Der Ivo Donev Blog: Poker EM – Das Main Event

Heute ist ein interessantes Datum, nämlich der 11.11.2011 und ich habe noch dazu gerade um 11.11h begonnen, meinen ersten November Blog zu schreiben. Es geht hier um das Main Event bei der Poker EM in dem schönen Baden bei Wien.

Mein täglicher Weg zum Casino begann für mich immer mit einer Stunde in der Römer Therme:
















Zum Event selbst: 4000€ Buy-in ist doch eine relativ hohe Summe. Deshalb waren bei diesem Turnier wohl kaum Fische sondern eine bunte Mischung von überwiegend Profispielern, Live-Satellite- und Online- win2day Qualifikanten.

Die Struktur war ziemlich deep, fast wie bei der EPT: 30.000 Chips und 1h Level. Gestartet wurde sogar bei 25/50, ein Traum für geduldige Spieler! Trotzdem konnte ich am ersten Tag nicht mein Bestes geben und hatte daher mit nur 17.900 den Tag 1 beendet.

Am zweiten Tag setzte sich die Achterbahn in die falsche Richtung wieder fort, bis ich schon das Messer an meinen Knochen spürte. Ich hatte nur 3.500 Chips bei Blinds von 300/600+Ante 75, was bei einem Average von über 65.000 theoretisch den klinischen Tod bedeutete. Endlich bekam ich in Level 8  JcJd  und schob All-in, was meinen jungen Gegner, Johannes Holstege, mit seinem Big Stack nicht beeindruckte und mich bei diesem bescheidenen Betrag unterstützte. Beim Showdown gewann ich gegen seine 6d7d und somit bekam ich wieder etwas Luft. Es folgte noch eine Verdopplung mit 9c9d gegen Bobby G mit 8c8d, somit war ich back in the Game. Schlussendlich war Tag 2 wesentlich besser gelaufen, und nachdem ich mit 6h6s gegen Sandra Naujoks AdJc gewonnen hatte, beendete ich diesen Tag mit 121.100. Jetzt war meine Welt plötzlich wieder in Ordnung!

Tarzan= Robert Zipf!

























Wir waren am Ende von Tag 3 und spielten im Level 16 mit 2.000/4.000+Ante400.

Robert Zipf, bekannt als Tarzan, raiste UTG auf 8.000 und alle foldeten zu mir im BB. Ich sah bei mir QsTs und hatte wunderbare Pot Odds, darum callte ich. Aber Vorsicht! Ich bin out of Position, und mein tighter Gegner lag momentan sicher vorne. Nach dem Flop aber hatte sich alles geändert: AdKdJd, leider alle in Karo. Ich checke vorsichtig mit meiner Straße und sah, wie Robert seine Karten erneut anschaute. Dann folgte ein gewaltiges Overbet, All- in für circa 60.000! Was konnte das wohl bedeuten? Er schaute seine Karten wiederum an, wahrscheinlich ob ein Karo in seiner Hand war. Wenn er zwei Karo  hielt, hätte er sich das sicherlich leicht gemerkt und nicht wieder kontrollieren müssen! Und weiter glaubte ich, dass er kein Set hatte, denn wenn er eines hätte (z.B. AA, KK, JJ) dann suchte er sicher kein Karo. Er hatte wahrscheinlich ein Ass und ein große Beikarte in Karo wie Qd, weshalb er All-in spielte. Mein Call war leicht, denn ich lag mit meiner fertigen Nuts-Strasse gegen seine Drawing-Hand vorne. Turn: 6h River 8d. Robert war überglücklich über seinen Flush AsQd und hatte mich freundlicherweise gefragt, ob er einen Tarzanschrei loslassen könne. Ich hatte zugestimmt und seine tolle Stimme genossen! (siehe ab min 1.30: http://www.hochgepokert.com/2011/10/30/poker-em-tag-3/)

Bald war Tag 3 zu Ende. Ich konnte zum zweite Mal (2008 war ich Sechster) den TV Final Table erreichen.

Am Final Table hatten fast alle Spieler sehr zurückhalten gespielt. Die Gründe warum die Spieler am TV Table meistens tight spielen sind logisch:

a) ,,Die ganze Welt“ schaut auf deine Karten und kontrolliert, wie du spielst. Also keinen Blödsinn machen!

b) Die Preise steigen gewaltig an. Jeder Fehler kann dir tausende an Euros kosten.

c) Am Finaltisch sind die Blinds sehr groß im Vergleich zu den Stacks, darum gibt es meistens raise – fold oder raise – reraise all-in, also bleibt nicht viel Spielraum.

Ich hatte nicht besonders gute Karten bekommen und konnte mein Stack nicht gut nach oben entwickeln.

Im Level 19 waren nur 6 Spieler geblieben. 10k/20k+Ante 3k, also kostete eine Runde 48 000! Ich, Khiem Nguyen und Chris Lastiwka waren die Short-Stacks mit unter 300.000 Chips.

Plötzlich in UTG pushte Khiem für etwa 280.000 All-in. Alle foldeten zu mir, und ich fand eine ziemlich starke Hand mit AhKh für Short Hände. Was nun?

Die Gründe für ein Fold:

a) Mit AhKh hatte ich in dieser Situation keine Fold Equity bei meinem Gegner.

b) Der fünfte Platz brachte  11.000 Euro mehr, also konnte man auch abwarten, denn eventuell schieden die anderen Short Stacks vor mir aus.

c) So ein hohes Raise von einem  UTG Spieler wies auf eine sehr starke Hand hin wie ein großes Paar A A-J J oder AK , AQs. Gegen diese Range schneidet mein AKs mit  45% gegen 55% als Underdog ab.

Die Gründe für ein Call:

a) Meine Hand war sehr stark. A K suited  ist auf der dritten Stelle mit QQ hinter AA und KK.

b) Mit meinen 300.000 hatte ich leicht über 6 M, außerdem war es schwer, so ein gute Hand zu folden.

c) Wenn Khiem UTG All-in spielte hatte er wahrscheinlich kein AA oder KK, und er ist ein Spieler, der überhaupt sehr schwer einzuschätzen ist.

d) Khiem war für mich der beste Spieler (meistens bis Tag 4 Loose Aggressiv) am Tisch, und wenn ich ihn ausschalten würde und mich verdoppeln könnte wäre ich sehr weit nach vorne gekommen.

d) Ich werde 5 Karten sehen, was für ein Preflop All-in mit AhKh  gut ist.

Das waren meine Gedanken, bevor ich den Call in Erwägung zog. Hier eine Erweiterung von Gründen, um einen fragwürdigen Call von jemand, den ich in meiner Pokerkarriere erlebt hatte:

„Ich habe die Schnauze voll von schlechten Karten darum calle ich mit any two cards, um meine Leiden zu beenden“.

„Ich wollte nach Hause gehen, da ich mich am Abend bei einem anderen online-Turnier angemeldet hatte u.s.w.“

Der Rest ist Geschichte. Ich callte und stand mit meinen AhKh als Underdog (34% gegen 64%) gegen Khiems KK. Nachdem ich diesen Schlüssel-Pot verloren hatte, war bald Feierabend und ich war wieder als Sechster  ausgeschieden. Hier ist der Link für das Endergebnis: http://www.casinos.at/uploadNew/98df0293-0005-4b3e-a6f5-2a58ba863e64.pdf

Später hatte ich meinen Poker-Kollegen Jeff Lisandro angerufen und ihm die Hand detailliert beschrieben. Er sagte mir, dass das All-in mit AKs in dieser Situation richtig gewesen wäre! Das hatte irgendwie mein ungutes Gefühl ruhig gestellt.

Nachdem ich den November-9  Final Table mit Pius Heinz gesehen hatte, erkannte ich einige neue gute Ideen von Heinz und versuche nun bei meinem nächsten Final-Tisch diese Ideen anzuwenden!

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Super Hyper Blitz extrem Turbo Tripple Shootout Turnier – The Winner take all

Im Oktober hatte ich erwähnt, dass es theoretisch möglich ist, für kurze Zeit ein Online Turnier mit 1000 Spielern durchzuführen.

Die neuen Trends bei Online Turniere – Turbo, Hyper Turbo, Super Turbo usw. kann man ergänzen mit

Super Hyper Blitz extrem Turbo Tripple Shootout Turnier – ,,The Winner take all“. Hier ein Beispiel:

Zuerst spielen 1.000 Leute an 100 Tischen das sogenannte ,,One Hand Sattelite“, also alle All-in vor dem Flop. Der Sieger geht dann weiter in die nächste Runde. Falls sich ein Split Pot ergibt, wird noch eine Hand auf gleiche Weise gespielt.

Im so genannten Halbfinale werden die überlebenden 100 Spieler auf gleiche Weise ein „One-Hand Satellite“ spielen und die glücklichen 10 Sieger bilden den Final Table. Am Final Table wird auch im gleichen Modus gespielt und am Ende gewinnt der superglückliche Sieger das gesamte Preisgeld.

Das ganze Theater kann sogar nur einige Minuten dauern und logischerweise ist hier der Glücksfaktor 100%!

Die positiven Aspekte bei so einem ,,Tombola“ Turnier sind gering, aber trotzdem muss man noch nicht einmal die Pokerregeln kennen. Man erspart sich viel Zeit und viele Bad Beats und so weiter.

Ich habe selber mehrere solcher ,,One-Hand Satellites“ vor dem LIDO Turnier im Amsterdam erlebt! Und glauben sie es oder nicht, es gab sogar eine Warteliste, und viele Gambler haben sich echt amüsiert!

Ähnliche Systeme gibt es auch im Casino Austria mit den gratis grünen Paroli Jetons. Wenn man eine Zahl drei Mal hintereinander trifft, bekommt man €777.

Mein Plan in näherer Zukunft beinhaltet die WPT Rozvadov, Anfang Dezember bin ich für eine Woche in Prag, wo ich mehrere Turniere rund um die WPT und EPT spielen werde.

Hoffentlich läuft es in Prag wie in meinem Haus Casino Bregenz, wo ich letzte Woche das €300 Wochenende Turnier  gewinnen konnte.

Der letzte ,,Full Tilt Pro“

In Baden beim 250€ Bounty Turnier (hatte ich sogar als Zweiter beendet) war an meinem Tisch der letzte Full Tilt Fan. Er präsentierte stolz seine T-Shirt: „I knocked out a Pro AT“. Er erzählte mir, dass solche T-Shirts sehr schwer zu bekommen sind, nämlich nur, wenn man beim Bounty Online Turnier einen Full Tilt Pro eliminiert hatte. Es war lustig, mit so einem echten Gambler zu spielen.


























Auch andere Poker Giganten hatte ich an den Tischen bei der Poker EM getroffen wie den ersten WSOP Bracelet Gewinner aus dem deutschsprachige Raum, nämlich Matthias Rohnacher:

http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Rohnacher


























Viel Glück und gute Karten am grünen Tisch wünscht:

Euer Ivo ,,The Chessmaster“

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