CCC Lugner-City – Toni Polster lacht mich aus – Kurzsichtigkeit und der gebrochene Schwur

CCC Lugner City. Club7Poker präsentiert Toni Polster als neuen Star des Teams. Selbstverständlich bin ich vor Ort und selbstverständlich entgleitet mir alles mehr als nur ein wenig. Eigentlich sollte ich meine Sache ja selber auf die Reihe bringen, aber irgendwie gelingt mir so selten. Außerdem schäme ich mich auch ein wenig. All die Kollegen um mich herum mit ihren Supermonster-Kameras samt Superprofi-Blitzdiffusoren und allem was dazu gehört und ich mitten drinnen mit meinem 99.-E Fotoapparat. Johann Lorenz Chef des CCC-Marketings lässt mich nicht im Stich. In einem scheinbar günstigen Moment schiebt er mich vor die Fotowand. Die Pressefotografen glauben, es geht weiter und blitzen was die Prozessoren hergeben. Nochmals lächeln, nochmals Hand geben und ich stehe da neben dem besten Toni den wir je hatten und komme mir vor wie ein Hochstapler. „Bist du auch ein Spieler oder was?“ zischelt er mir leise von der Seite zu. „Früher war ich Spieler. Jetzt arbeite ich wieder“ antworte ich ebenso zischelnd. Da lacht er sein breites Toni Polster-Lachen und wir müssen uns nochmals die Hand geben. Was tut man nicht alles für die Fotografen. Später wird mich ein nervöser Reporter mit Brillen fragen, ob es mir in Wien gefällt. „Mein Name ist Marcel Luske“ werde ich antworten. Ludwig – Udo – Siegfried – Konrad – Emil und ich komme immer wieder gerne in diese schöne Stadt.“ Er ist zufrieden und ich bin es auch.

Pause. Hübsche dünne Mädchen mit kurzen Röckchen, langen Beinen und viel zu großen Schuhen schreiben eifrig SMS an die daheim darbenden Freunde. Club7Poker-Pro Erich Kollmann plaudert routiniert und freundlich mit den Kollegen. Alle sind sie da. Die üblichen Verdächtigen von Poker-Community.at, Poker-Magazin und so weiter. Aber Toni Polster zieht in Österreich und so hat sich auch die pokerferne Presse aus dem Bereich Sport und Gesellschaft eingefunden. Conny de Beauclair zum Beispiel als wohl wichtigster Szenefotograf. Wir kennen uns seit den späten 70ern, damals war er Türsteher im Montevideo und später jahrzehntelang im legendären U4. Einmal hatte ein Verrückter mit der Schrottflinte durch die Glastür geschossen, einmal erwischte es Conny mit einer Küchenaxt im Nacken. Alles hatte er überlebt und so ist er wohl auch gut gewappnet für die Haifische im Medienbereich. – Vorne am Tisch tut es sich etwas. Toni Polster wird den Vertrag mit Club7Poker öffentlich unterschreiben. Erich Kollmann sitzt auch dabei und mit dem immer charmanten und fröhlichen Niki Kovacs ein weiterer Club7Poker-Pro. Johann Lorenz spricht ein paar einleitende Worte: „Wer ist das?“ fragt jemand leise zwei Reihen hinter mir. „Der Chef vom CCC“ antwortet mein Nachbar mit dünner Stimme. „Ist das der Zanoni?“ Ratlose Zusatzfrage aus den hinteren Rängen. „Ich glaube schon“ die prompte nachbarliche Antwort und diesmal kann ich wirklich nichts für die Verwirrung. Toni Polster greift zum Stift, die Kameras bringen sich in Position und jeder darf blitzen was die Geräte hergeben. „Wer es jetzt nicht hat, bekommt es nicht mehr“. Ein pragmatischer Toni beendet geduldig und freundlich diesen Teil der Veranstaltung. Ich schleiche mich hinüber in den Spielsaal. An der Bar entdecke ich die immer wunderhübsche Sabine Hahlweg von pokeraction.ch. Neben ihr ein dürrer Mann mit braunen Haaren und Brille. Freudig steuere ich auf sie zu. Ich will Sabine ganz sicher begrüßen und möglichst küssen, wenn es sich irgendwie machen lässt. Noch ein paar Schritte und ich erkenne in meiner Kurzsichtigkeit den dürren Mann an der Bar. Robert Werthan, ehemals ein Freund und ehemals semmelblond. Ich drehe ab.

Die Sache mit meinen Augen. Ich müsste ja ganz dringend eine Brille tragen, weil ich kaum wen erkenne und ständig die falschen Menschen grüße und die netten Menschen wohmöglich nicht grüße, weil ich sie in der Unschärfe nicht erkenne. Aber graue Haare und Brille sind einfach zuviel. Haare färben erlaubt mir meine Frau nicht und Kontaktlinsen könnte man mir höchstens unter Vollnarkose einsetzen.  – Nun, ich habe aber meine Lektion gelernt. Nach diesem brisanten Vorfall an der Bar erkenne ich den Ernst der Lage. Gleich morgen melde ich bei der Augenärztin und mache einen Termin.

Die Sache mit dem Schwur. – Ja ich schäme mich. Erst kürzlich hatte ich zu später Stunde im Kaffeehaus die oberdicke Lippe riskiert: „Vier Securitys werden nicht reichen wenn ich Werthan das nächste Mal in die Finger bekomme. Vier Securitys sind zu wenig und wenn wir beide Glück haben ist noch ein fünfter Mann da und reißt mich weg, bevor was Schlimmes passiert.“ – Nun es wird gar nichts passieren und manchmal kann man auch Schwüre brechen, wenn es wirklich schlauer ist so. Abgesehen davon haben mich am Donnerstag zwei Kriminalbeamte aus dem Bett geholt. Selbstverständlich wegen einem Missverständnis und es wird auch nichts weiter passieren, aber ich weiß jetzt (wieder), dass die auch noch da sind und so. Und nebenbei erwähnt, im CCC Lugner-City sind überhaupt die tüchtigsten aller Securitys. Da kenne ich mich aus und es gefällt mir auch so  gut dort und ich will da immer hinkommen dürfen und so.

Zurück zur Pressekonferenz. Einzelinterviews sind noch möglich. Toni Polster beantwortet geduldig die immer selben Fragen. Ja er freut sich, dass das geklappt hat mit Club7Poker und er wird sich schon bald der Herausforderung am Spieltisch stellen. „Schon bald?“ Ich horche auf. Nach meinen Informationen sollte er doch gleich antreten zur Club7Poker Tour Tag 2. Erich Kollmann hatte mir das auch bestätigt und selbstverständlich wäre ich auch dabei gewesen, obwohl mir Monsterstacks zum Start und 45 Minuten Levels durchaus ein wenig Angst machen. Es bestätigt sich, Toni Polster wird erst in Leipzig seine Premiere am Pokertisch geben. Nehme an bis dahin werden Kollmann und Kovacs noch einiges an Coaching-Arbeit leisten. Ich verabschiede mich von allen die ich kenne (und erkenne) und ziehe leise davon. Irgendwie habe ich noch das Lachen von Toni Polster im Ohr, beziehungsweise die Frage: „Bist du auch ein Spieler oder was?“. Spieler werde ich ein wenig bleiben, Schläger bin ich ganz sicher keiner. Vielleicht nehme ich das „oder was“ als Berufsbezeichnung, und ab demnächst eben ein „oder was“ mit Brille. Hoffentlich mögen mich dann die jungen Mädchen mit den großen Schuhen immer noch. Ich denke schon. Da bleibe ich Optimist.

Götz Schrage

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