Der Ivo Donev Blog: European Poker Tour Prag und win2day-Hand des Tages

Hallo liebe Poker Freunde,

nun ist die Zeit für meinen letzten Pokerblog in diesem Jahr gekommen. An Jahresenden ziehe ich immer so etwas wie ein kleines Resümee.

In den letzten Jahren hatte ich an vielen Plätzen auf unserer Erde Turniere gespielt. Es kann sein, dass es reiner Zufall war, aber die Fakten sind:

a) Dass ich bei dem 1000€ Buy-in Turnier in Salzburg im Jahr 2010 /2ter und 2011/ 1ter geworden war; bei der Poker EM in Baden mit 4000 € Buy-in war ich in den letzten vier Jahren zweimal 6ter geworden – 2008 und 2011

b) Bei beispielsweise der EPT Prag im Main Event und mehreren Side Events habe ich seit 2008 noch nie gecasht.

Das führt mich unweigerlich zu dem Gedanken, dass es bei mir an einigen ,,Örtchen“ einfach läuft und im Gegensatz dazu in anderen ein Erfolg weit entfernt ist.

Im Dezember spielte ich wieder bei der EPT Prag und dieses Mal überlebte ich Tag 1B, aber leider nur mit einem kurzem Stack von 25.000.

Die Schlüssel ,,Titanic“ Hand

Tag 2, Level 10 mit Blind 500/1.000+Ante 100. Ich schaffte es, mein Stack leicht zu verbessern, vor mir standen schon etwa 36.000 Chips. In späterer Position fand ich KcQd, erhöhte auf 2.300 mit der Idee, die Chips in der Mitte liegend einzustreichen. Nur ein russischer Businessman am Button hatte etwas dagegen. Zu zweit sahen wir den Flop mit Qc4c8h. Nicht schlecht dachte ich, wahrscheinlich hatte ich momentan die beste Hand: Falls er AQ haben würde, hätte ich vor dem Flop von ihm gehört. Ich setzte meinen Angriff ruhig fort – 3.000. Der Russe nahm mein Angebot nochmals an. Turn Jc. Jetzt bekam ich zu meinem Top Paar auch noch Second Nut Flush Draw dazu. Mit bescheidenen 4.000 versuchte ich, noch mehr Infos zu holen. Der Russe hatte dieses Mal nach kurzer Überlegung gecallt. Ehrlich gesagt hatte mir meine jetzige Situation irgendwie nicht gefallen. Das einzige was ich über  diesen Spieler wusste war, dass er nicht Profi ist und ein gutes Business in Russland führt. Aus diesem Grund konnte ich ihn schwer einschätzen. River Qh, jetzt wollte ich mit meinen Trips Damen klein wetten, und zwar aus folgenden Gründen:

a) Wenn ich vorne läge, keinen gratis Showdown erlauben.

b) Als blocking Bet – denn wenn ich auf  verlorenem Posten stand, war meine Hoffnung, dass mein Gegner durch die von mir gezeigter Stärke nur callen statt raisen würde. Falls er aber raiste, war ich höchstwahrscheinlich verloren.

Gedacht getan – ich wettete 4.000. Der Russe war aber kein bisschen beindruckt von der von mir gezeigten Stärke (Bet auf Flop, Turn und River ), er durchschaute vermutlich meinen Plan, und schob ein schmerzhaftes Raise auf 20.000. Jetzt begann ich zu grübeln. So viele Hände (Straße, Flush, Full House) könnten meinen Drilling mit den Damen schlagen. Ich war fast sicher, dass ich in diesem Moment geschlagen war. Nach etwa zwei Minuten schlug ich leider den falschen Weg ein und callte. Er drehte  QsJs um für Full House und mir blieben ganz wenig Chips übrig. Ob ich in dieser Hand Pech hatte oder fehlerhaft spielte, lasse ich die Leser selber einschätzen. Eines ist aber sicher:

Der Call am River war nicht gut! Nach kurzer Zeit wurde mein Shortstack von einem dänischen Spieler geschluckt und so wurde ich von der Shortstack-Qual befreit.

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Um mich zu beruhigen, hatte ich wieder das Peter Maffay Lied in ein Pokerlied geändert:

,,Manchmal gehe ich mit Hoffnung zum Turnier

Manchmal wünsch ich mir mein großes Stack zurück

Manchmal kommen nicht die Karten, die ich will

Manchmal sitz man still am falschen Tisch


Manchmal meint man, dass im Poker Glück regiert

Manchmal denke ich, das Pech ist nur bei mir

Manchmal hab ich  gutes Pokergefühl

Manchmal sitze ich am falschen Stuhl


Über sieben Levels musst Du gehen

Sieben dunkle Stunden überstehen

Sieben Mal wirst Du All-In Asche sein

Aber irgendwann im Geld auch sein!“


Der unglaubliche Verlauf einer Hand

Trotz meines schnellen Untergangs an Tag 2 hatte ich etwas ganz seltenes an meinem Tisch erlebt. Nach dem Flop 3sQc2d war von zwei Spielern das gesamte Geld irgendwie im Pot gelandet. Einer war mit seinem Top Set QhQd ,,1000 Meilen“ vorne gegen den andere Spieler, einem Slowaken, der mit JhJs Hilfe brauchte. Und die Hilfe von Himmel – pardon vom Dealer – war gekommen: Turn Jc River Jd Boom: Runner Runner Quads! Das war der größte Vorteil von 99,9%, den man nach dem Flop haben kann! Natürlich ausgenommen wenn dein Gegner ,,drawing dead“ ist.

Win2day Bubble Hand des Tages

Wie ich schon in meinem letzten Blog angekündigt hatte, wurde bei win2day am 18. Dezember beim Big Sunday Turnier 250€ Bounty auf mich gesetzt. Von den gestarteten 207 Spielern waren noch 26 geblieben.

Es war Bubble Phase, und wenn ich keine Hand spielen würde, wäre ich sicher – es gab um die 10 Spieler mit kleinerem Stack als ich – im Preisgeld. Mein Stack mit 23.600 war in der roten Zone: Die Blinds waren extrem hoch mit 1.250/2.500+Ante 250 bei einem Average Stack von etwa 40.000. Ich wartete geduldig auf eine gute Gelegenheit, mein Stack zu verdoppeln wie ein hungriger Tiger, der auf sein Opfer lauert. Endlich bekam ich im BB eine Top Hand mit AK. Eine Hand, welche für mich oft ein Alptraum ist aber in allen Büchern zu den Top vier Händen klassifiziert wird. In mittlerer Position hatte ein großer Stack (59.560/ZachBraff) meinen Blind attackiert – mit einer Bet auf 5.000. Alle foldeten zu mir, und ich hatte fast eine optimale Situation, All-in  zu pushen. Mein All-in Reraise kostete ihn 40% seines Stacks, und falls er verlieren würde, landet er unter Average, also kein harmloses All-in.








Wenn ein unerfahrener Spieler callt, dann braucht man nicht viele Gründe zu suchen. Er denkt einfach ich habe suitet K 7 und viele Chips, da kann ich doch locker gambeln. Oder er denkt einfach gar nichts.

Falls aber ein guter Spieler wie ZachBraff (Peter S.) in solchen Situationen callt, dann gibt es andere Gründe. Es ist offensichtlich, dass mathematisch gesehen solche Calls negative Erwartungen haben. ZahBraff hatte 18.607 zu zahlen, um 31.607 zu gewinnen, das macht etwa die Pot Odds 1,7 zu 1. Seine Gewinnchancen gegen meine AK waren aber circa  28,7% gegen 71,3% also war er etwa 2,5 zu 1 Underdog, was bedeutete, dass mathematisch dieser Call negativ war.

Natürlich wusste er nicht genau, dass ich AK hatte, aber er konnte mich auf eine Range von Händen setzen wie beispielsweise Paare 99 bis AA oder AK oder AQ. Gegen diese Range von Händen schnitt er ungefähr gleich schlecht ab und hatte etwa Gewinnchancen von 30,4% zu 69,6%, was circa 2,3 zu 1 ausmachte. Eine alte bekannte Faustregel lautet: Ihre Hand ist einen Call wert, wenn Sie denken, dass Ihre Gewinnchancen höher als Ihre Pot Odds sind! Oder in obengenannte Beispiel einfach gerechnet: ZahBraff gewinnt 1 X  31.607, aber er verliert 2,4 X 18.604.

Hier ein screenshot mit Berechnungen mit dem nützlichen Online-Programm PokerStove:

Es gibt nichts Besseres im Poker um Gewinnchancen zu maximieren, wenn man

a) eine vorteilhaftere Hand hat als der Gegner.

b) deutlichen Druck auf seinen Gegner ausübt, um dem Pot zu gewinnen.

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Ist es Nachteil, Bounty Spieler zu sein?

Ich fragte mich immer wieder: Warum callte mein Gegner so schnell mit einer offensichtlich nachteiligeren Hand. Die Antwort war mir bald klar: Wegen dem 250€ Bounty. Er riskierte nur 40% von seinem Stack, aber mit etwas Glück hätte er die 250€ Bounty sofort gewinnen können. Und wie sie sehen, diesmal hatte es sogar geklappt. Er hatte den hervorragenden 4ten Platz erreicht, gratuliere Peter! Ich musste nicht sauer sein weil die Bad Beats einfach ein Teil des Pokerspiels sind!

Wie mein Pokeridol G. Hansen sagt: „Wann man ein All-in eines Spielers mit kleinem Stack callen kann, wenn ihr eigenes Überleben in dem Turnier nicht bedroht ist:“

a) Pot Odds 4 zu 1 (Gewinnchance, ab welcher der Call positive Erwartung hat: 20% oder mehr), immer Callen (z.B. mit Paar gegen größeres Paar bist Du 20% gegen 80% Underdog)

b) Pot Odds 3 zu 1 (Gewinnchance, ab welcher der Call positive Erwartung hat: 25% oder mehr),fast immer Callen (z.B. mit AQ gegen AK bist Du  ca. 26% gegen 74% Underdog)

c) Pot Odds 2 zu 1 (Gewinnchance, ab welcher der Call positive Erwartung hat: 33% oder mehr) Wenn du sicher bist, dass du hinten liegst (z.B. hast du AJ und bist sicher, dein Gegner ist All-in mit Minimum AQ oder besser), dann folden!

d) Pot Odds 1,5 zu 1 (Gewinnchance, ab welcher der Call positive Erwartung hat: 40% oder mehr), bei diesen schlechten Pot Odds musst du gute Gründe zum Call haben!

FAZIT: umso schlechter die Pot Odds, um so besser muss die Hand sein, um einen profitablen Call zu machen und umgekehrt!

Hier noch ein Neujahrsrätzel als typischer Poker Gag: Wer weiß, wer dieser Poker Pro ist?

Ich wünsche allen Lesern einen Guten Rutsch in das Jahr 2012, beste Gesundheit und Fitness, viel Glück und gewinnträchtige Karten! Man sieht sich wieder im Jahr 2012 am grünen Filz!

Euer Ivo ,,The Chessmaster

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