Der Ivo Donev Blog: Texas Holdem – sieht so einfach aus und ist doch so kompliziert!

Hallo alle miteinander,

Die WPT, wohl ein Begriff für jeden Pokerspieler, war am 16.11. zu Gast im King’s Casino Rozvadov. Dies war für mich Anlass ein drittes Mal in diesem Jahr an die deutsch-tschechische Grenze zu fahren. Ich habe mich für Tag 1 A eingekauft und sechs Levels ohne besondere Vorkommnisse überlebt. Zu guter Letzt bin ich jedoch ohne jede Chance ausgeschieden. Das Gute war hier aber, dass ich an Tag 1B wieder spielen konnte und zwar mit vollem Stack. Ich persönlich finde eine second Chance eine gute Idee, die viele Spieler auch gerne in Anspruch nehmen.

Optimistisch startete ich in Tag 1B, an einem Tisch mit mehreren für mich bekannte sowie unbekannte Gesichter. Leider sind Poker-Turniere keine Wunschkonzerte und schon in Level 2 bei Blinds 50/100 verliere ich einen Monsterpot mit [Ax][Ax] (small Blind) gegen [Ax][Tx] (Button) etwa 18.000, was mich fast meinen halben Stack kostet. Es läuft schon Level 3 die Blinds 75/150 und ich versuche, mich aus dieser misslichen Lage zu befreien.

Alle folden zu mir und ich finde in später Position [Ax][Qx], ich verlange 400, unmittelbar hinter mir hat ein Online-Qualifikant aber andere Pläne und hebt die Flop-Latte auf 800. Der Rest foldet und ich nehme dieses Angebot gerne an. Mit diesen hervorragenden Pot Odds (400 für 1.425) und meinem mageren Stack (um die 9.000), ist dieser Call sogar wenn ich gegen KK spielen muss eine Pflicht.

Der Flop war wie ein Wunschkonzert [Ax][2x][3x] Rainbow. Ich checke vorsichtig gegen meinen unerfahrenen Gegner, der nach kurzer Überlegung nur 800 setzt. Hmm, was soll diese bescheidene Wette bedeuten [Kx][Kx], [Qx][Qx] als Conti Bet oder [Ax][Ax] als Fishi Bet.

Das sind nur Vermutungen, ich brauchte noch mehr Info, um die Lage klarzustellen. Darum calle ich einfach. Der Turn brachte eine [7x]. Ich checke am Turn wieder gegen den Aggressor, wusste aber nicht, was ich machen werde, wenn mein Gegner jetzt hoch wettet. Wahrscheinlich muss ich dann folden.

Zum Glück checkte auch er. Wenn er checkt ist meine Hand mit [Ax][Qx] im Moment sicher die bessere Hand. Der River brachte noch ein Ax – Yuppie! Jetzt aber bin ich mir absolut sicher, dass ich gewinne. Meine Aufgabe war nun zu überlegen, wie ich das Maximale aus dieser Situation hole. Im Pot liegen um die 3000 ich darf aber nicht gierig sein sonst werde ich meinen Gegner mit großer River Value Bet erschrecken. Ich biete ihm nur 1.600 an und er beginnt nachzudenken.

Das ist ein gutes Zeichen. Jetzt bin ich mir sicher, dass mein ,,Read“ richtig ist. Also er hat entweder ein großes Paar wie [Kx][Kx], [Qx][Qx], [Jx][Jx] oder ein Ass mit schwächerem Kicker. Schlussendlich callt mein Gegner mit tiefem Seufzer, ich drehe stolz meine [Ax][Qx] um. Aber was geschah da, mir wurde schwindlig der Pot wanderte in die falsche Richtung! Der Däne dreht doch tatsächlich [Ax][Kx] um. Das einzig Gute war, dass ich noch am Leben bin, am River war ich nämlich bereit ein all-in zu zahlen!

Schlussfolgerung: ,,Nicht alles, was glänzt, ist Gold“ und nicht immer gewinnt eine anscheinend sehr starke Hand!

Nach nur zehn Minuten bekomme ich in mittlerer Position JsJd und raise wieder auf 400, dieses Mal callt mich mein Schattenmann – der Däne –  nur sowie noch zwei weitere Optimisten. Der Flop [Jx][Qx][9x] Rainbow. Bingo! In dieser Situation gebe ich meinen Gegnern kein größeres Set mit Damen, weil alle drei mit Mühe vor dem Flop callen. Ich feuere eine ,,fischi“ Wette, um die 900. Wieder stellt sich mir mein Schattenmann in den Weg, raist auf 1.900 und die beide Anderen folden. Für mich mit meinem Short Stack gab es keinen Weg zurück, also All-in um die 5.000. Dieses Mal callt er prompt und zeigt mir was ich mir nie erträumt habe nämlich [Kx][Tx] für die Nut Straight. Keine Hilfe am Turn und River und Feierabend! Nach diesem kurzen Harakiri fühlte ich mich, wie ein Schauspieler der im falschen Film gelandet ist! So schnell wurde ich noch nie bei einem Deep Stack Turnier (20k Start Chips 1h Level) vernichtet.

Trotzdem habe ich auch positive Erlebnisse von diesem Turnier gespeichert.

Ich war kurz am Tisch mit einem besonderen Spieler, der sogenannte ,,Magic Man“. Er spielte wie immer mit weißen Handschuhen (ala Michael Jackson).Hier ein kurzes Video mit Magic man:

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Eine traurige Online Hand

Bei Online Spielen läuft die Zeit brutal schnell ab. An einem klassischen Turnier im November ist mir neulich folgende Hand untergekommen: Ich habe sehr weit mit gutem Stack überlebt und es sind von fast 1.600 Startern noch genau 201 Spieler im Feld geblieben, wobei nur 200 belohnt werden. Es war also die berüchtigte Bubble-Phase.

Das Average liegt bei 157.000 und ich fühle mich gut mit meinem 190.000 Stack bei Blindes mit 3.000/6.000 (Ante: 600). Eine Runde kostet mich also 15.000, was für mich ein M13 ist. Mein Tisch ist ziemlich loose und aggressiv und ich kann mich nicht viel bewegen. So weit so gut. Es läuft der sogenannte Hand-for-Hand Modus und ich bin im Big Blinds mit AsQs. UTG+1 minraist auf 12.000, alle folden bis zum Button, einem extrem loose aggressiver Spieler mit einem Stack von 400 000, der auf 30 000 reraist. Der SB folded und jetzt war ich an der Reihe. Bei Holdem gibt es nicht viele Situationen wo man drei mögliche anscheinend ,,vernünftige“ Entscheidungen treffen kann.

a) folden. So vermeide ich jedes Risiko und lande sicher im Geld
b) reraisen all-in 190 000 mit AsQs, so werde ich in den meisten Fällen das tote Geld in der Mitte 57.000 gewinnen, aber auch manchmal gegen [Kx][Kx], [Ax][Ax] oder [Ax][Qx] rennen und Pleite gehen. Natürlich hat ein solcher Move gegen meinen loosen Gegner einen positiven Erwartungswert aber die Frage ist, ob man in der Bubble Phase ein solches Risiko eingehen muss?
c) callen und nur wenn ich den Flop gut treffe, aggressiv fortsetzen! Hier ist der Nachteil, out off Position gegen den größere Stack zu spielen, was mich vernichten kann.

Also wie sie sehen alle drei Fortsetzungen haben Vor- und Nachteile. Nach langem hin und her habe ich mich schlussendlich für den Call entschieden, es war mir zu schade eine so schöne Hand vor dem Flop gegen einen offensichtlichen Räuber zu folden. Der Flop 4sJd7s, Wow super Nuts Flush Draw plus zwei Overcards. Jetzt aber muss ich Gas geben. Ich checkte und der loose Räuber wettet erwartungsgemäß um die halbe Pot Größe (40k). Ich pusche all-in und er war blitzschnell einverstanden. So wuchs der Pot knapp über 400.000. Turn 6s River Jc.

Jetzt musste ich wie betäubt sehen, wie dieser Monster Pot zu meinem Gegner wandert. Logisch, weil mein Nut Flush second best Hand war. Wie ich vermutet habe, hat mein Gegner mit Schrott Jh7c eine 3-Bet vor dem Flop gemacht und am Ende wurde er mit einem Full-House belohnt. Ich verspreche euch nächstes Mal werde ich mit großem Stack in der Bubble Phase einfach geduldig abwarten. Immerhin war der 200te Preis $1.300.

Vor dem Flop 69%-31%

Nach dem Flop 34%-66%

 

Nach dem Turn 91%-9%

Nach dem River 0% – 100%

Übrigens dieser Poker Hand Replayer ist sehr nützlich und man kann jede beliebige Hand Historie  abspielen lassen.

Fazit: Der Gewinn ohne Showdown ist 100% Gewinn im Poker!

Ich freue mich schon sehr auf Anfang Dezember. Dann spiele ich die WPT & EPT in Prag. Ich verspreche euch schon heute viele interessante Hände und Fotos von Prag!
Online werde ich auf win2day das €55.000 garantierte Winter Night am 4.12 spielen sowie auch die Big Sunday-Turniere, wo es am 18.12 auch ein €250 Bounty auf mich gibt.

Euer: Ivo ,,The Chessmaster“

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