Pius Heinz Interview: „Ich würde mich freuen Poker populärer zu machen!“

Pius Heinz ist der World Series of Poker Main Event Champion 2011 und derzeit fast überall zu sehen. Nach dem Poker-Marathon muss der 22-Jährige nun auch den Interview-Marathon hinter sich bringen. Doch der Poker Weltmeister meistert auch diese Disziplin meisterlich und stand unseren Fragen Rede und Antwort.


HGP: Seit deinem Sieg der WSOP wurdest du quasi über Nacht zum neuen Poker-Botschafter in Deutschland. Wie gehst du mit so viel Medienrummel um?
Pius Heinz: Das ist natürlich ungewöhnlich für mich, denn davor war ich ja ein ganz normaler Typ, der gerne gepokert hat. Der Medienrummel ist sehr groß, ist aber auch eine sehr interessante Erfahrung. Ich versuche einfach mich nicht verrückt machen zu lassen und der zu bleiben, der ich bin und Poker an sich und meinen Sponsor PokerStars.de so gut wie möglich in der Öffentlichkeit zu repräsentieren.

HGP: Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber die gesamte Community von Hochgepokert.com fieberte beim FT mit, als ob Deutschland im Fußball WM Finale steht. Ist dir dieser Support während dem FT bewusst gewesen und hat es dich mental gestärkt, dass eine ganze Nation hinter dir stand?
Pius Heinz: Ich bin mir dessen auf jeden Fall bewusst gewesen und bin da auch unglaublich dankbar dafür. An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön für den Support. Es bedeutet mir schon sehr viel, dass Leute mitfiebern und Anteil nehmen.

HGP: Du hast beim Livestream sehr ruhig und gelassen gewirkt. Wie ist es dir eigentlich gelungen, diesen Trubel auszublenden und dich nur auf das Spiel zu fokussieren?
Pius Heinz: Es war tatsächlich so, dass ich es gut ausblenden konnte und nur mein Spiel durchgezogen habe. Ich war die erste halbe Stunde sehr nervös und dann hatten wir eine Pause von zehn Minuten.
Da bin ich raus gegangen, um frische Luft zu schnappen und hab zu mir gesagt „Junge, mach‘ dich nicht verrückt, sei nicht so nervös es ist nur Poker. Du hast einen 20 Big Blind Stack, den kannst du perfekt spielen. Geh einfach wieder rein und spiel‘ so gut wie du kannst“ und das ist mir gelungen.

HGP: Wie war eigentlich die Vorbereitung. Wie sah dein Coaching bei Ex-FBI-Profiler Joe Navarro vor dem Final Table aus?
Pius Heinz: Ich habe kein Coaching bei Joe Navarro gemacht, dass ist eine Ente.

HGP: Und wie sieht es mit Mike ‚Timex‘ McDonald aus, ist das auch eine falsche Meldung?
Pius Heinz: Nein, das ist richtig. Von Mike wurde ich gecoacht. Mike ist ein sehr guter Spieler, ein toller Coach und sehr nett. Es hat mir auf jeden Fall etwas gebracht.

HGP: Wie sieht es eigentlich mit deinen Anfängen aus. Wer hat dich am meisten bei deinem Pokerspiel beeinflusst?
Pius Heinz: Viele Leute aus der Community, aber keiner der eine Art Mentor für mich gewesen wäre. Viele von der amerikanischen Community, die inzwischen High Stakes Regulars sind. Mit denen habe ich mich viel ausgetauscht und sehr viel gelernt.

HGP: Seit Moneymaker und dem daraus entstandenen Boom ist ja viel Zeit vergangen. Die Spielstärke hat sichtlich zugenommen und wirkliche Amateure gab es dieses Jahr nicht am Finale Table. Findest du das positiv oder hättest du dir lieber ein paar leichte Spots mehr gewünscht?
Pius Heinz: Es ist ganz klar, dass man lieber gegen Amateure als Profis spielt. Der Tisch war sehr hart und viele sagen sogar, dass es der stärkste WSOP Main Event Final Table der Geschichte war. Ich glaube ich hab es sehr gut hinbekommen und habe gut gespielt.

HGP: Ben Lamb saß ja direkt zu deiner Linken, wie hast du dich da angepasst?
Pius Heinz: Im Vorfeld habe ich mir Gedanken dazu gemacht, aber als wir dann am Tisch saßen, war es ein kleineres Problem, als ich dachte. Ben war recht short und als Short Stack kann man einfach nicht so viel machen.
Er hat die große Hand mit [Ax][Qx] gegen Phil Collins [Kx][Jx] verloren. Hätte er die Hand gewonnen, hätte er einen größeren Stack gehabt und ich glaube dann wäre es ein richtig großes Problem geworden.
Da hatte ich dann schon Glück, dass er nur einen kleineren Stack hatte und auch ein Ben Lamb kann damit nicht viel machen.

HGP: Du hast ja eine gewaltige Summe gewonnen. Es gibt viele Gerüchte wegen Staking oder ob es einen Deal gab. Willst du dazu was sagen, oder findest du die ganze Diskussion unnötig?
Pius Heinz: Ich habe mich auch schon ein paar Mal dazu geäußert. Eigentlich habe ich kein riesen Problem damit, aber eigentlich geht es keinen was an.

HGP: Hast du schon was Großes geplant. Also ein Haus als eine Art Absicherung oder was für deine Eltern und die Familie?
Pius Heinz: Ich werde das Geld erst einmal ganz konservativ anlegen. Ich hatte eigentlich schon immer ein striktes und gutes Finanzmanagement und das werde ich beibehalten. Persönlich bin ich gerade so glücklich, Weltmeister geworden zu sein, dass ich derzeit keinen materiellen Wunsch habe.
Was meine Familie angeht. Nun ja, da wird es natürlich ein paar größere Geschenke geben, als wie das in den letzten Jahren der Fall war.

HGP: Du bist seit kurzem Mitglied beim Team PokerStars Pro Deutschland. Johannes [Straßmann] war ja vor Ort in Las Vegas, aber hattest du schon Zeit dich mit den Anderen mal zu unterhalten?
Pius Heinz: Nein, aber ich freue mich schon darauf, sie alle kennenzulernen. Die ein oder andere Facebook Message wurde zwar geschrieben, aber so richtig hatte ich noch keine Zeit. Ich denke spätestens bei der EPT Prag werde ich sie kennenlernen.

HGP: Zeit ist ein gutes Stichwort. Du bist ein vielgefragter Mann. Du warst gestern bei Stern TV und wirst noch zu TV Total gehen. Hast du da noch Zeit auszuspannen?
Pius Heinz: Ganz ehrlich, im Moment ist es ganz schön anstrengend. Ich versuche mir nicht zu viel Stress zu machen und das Ganze so locker wie möglich anzugehen. Mit meinem Manager und PokerStars habe ich da Vereinbarungen, dass es Tage oder Abende gibt, wo ich sagen kann „heute mache ich mal nichts“. Von daher ist es ganz gut so.

HGP: Kommst du da überhaupt noch zum Pokern, oder steht das erstmal hinten an?
Pius Heinz: (lacht) Poker habe ich seitdem ich gewonnen habe tatsächlich gar nicht mehr gespielt. Außer bei Stern TV gestern, aber da ist die Frage, inwieweit das zählt.
Prag steht an und da freu ich mich auch riesig darauf. Ich werde auch bald wieder Online spielen aber derzeit steht soviel an, dass ich keine Zeit finde.

HGP: Wir haben vor kurzem ein Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag Hans-Jörn Arp geführt. Er meinte zu uns, dass dein Sieg der beste Beweis dafür ist, dass Poker nun endlich in Deutschland reguliert werden sollte. Glaubst du das dein Sieg ein gutes Zeichen für einen neuen und Poker-freundlicheren Glücksspielstaatsvertrag sein könnte?
Pius Heinz: Ich hoffe das natürlich sehr und versuche dieses sehr schöne und facettenreiche Spiel der breiten Öffentlichkeit näher zubringen. Es ist ein mentaler Wettkampf gegen die Gegner und ich würde mich freuen, wenn ich einen Teil dazu beitragen kann, es populärer zu machen.

HGP: Nochmal zum Final Table. Den hast du ja bereits im Sommer erreicht. Du hast mir gesagt, dass die November Nine ein gemeinsames Gefühl verbindet. Ihr wurdet beispielsweise bei Ben [Lamb] eingeladen. Wie ist das so, wenn ihr zusammengesessen seid?
Pius Heinz: Die Stimmung war total entspannt. Wir hatten ja alle sehr viel erreicht. Man war bei den November Nine, das ist etwas auf das man sein ganzes Leben lang stolz sein kann. Es ist ein sehr freundschaftliches Verhältnis, man trinkt zusammen was und hat eine gute Zeit.

HGP: Bist du mit den anderen noch in Kontakt?
Pius Heinz: Momentan nicht, da habe ich zu viel zu tun. Aber ich habe schon geplant im nächsten Jahr Anton [Makiievskyi] in Kiew zu besuchen. Er hat mich eingeladen. Ben will auch kommen. Vielleicht wird’s in fünf Jahren auch mal eine Reunion geben. Zudem trifft man sich ja bei den EPT-Stopps, da geht man dann ein Bier zusammen trinken und unterhält sich.

HGP: Bei der EPT Prag bist du ja vor Ort. Hast du auch noch andere Majors geplant?
Pius Heinz: PCA werde ich auf jeden Fall spielen, Berlin und noch andere Stopps. Das Nächste ist dann Prag.

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