Der Ivo Donev Blog: CAPT Seefeld-Spiel gegen Tight – Passive Gegner

Hallo alle miteinander,

in meinem Blog beschreibe ich meine Erfahrungen und Erlebnisse, bei verschiedenen Pokerturnieren und über vieles mehr rund um Poker. Ich behaupte sicher nicht, dass alles was ich denke und spiele absolut richtig ist. Da sind die Übergänge von richtig und falsch auch viel zu schwammig, auf jeden Fall wesentlich unklarer als beim Schach. Ich Berichte einfach meine Gedanken, meine Meinung, meine Erfahrung u.s.w. Natürlich mache ich wie jeder Mensch einige Fehler, aber der Sinn der ganzen Sache ist diese Fehler zu erkennen, lokalisieren und versuchen sich zu verbessern!

Spiel gegen Tight Passive Gegner

Solchen Spieler begegnet man meistens in Turnieren mit niedrigem Buy-in. Wie spielen solche  Spieler? Ganz einfach geradlinig. Mit zwei Wörtern gesagt:

haben = mitgehen
nichts haben = folden

Solche Spieler sehen hauptsächlich die eigenen Karten, das Board und treffen aufgrund dieser Konstellation geradlinige Entscheidungen.

Die erste Station der CAPT 2012 beginnt in Seefeld. Und es ist Tradition, dass alle Turniere hier gut besucht werden.

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Zuerst erzähle ich etwas über meinen Verlauf des Deepstack-Turniers an Tag 1b. 20 000 Chips bei 30 Minuten Level und Start bei 25/50 . Dies waren gute Voraussetzungen für einen langen Turnierpokerabend. So weit so gut. Das Turnierfeld, bunt gemischt mit vielen Italienern, welche schon Stammgäste, wegen der Ski Saison in Seefeld sind. Es war sogar eine Gruppe Pokerspieler aus Belgien mit dabei, die extra für diese Turnierwoche angereist sind.

Mein Tisch war okay, Poker pro Thomas Hofmann aus der Schweiz, zwei belgische Spieler aus der Poker Gruppe und einige unbekannte Italiener und Österreicher. Der junge Belgier rechts von mir hat gerne sein neue Frisur fotografieren lassen.

Wissen sie, warum mir seit der WSOP 2004 ein paar [2x][2x] sympathischer geworden sind? Das ist die Lieblingshand von meinem „Poker Buddy“, dem berühmten Backgamon Pro Paul Magriel. Sein Spitzname ist X_22.

Mit ihm habe ich oft in Vegas bei der WSOP gespielt und er liebte es mit ein Paar [2x]ern zu spielen oder raiste oft auf eine Zahl die mindestens eine Zwei beinhaltete (z.B.: Raise 220; Raise 2200 ,22200). Wenn er auf einen solchen Betrag raiste, dann mit Lauten einer Ente ,,Quack, Quack“. Hier ein Link mit mehr Infos, für diejenigen, die noch nie von dem intelligenten Paul gehört haben.

Doch zurück zum Turnier und Anfang des Level 1. Ich bekam in früher Position Pauls Lieblings Enten [2x][2x]. Unser Tisch ist noch nicht voll besetzt, und ich schätze diese Gelegenheit, die Blinds zu klauen. Darum setzte ich bescheidene 125 Chips. Statt sofort die Blinds zu kassieren, bekam ich plötzlich drei Kunden, den Button sowie die Blinds.

Der Flop kam mit 2h6cAd

Boom. Bottom Set, ein Traum! Logischerweise haben die beiden Blinds zu dem Preflop Aggressor gecheckt. Ich verlangte standardmäßig die halbe Pot Größe (250), was zwei von meinen drei Gegnern in die Flucht trieb. Nur einer, nämlich der Small Blind hat schnell gecallt. Es war einer aus der belgischen Gruppe, ein älterer Herr, der mir auf den ersten Blick nicht als Profi ins Auge stach, sondern als ein ,,tight passiver“ Spieler. Denken sie nach, mit welcher Hand eine solche Art von Spielern in dieser Situation callen kann? Es ist leicht zu vermuten, dass er nach diesem Flop zu 80% mit einer Ass und einer Beikarte callt, und ganz selten mit einem kleinen Pocketpaar, oder wenn er die [6x] getroffen hat.

Der Turn war das As.

Der ältere Herr checkte wieder. Mein Gedanken war jetzt:
a)    Die Hand meines Gegners noch genauer zu erkennen
b)    Einen großen Pot aufzubauen und gewinnen

Im Pot waren 1.000 und alle Bücher empfehlen, dass man maximal Pot Größe spielt, also in diesem Fall wäre ein Einsatz von 500 bis 1.000 normal. Ich wettete 2.000, was eine Overbet war und dies aus folgenden Gründen:

a) wenn ein tight passiver Gegner jetzt callt, hat er zu 99%  eine Ass in der Hand, somit Drilling Asse und zahlt das Overbet sicher.
b) ich gebe ihm kein A2 oder A6 oder 66 zum Full Hause, denn er hätte bis jetzt vermutlich geraist. Also gebe ich ihm ein Ass mit mittlerem Kicker, weil er vor dem Flop aus dem small Blinde mein Raise bezahlt hat.
c) Goldene Regel: mit großer Hand großen Pot, mit kleiner Hand kleiner Pot spielen!

Also habe ich mit der Overbet die erste große Stufe in meinem Plan setzen. Diese große Wette, hat meinen Gegner überhaupt nicht beeindruckt. Er wollte also um diesen großen Pot mittanzen.

Was wird diese Art von Spieler vermutlich überlegen. Ich habe eine Ass in meiner Hand und im Flop liegen noch zwei Asse, also gehe ich ohne Bedenken mit. Er denkt wahrscheinlich nicht, dass der ursprüngliche Raiser ein Ass mit top Kicker haben kann oder noch besser.

Hmmmm, trotz meines fertigen Full House, läuteten die Alarmglocken bei mir. „Hoffentlich trifft er seinen Kicker nicht“. Theoretisch ist sein Kicker mein Hauptgegner. Wenn am River noch eine 6 kommt oder eine Ass landet, bekommt er keinen Pfennig von mir. Weil dann sein Full Haus bzw. Poker Asse offensichtlich sind (z.B.: das Bord A6 2 A 6 oder A 6 2 A A).

Also hat erin diesem Fall nur drei Outs (sein Kicker), die mich wirklich im Schwierigkeiten bringen können.

River 4c

Jetzt checkte mein Gegner erneut. Gott sei Dank ist eine kleine Karte gekommen und mein Gegner checkt dazu, wahrscheinlich ist sein Kicker viel größer als eine [4x] dachte ich. Trotzdem, jetzt war es kritisch. Soll ich checken oder wieder wetten? Gegen einen sehr guten Spieler hätte ich wahrscheinlich gecheckt, weil die guten Spieler tricky und gefährlich sind. Denn was mache ich, wenn er mich all-in raist?

Aber gegen diese belgische passive Calling Station, überlegte ich ein große Value Bet zu machen, denn ein passiver Spieler raist am River meist nur mit den Nuts! In diesem Moment war ich fast sicher, dass mein Gegner kein Full House hat, weil sonst hätte er spätestens am River eine Value Bet gemacht. Im Pot waren 5.000 und ich überlegte wie hoch, die Schmerzgrenze ist, was man mit Drilling Asse in einer solchen Situation bezahlen kann. Wahrscheinlich rund 7.000, was wieder eine Overbet war. Nach kurzem Überlegen hat mein Gegner gecallt.

„Gott sei dank“ dachte ich glücklich, endlich habe ich mit meinem Baby Full House das Maximum aus diesem geizigen alten Herrn geholt“ und drehte meine [2x][2x] um. Mein Gegner hat erwartungsgemäß sein Ass umgedreht, doch ich musste sehen wie dieser Monsterpot (19.000 bei Blinde 25-50) zu meinem Gegner wandert.

Ich stand auf und blickte drein wie ein Uhu. Erst jetzt habe ich seine Karten richtig gesehen, dass neben seinem Ass eine [4x] lag und mich auslachte. Wow, was für eine kalte Dusche. In den ersten fünf Minuten habe ich fast die Hälfte meines Stacks verloren. Mit meinem Set gegen sein Top Pair war ich am Flop fast 96% Favorit.

Sehr enttäuscht von meinem Start kämpfte ich erfolglos weiter. Irgendwann in Level 2 (Blinds 50/100) raise ich in mittlerer Position mit einem Paar [7x][7x] („sevens from heaven“) auf 250. Hinter mir schreit ein Italiener unbeeindruckten ,,Reraise auf 600“. Alle folden zu mir und ich zahle die 350, um den Flop zu sehen. Der Dealer öffnete schnell AcQh7d.

Boom. Jackpot dreimal die [7x]! Ich checkte überzeugt, dass mein Gegner 100%ig eine Conti Bet machen wird. Er war nicht zu bremsen und wir schaukelten uns schnell bis zu meinem All-in, für etwa 8.000 ,hoch. Der Südländer zeigte eine wesentlich bessere Hand als der Belgier, nämlich [Ax][Kx]. Ich war wieder gigantischer Favorit und trotzdem musste ich am Turn zittern, weil noch ein Ass gekommen war. Zum Glück kam am River die 3s und nach diesem schönen Pot hatte ich fast wieder mein Starting Stack.

Jetzt merkte ich, wie wichtig der erste Pot war, als ich mit Set Zweier verloren habe. Wenn ich am River gecheckt hätte, hätte ich mir 7.000 sparen können, die ich jetzt in dem Pot gegen den Italiener auf zusätzliche 14.000 umgewandelt hätte.

Fazit. In NL Hold’em Turnieren ist es extrem wichtig, mit der ersten Verdopplung, den ganzen Stack des Gegner zu fressen.

Jetzt war für mich die Welt wieder in Ordnung.

Level 7 (Blinds 300/600, Ante 75). In mittlerer Position finde ich AsJs und bekomme Lust die Chips in der Mitte zu verspeisen. Also raise ich auf 1.400. Am Cut Off, ist ein solider Spieler nicht mit meinem Angebot zufrieden und verlangt noch mehr, 2.900. Ein anderer solider Spieler callt diesen großen Reraise, ohne mit der Wimper zu zucken. Was nun? Callen oder folden, dass ist die Frage?

In solchen Situation sind zwei Faktoren wichtig:

a) Die Pot Odds sagen unbedingt Call. Im Pot sind 8.250 und ich muss nur 1.500 bringen, um den Flop zu sehen. Also Pot Odds 5,5 zu 1!
b) Die Kartenkonstellation sagt unbedingt Fold. Ich kann in einem falschen Film landen, wenn bspw. einer von beiden Gegner ein großes Paar ([Jx][Jx]+) hat und der andere [Ax][Kx] oder [Ax][Qx]. Dann stecke ich richtig in der Scheiße.

Nach Langem hin und her folde ich ungern. Der Flop kommt mit Jc9h4h und die Spieler gingen rasch all-in. Der Small Blind zeigte AhKh und der Cut Off [Qx][Qx]. Der Turn war die Qc un der River die 2h!
Ich war sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, denn nach dem Flop hätte ich vermutlich alle meine Chips investiert und schlussendlich verloren.

Mit meinem unter Average Stack konnte ich nur bis Level 13 (15.000/3.000, Ante 400) überleben. Als Short Stack (mit M =4) bekam ich [4x][4x] in früherer Position. Eine ganz schwere Situation, folden oder all-in raisen, das ist die Frage? Ich nahm die aggressive Spielweise und rannte  gegen Reinhard Dersch und sein Paar Asse.

Das war es …

Die alte Regel hat sich wieder bestätigt: Als short Stack ist es nur eine Frage der Zeit, wann du von einer besseren Hand überrollt wirst, oder von einer schlechteren Hand ausgesuckt wirst!

Euer Ivo,,The Chessmaster“

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