Der Ivo Donev Blog: Strategien gegen loose Gegner

Hallo alle miteinander,

es ist kein Geheimnis, dass ich und auch viele andere Spieler eine große Liebe zu Deep Stack Turnieren haben.

Irgendwann habe ich von meinem Pokerfreund Daniel Schweizer über die Deep Stack Pro Turniere in Nova Gorica erfahren. 50K Starting Stack, eine Stunde Levels und ein drei Tage NL Holdem Turnier für nur 550€ Buy-in, das ist wohl ein super Preis-Leistungsverhältnis! Manche Organisatoren können dabei nur neidisch durch die Röhre gucken…

Wenn man beispielsweise ein großes Turnier wie die EPT mit ähnlicher Struktur (wobei dort mit 30k gestartet wird) spielen will, muss man über 5000€ hinblättern!

Warum bin ich von solchen Deep Stack Strukturen begeistert? Weil meiner Meinung nach der Glücksfaktor bei solchen Turnieren extrem klein ist und erst gegen Ende des Turniers bei den letzten 2-3 Tischen offensichtlich steigt. Deshalb ich bin überzeugt, dass ein guter Spieler, der überwiegend solche Deep Stack Turniere spielt, im Schnitt mindestens 2-3 mal von 10 Turnieren im Geld landen kann und ab und zu sogar den Final Table erreichen wird! Natürlich muss auf lange Sicht gesehen ein guter Spieler bei solchen Turnieren ,,Money Winner“ sein!

Das Turnier Feld: Obwohl  dieses schöne Turnier im wunderbaren vier Sterne Hotel Perla in Nova Gorica – Slowenien stattgefunden hatte, war das Feld  überwiegend zu 90% von italienischen Spielern dominiert, meistens Freizeitspieler und ab und zu Profis. Es ist bekannt,  dass die Südländer nicht lange auf gute Karten warten können und sehr loose spielen. Meine persönliche Beobachtung ist, dass die meisten Südländer (Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland…) und Freizeitspieler (auch typisch für Turniere mit kleinem Buy-in) einfach zu viele Startblätter spielen und oft nach dem Flop und Turn zu weit gehen. Dazu bluffen sie viel zu viel.

Deshalb meine Strategie gegen solche Spieler:

a) Etwas tightere Startblätter wählen, um so zu sagen vom Start an einen Vorteil gegen loose gewählte Startblätter meiner Gegner zu haben.

b) Meine ganz großen Hände slow zu spielen, denn wenn ich checke, wetten die loosen Gegner meistens.

c) Meine guten Hände value wetten, weil die loosen Spieler oft bezahlen.

d) Ich selber weniger bluffen und semibluffen, weil die loosen Spieler oft callen.

e) Mehr Draw Hände besonders in früherer Turnierphase zu spielen, weil ich oft Multiplay Pott bekomme, und dazu gute implied odds! Besonders steigt der Wert des Suitet Connectors.

f) Mit zwei Worten das wichtigste: Einfach tight spielen und meine loosen Gegner auf falschem Fuß erwischen.

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3 Februar 2012 , Tag 1 mit 243 Startern.

Im Turniersaal ist die offizielle Sprache…italienisch! Ich mache einen Fall-Start und verliere 30% von meinem Stack mit [Kx][Kx] gegen [Ax][Qx]. Dann verliere ich noch einmal über 30% von meinem Stack mit [Ax][Kx] gegen [Ax][9x]. In beiden Fällen hatte ich sehr kräftig vor dem Flop geraist, aber meine Gegner hatten Glück am River. Plötzlich in Level 4 hatte ich weniger als 20.000 vor mir, was ein Drittel des Average entsprach!

Am Anfang des Turniers ist es also gar nicht gelaufen, und wenn das Turnier nicht extrem deep gewesen wäre, hätte ich sicher noch an Tag 1 nach Hause fahren müssen.

Trotz meines schlechten Laufs an Tag 1 hatte ich den Tag im Level 10 – Blinds 600/1200+100 –  mit nur 51 000 beendet.

An Tag 2 ist es dann wesentlich besser gelaufen. Mein Stack hatte sich wie ein rollender Schneeball ständig vergrößert!

Hier die Schlüssel Hand: Es lief Level 16. Die Blinds 2.500/5.000+500,  mein Stack um die 150.000.

Ein junger Italiener (Stack circa 55.000) raiste UTG auf 11.500, ein weiterer Italiener (circa 57.000) auch in späterer Position war sofort mit dem Angebot einverstanden. Alle anderen folden zu mir im Big Blind, wo ich JcTc fand. Wie oben erwähnt spielte ich in diesem Turnier bei jeder Gelegenheit suited connectors, jedoch mit einer Voraussetzung: Einen guten Preis vor dem Flop zu haben. Hier musste ich nur 6.500 nachzahlen um 35.000 zu gewinnen. Dazu kamen auch die implied odds, die ich mit den besten suited connectors JcTc hatte, also ein klarer Call.

Der Flop 3c4c5d. Jetzt aber wurde es interessant. Wie ich gesagt hatte, semibluff gegen zwei Gegner

 a) die vor dem Flop Stärke gezeigt hatten und

 b) dazu loose spielten

bringt keine positive Erwartung. Darum checkte ich logischerweise. Dann passierte folgendes: Der UTG Raiser schob sein Stack All-in, und der zweite Italiener sprang vom Stuhl und sprach etwas auf Italienisch. Nach kurzer Zeit schob auch er sein Stack in die Mitte. So jetzt war ich an der Reihe.

Was sollte ich tun? Ich begann meine Erwartungen auszurechnen, falls ich callen würden, auf Basis der Pot odds und den Range meiner Gegner. Die gute Nachricht war, falls ich dieses Risiko einging, verlöre ich eventuell nur etwa mehr als ein Drittel meines Stacks. Aber ehrlich gesagt  ich war sicher, dass ich jetzt gegen zwei All-in Spieler weit hinten lag und meine einzige Frage, die mich beschäftigte, war, ob nicht einer meiner Gegners auf Nuts Flush Draw war mit etwa AcKc oder AcQc. Das war mein Albtraum-Szenario, alles andere wäre nicht so schlimm, sogar wenn beide Spieler ein großes Paar hätten wie [Ax][Ax], [Kx][Kx] oder [Qx][Qx]. Gegen die großen Paare hätte ich immer noch circa 35% Chance, meinen Flush zu vervollständigen und die Pott odds waren ziemlich gut fast 3 zu 1! Genau in dieser Situation kamen mir …,,meine Ohren“ zu Hilfe. Die beiden All-in Italiener hatten eine heftige Diskussion über ihre und meine Hand begonnen, und trotz meines mangelhaften italienisch, war die Pokersprache nicht schwer zu verstehen. Ein Satz hat mir ganz gut gefallen, dass der UTG Raiser  etwas sagte wie: Er hat eine starke Hand und ,,no draw“, und fragte seinen Opponenten, ob er eine Draw Hand hätte. Der antwortete stolz, dass er ein großes Paar hätte. Wow! Diese ,,gratis“ Info hatte mich sehr gefreut. Jetzt war meine Entscheidung einfacher, weil ich nicht gegen Nuts flush draw spielte – darum Call! Beim Showdown lag ich wie vermutet hinten. Der UTG Spieler drehte ein Paar [7x][7x] um und der zweite Italiener drehte zwei rote Buben JhJd um. Am Turn aber tauchte wie gewünscht 6c auf, somit machte ich meinen Flush vollständig und gewann einen Monster Pot. Nach diesem Pot hatte ich einen kleinen Lauf bekommen und dazu noch einige Gegner auf dem falschen Fuß erwischt, schlussendlich hatte ich Tag 2 mit 1,8 Millionen als klarer Chipleader beendet:

 

An Tag 3 nach einer wilden Achterbahn hatte ich den Final Table als einer der Short Stacks erreicht. Bald aber konnte ich mich verdoppeln. Ich schob mit [Tx][Tx] im Small Blind All-in, und der Big Blind callte mit [Ax][7x]. Danach kam folgende Schlüsselhand. Ein Spieler raiste kräftig  in früherer Position und ich pushte mit AcKc All-in. Mein Gegner callte mit [Qx][Qx] und dieses Mal hatte ich den wichtigsten Coin Flip des Tages gewonnen.

Nachher war es nicht sehr schwer, mit meinem Stack es bis zum Heads Up zu schaffen.

Mein Gegner Alesandro Luciani – ein sehr talentierter junger Spieler – hatte im entscheidenden Moment die bessere Hand und so wurde ich Runner-up.  Hier das offizielle  End Ergebnis:

1. Luciani Alessandro 30.900€

 2. Donev Ivo 19.800€

 3. Conversi Claudio 13.100€

 4. Cannizzaro Andrea 8.800€

 5. Zanatta Diego 6.800€  u.s.w.

 

Wieder Rozvadov:

Am 10. Februar hatte ich mich entschieden, das Main Event der GCOP (2,5k Buy in) in Rozvadov zu spielen. Bis Level 4 war alles gut gelaufen, als folgende wichtige Hand kam. Rechts von mir war ein sehr aktiver bekannter Spieler – Edgar Stuchly (EPT Präsident) mit etwa 60.000. Die Blinds waren 100/200+25, Edgar war am Cutoff und raiste wie eine defekte Schallplatte zum dritten Mal in Folge auf 600. Ich (mit etwa 56.000) sah am Button [Ax][7x] und begrüßte meinen loosen Gegner mit 3 Bet 1700. Die Blinds foldeten vernünftig und alles lief nach meinem Plan – nur Edgar callte. Flop 3h7c3s, Edgar checkte ich Bet 1700, er zwei Bet 3800, ich 3 Bet 6900, er 4 Bet 14.000. Jetzt bremste ich mich etwas, überlegte kurz und callte. Turn 4c. Edgar checkte, was mir gefallen hatte. Nun dachte ich zu checken zur Pot Kontrolle und lasse für den River die wichtigste Entscheidung. Ich spielte zum ersten Mal mit Edgar am gleichen Tisch und ich konnte ihn sehr schwer einschätzen. Der River Ks, Edgar wettete 14.000. Hm, was nun? Meine ersten Gedanken waren, jetzt müsste ich wahrscheinlich callen, denn wenn er ein mittleres Paar hatte, hätte er vermutlich gecheckt. Oder hat ihm etwa der König geholfen, falls er KQ, KJ oder eventuell AK hatte, aber mit einer solchen Hand 4 Bet am Flop zu machen? Wenn ein Internet Kid solche Spielchen mit mir gemacht hätte, hätte ich eher gecallt, aber gegen Edgar? Mit solchen Gedanken vergingen einige Minuten, und bevor ich mich entschied call oder fold, war meine Zeit abgelaufen und mein Hand war tot. Edgar sammelte den großen Pot ein und zeigte mir stolz….[Ax][2x] offsuit! Wow, das hatte ich nicht erwartet. Leider muss ich zugeben, dass ich diese Hand nicht gut gespielt habe! Danach lief alles talwärts und schon bald war ich ausgeschieden (wieder gegen Edgar). Als kleine Nachspeise hatte ich das 100k garantiert mit 1000€ Buy in am 12.02 gespielt und als Chipleader die letzten zwei Tische erreicht. Leider waren die Blinds in dieser späten Turnierphase ziemlich hoch, und ich hatte so zu sagen 3 Coin Flips hintereinander verloren. Somit war ich nur in the Money als 14ter von etwa 120 Gegnern für 1600€ (Preis) gelandet.

Es kommen 2012 viele Deep Stack Turniere, zuerst CAPT im Bregenz, und ich bin sicher, dass bald wieder bessere Zeiten kommen!

 

Euer Ivo ,,The Chessmaster“

 

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