vordergrund und dass es dann wohl hintergründig darum geht Geld zu verdienen, ist ja an und für sich nichts Verwerfliches. Du bekommst, was da im gar nicht so Kleingedruckten steht. Und wer das konsumieren will, ist selber schuld.

Mir gefällt die Homepage von Beate Uhse trotzdem deutlich besser. Nicht wegen den bunten Bildchen, sondern wegen der präzisen Sprache und dieser teilweise brutalen Ehrlichkeit. Wenn ich mir den „Masturbator – Cyber Pussy“ bestelle, kenne ich mich aus. Bei der Pokerbundesliga tut man sich deutlich schwerer mit präziser Sprache und von brutaler Ehrlichkeit ist nichts zu finden.

Tassilo Wik und Partner profitieren zwar von der restriktiven und dämlichen deutschen Gesetzgebung in Sachen Poker, aber sie können nichts dafür. Turnierpoker ist nun mal verboten und wird quasi irgendwie substituiert mit etwas weit entfernt Pokerähnlichem. Eine absurde Situation, man hat als Veranstalter mit richtigen Pokerspielern zu tun, die wahrscheinlich am liebsten auch richtiges Turnierpoker spielen möchten. Das allerdings ist verboten und so hilft man sich mit absurden Begriffen wie „Teilnahmegebühren“ und spielt „Bonuschips“ aus und „Ranglistenpunkte“. Die ganze Konstruktion ist eine wackelige Illusion und der Satz von der „Vervollkommnung der Pokerfähigkeiten“ kann nur von jemand geglaubt werden, der eben so viel von Poker versteht wie Tassilo Wik.

Mein Tipp an die geschätzten Leser da draußen ist folgender. Echauffiert euch nicht unnötig über die Geschäftsgebaren der deutschen Pokerbundesliga. Nehmt sie, wie sie nun mal ist, oder lasst es bleiben. Wer Poker als einen „Sport“ versteht, bei dem er „Teilnahmegebühr“ bezahlt und nach unendlichen Mühen ein gruseliges japanisches Auto gewinnen möchte, ist bestens bedient. Wenn sich jeder dabei seine Chips von zuhause bringt, ist im Sinne von ernsthaftem Poker auch egal. Aufregen sollte man sich ganz woanders. Es kann doch in einem freien Land nicht auf die Dauer verboten werden, dass hundert Jungs 30.-E +  Fee zahlen um am Samstag in Ruhe ein kleines Turnierchen zu spielen, bei dem das Preisgeld nicht in Form von Nutellagutscheinen ausgeschüttet wird. Das ist abstrus, einem Land wie Deutschland unwürdig und es wird sich sicher irgendwann zum Guten wenden. Spätestens dann erledigt sich das auch mit Veranstaltern wie Tassilo Wik und Partner. Am freien Markt wird es die Pokerbundesliga keine zwei Monate mehr geben. – Ich werde sie nicht vermissen.

Götz Schrage

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