„Poker hat das Recht auf ein salonfähiges Image“

Ob Poker ein Glücksspiel ist oder nicht, und vor allem welche Legislativen und Organisationen es als solches anerkennen, darüber scheiden sich noch immer die Geister. Ein Meilenstein erreichte jedoch die International Federation of Poker (IFP) im April 2010, als Poker offiziell von der International Mind Sports Association (IMSA) als „Gedankensport“ anerkannt wurde. Damit steht Poker in dieser Hinsicht auf einer Stufe mit dem Schachsport.

Dass man das Image des Spiels auch in der öffentlichen Wahrnehmung zum Positiven hin verändern muss, hat nun auch Anthony Holden, Vorsitzender des IFP und Buchautor von „Big Deal: A year as as professional poker player“, erkannt. In einem Artikel des Wall Street Journals meldet sich Holden zu Wort und diskutiert die Möglichkeiten der Organisationen, um Poker als Geschicklichkeitsspiel in der Gesellschaft zu etablieren: „Schon immer hat es mich geärgert, dass Poker mit diesem zwielichtigen Image behaftet ist. Bei dem Spiel Bridge ging man einen harten und langen Weg, um es salonfähig zu machen. Wir hoffen, dass Poker denselben Weg gehen wird. Die Leute sehen ja auch Schach und Bridge als faszinierende Strategiespiele an. Bei Poker dauert es wohl länger mit dieser Akzeptanz.“

Genau hier möchte Holden und die International Federation of Poker ansetzen, um Poker als eine mentale Herausforderung darzustellen und sich von dem Begriff des Glücksspiels zu distanzieren. Eine Maßnahme dahingehend wird der Nations Cup in London sein, bei dem von 17. bis 20. November 12 Nationen jeweils bestehend aus sechs Spielern in einem Duplicate Pokerturnier antreten. Bei diesem aufwendigen Verfahren, das es auch beim Bridge gibt, bekommen Spieler an verschiedenen Tischen jeweils die gleichen Karten. Also alle Spieler auf Seat 1 bekommen dieselben Hole Cards (usw.) und auch das Board ist jeweils identisch. Punkte gibt es dann im Vergleich zu den Spielern auf dem selben Seat. Damit wird der Glücksfaktor deutlich reduziert und das Können hervorgehoben. Außerdem wird es ein zweites Event namens „The Table“ geben, bei dem 135 Spieler in einen Deepstack Turnier gegeneinander antreten werden.

Obwohl Poker in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Respekt bekam, so sei der Weg zur einer vollkommenen Akzeptanz laut Holden noch sehr weit: „Viele Schulen haben ihre eigenen Bridge-Clubs. Kein Elternteil würde sich darüber empören, wenn ein Lehrer Bridge dazu verwenden würde, um Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Spieltheorien zu erklären. Ein Pokerclub nach der Schule wäre hingegen immer noch gebrandmarkt.“

Dabei könne man anhand von Pokerszenarien viel lernen: „Das Spiel fördert die Kalkulationsfähigkeiten. Man muss wissen, wie der Return on Investment ausfällt, wieviele Chips gewonnen werden können und was man dafür riskieren muss. Neben der Mathematik spielt auch die Psychologie eine wichtige Rolle: Die Stimmung und Körpersprache der Gegenspieler müssen während eines gesamten Spiels verfolgt werden. Indem Schwachstellen wie Angst, Panik, Frustration oder Aggressionen erkannt werden, wird man bestens auf die Geschäftswelt, Beziehungen sowie das Leben im Allgemeinen vorbereitet.“

Man darf gespannt sein, welche Aktivitäten die IFP künftig weiter unternehmen wird, um unser geliebtes Spiel mit 52 Karten bei allen Bevölkerungsschichten salonfähig zu machen und damit auch die volle Anerkennung als Denksport zu bekommen. Gute Voraussetzungen hat die 2009 in Lausanne gegründete Organisation bereits mit über 35 verschiedenen Pokervereinigungen auf der ganzen Welt. Zusätzlich besteht das Beratungsgremium, dessen Hinweise der Vorstand um Anthony Holden stets in seinen Entscheidungen berücksichtigt, aus Spielern wie Doyle Brunson, Humberto Brenes und Gus Hansen.

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