Mein zerknautschtes Gesicht – Der grobmotorische Jugoslawe – Besser als Gartenbach

Ich bin ja einiges gewohnt an bösen Worten. Das gehört zum Geschäft, das muss man aushalten und damit muss man lernen umzugehen. Früher in meiner aktiven Casino-Zeit war doch alles viel gröber und vor allen Dingen realer. Kaum eine Waffengattung mit der ich nicht  – zumindest in der Theorie – bedroht wurde, kaum ein Fluch quer durch alle Sprachen, der nicht an meiner bornierten Arroganz zerschellen durfte wie eine blinde Schmeißfliege am doppeltdicken Panzerglas. Allerdings „zerknautschtes altes peinliches Gesicht“ ist auch für mich neu und kränkt mich dann doch ein wenig. Ungerecht ist es auch. Wenn Udo Gartenbach was schreibt gibt es keinerlei Kommentare zur ungestrafften Gesichtshaut. Da steht dann in der Regel: „Ganz großes Kino Udo.“ oder „Der Pokerliterat vom besten was je geschrieben wurde“. – Ich meine, wenn Udo und ich nebeneinander stehen wirke ich gesichtsmäßig wie Germanys Next Modellboy neben dem Mann, der gerade in der Prosektur vom Tisch sprang. – Die sechs Leser, die dem bösen Kommentar von User „Otto“ auch noch ihren Daumen nach oben geliehen haben, werde ich finden, um ihnen ebenfalls ein wenig das Gesicht zu zerknautschen.

Dabei sollte ich im Moment jedem Streit aus dem Weg gehen. Vier Wochen Antibiotika, Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Kortison und Salben aller Art haben mich dann doch ein wenig mürbe gemacht. Jetzt quasi ohne Verband sieht mein linker Arm aus wie von einem Schulbuben und der Ellbogen ist immer noch mehr als empfindlich (aber immerhin wieder deutlich als solcher zu erkennen). Kürzlich saß ich in einer wirklich wilden Omahapartie. Theoretisch 2er Blind, aber real doch irgendwie deutlich höher. Der Spieler zu meiner Linken, also knapp neben meinem schutzlosen Ellbogen, ein Grobmotoriker der gröberen Art. Ein 100 Euro-Schein nach dem anderen wurde hervorgezupft und die Chips per Kilo verarbeitet. Geflucht wurde in Permanenz auf serbokroatisch (oder kroatoserbisch).    Die Schlüsselworte waren „Mutter“ und „ficken“ in den sexuellen Varianten „Mund“ und „Arsch“. Der gute alte Vaginalverkehr war ihm scheinbar nicht fluchwürdig genug. Bei Potverlust am River zerknüllte er seine vier Karten mit der rechten Faust, um sie mit einer gewissen Eleganz in Richtung des geduldigen Dealers zu werfen.

Das ging mich ja eigentlich alles nichts an und wäre mir unter normalen Umständen kaum besonders aufgefallen. Klar, ich musste meinen verletzten Arm in Sicherheit bringen, wenn es ans Karten zerknüllen ging und sein Gehopse und Gefluche konnten einen schon theoretisch ein wenig nervös machen. Aber eben nur ein wenig, und ohne die Sache mit den Zigaretten, hätte das wohl ewig so weitergehen können. Der fluchende Nachbar zu meiner Linken entpuppte sich als Kettenraucher. So auch sein stiller Freund am anderen Ende des Tisches. Irgendwie rührend, die beiden teilten sich ein gemeinsames Päckchen rote Marlboro. Nach jedem Karten zerknüllen, fluchen und Geldwechseln nickte der Grobmotoriker dem Stillen zu und der warf die Zigaretten quer über den Tisch. Die Wurftechnik unexakt und talentfrei. Passend zum präsentierten Omahaspiel. Das fliegende Päckchen knapp an meiner Nase. Die fangende grobmotorische Hand knapp neben meinem schutzlosen Ellbogen. Da kann man schon ein wenig nervös werden und es begann in mir zu brodeln. Ein gutes „open raise“ wäre vielleicht gewesen: „Wenn du schon in jeden Pot einen Hunderter reinscheißt. könntest zu zumindest über den Ankauf eigener Zigaretten nachdenken.“ Irgend so etwas in der Art. – Und was habe ich gemacht und gesagt? Gar nichts. Bin da schweigend und duldend gesessen. Im Wissen nicht zu wissen, wie das dann weitergegangen wäre. Man stelle sich vor, das wäre dann ein wenig eskaliert, wie wäre ich dann aus der Nummer rausgekommen? „Können wir das bitte in vier Wochen ausdiskutieren. Der Chirurg hat mir schon maximale Schonung aufgetragen. Bitte lieber Herr Jugoslawe, wenn Sie mir kurz Zeit geben, fahre ich nach Hause und hole den „Arztbrief“. Da steht das alles drauf mit der Schonung und so. Wir prügeln uns dann in vier bis acht Wochen. Vielen Dank für Ihr Verständnis und weiterhin viel Glück und dürfte ich Ihnen zukünftig die Zigaretten von ihrem Freund persönlich holen und anzünden?“

Es gibt doch den Film mit Clint Eastwood. Der Titel fällt mir jetzt nicht ein. Jedenfalls  verliert er da auch das erste Duell und rettet sich verletzt in ein Versteck. Nur der Saufkopf aus der Bar versorgt ihn mit Essen und Wasser. Genau so jemand bräuchte ich. Bewerbungen bitte an die Redaktion ( Kennwort: Pflegepokernotdienst) Saufen ist nicht wirklich Bedingung und gültiger Führerschein wäre von Vorteil.  – Über das „zerknautschte, alte Gesicht“ denke ich nochmals nach. Vielleicht hat User „Otto“ einfach nur die Wahrheit geschrieben. Zuerst gehe ich jetzt mal ins Netz und schaue mir alle Udo Gartenbach Fotos an, die ich finde. Das beste werde ich mir neben meinen Rasierspiegel hängen. Wenn ich mich dann immer noch unsicher fühle, mache ich mir einen Termin bei der Kosmetikerin.

Götz Schrage

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