Wer die Bestie reizt – Das maximale Angeber-Editorial – Die 5000.-E Herausforderung

Hätte ich doch bloß mal meine Finger ruhig gehalten und meine Schnauze sowieso. Das letzte Editorial zu Ethik und Style der Online-Pros hat eine Menge virtuellen Wind entfacht. Dumm wie ich bin, habe ich mich dann noch in der Kommentarfunktion in so manche Diskussion reinziehen lassen, und jetzt wird das ganze irgendwie zu einer Frage der Ehre. Fast 150 Kolumnen durfte ich bisher für Hochgepokert.com schreiben. Böse, arrogant, selbstherrlich, schulmeisternd, witzig, wichtig und nachtragend zu sein. All das wurde mir bereits unterstellt und all das selbstverständlich zu recht. Plumpe Angeberei und kleingeistige Wichtigtuerei konnte man mir allerdings bisher nicht nachsagen. Habe ich von großen Partien aus alten Tagen erzählt, dann waren es immer die bösen Niederlagen, die ich genauer beleuchtet habe. Die einzig erwähnte Schlägerei war nach vier Sekunden vorbei – und ich am Boden. Und überhaupt gefalle ich mir in der Rolle des charmant Gescheiterten. Das ist mein Plätzchen. Da kenne ich mich aus und fühle mich auch durchaus wohl. Heute muss ich auf unbekanntes Terrain. Heute gibt es das maximale Angeber-Editorial. Einer der drei maltesischen Jungs aus der Crazy Sheep Wohngemeinschaft hat mit seinem Kommentar geschafft, was bisher noch keinem gelungen ist. Ich bin auf unrunde Art ein klein wenig aus der Fassung und leide unter einem mir völlig unbekannten Phänomen. Ich habe Selbstzweifel. Ein ekeliges Gefühl. – Ich will, dass das aufhört. Sofort! 

J. ist einer der drei Jungs aus der Rolf Wolkenstein Dokumentation: „Von Haien und Fischen“. Die maltesische Sequenz, die uns Einblicke in das Denken der Online-Pros brachte und die ich eben auf durchaus scharfe Art in meinem letzten Editorial kommentiert hatte. Wer austeilt, muss tatsächlich auch einstecken können. Vom bösen Kolumnisten mutiert man nicht gleich zum Mädchen, nur weil man von einem der Kritisierten einen durchaus scharfen und bösen Kommentar bekommt. J. hat meinen Respekt, weil er zurück beißt und weil er sich der Diskussion stellt. Trotzdem geben mir die beiden Passagen zu denken: „Du hast in deiner „Pokerkarriere“ scheinbar noch nie zu den Winnigplayern gehört, denn sonst wüsstest du……“ und dann noch der Ratschlag: „……bieten die marktführenden Onlineplattformen auch Playmoney-Tische an.“ – Gut gebrüllt Löwe. Wenn das alles nur böse formuliert wurde, um mich ein klein wenig ärgern, Operation gelungen und weiter geht es im munteren Kolumnistenleben. Aber ich fürchte J. glaubt das wirklich, was er da schreibt und deswegen werde ich drei Dinge tun. Ich werde ihn aufklären über meine „Pokerkarriere“ und warum die Anführungszeichen nach meinem bescheidenen Verständnis nicht wirklich angebracht sind. Dann werde ich ihn zu einem Old School Pokerduell herausfordern und am Ende mache ich ihm noch ein ehrenhaftes Angebot. – Doch eins nach dem anderen. 

Das mit der Pokerkarriere ist natürlich relativ zu betrachten. Überhaupt hat jeder seine individuellen Ziele und findet auch jeder hoffentlich das Glück nach seiner Facon. Für meinen Teil habe ich einfach genug ums große Geld gepokert. Sechs Jahre als Live Pro, alleine seriös errechnete 10 000 Stunden im Wiener Concord Card Casino gespielt. Meist 20/40 E Limit Holdem, manchmal auch 40/80 E Stud (nach heutiger Währung). Und natürlich habe ich in erster Linie aufgehört, weil die anderen immer besser wurden und ich selbst allerdings eher schwächer und unkonzentrierter. Trotzdem habe ich in der Zeit mein Leben mit allem Drum und Dran, schönes Haus, dickes Auto, Kinder Privatschule, damalige Frau daheim und so weiter, über viele Jahre damit finanziert. Dann später die Online-Zeit 10/20$ Limit auf Planet Poker, Viktor Chandler, Paradis Poker, 888, Pokerroom, Partypoker und Pokerstars von 2001 – 2005. 30  Tage im Monat, meist nur ein Tisch und das jeden Abend. Hat auch noch entspannt gereicht, um zu überleben. In dem Sinne, muss mir J. das erst nachmachen. Klarerweise habe ich Respekt vor jemandem, der dreißig Tische gleichzeitig spielen kann und dabei die komplizierteste Software verwendet und versteht auch noch. Nur habe ich schon einige Pokerspezialisten kennengelernt, die zweitweise große Profite gemacht haben. Heute treffe ich sie im Casino meist in der Nähe der Roulettetische auf der Suche einem heruntergefallen Jeton und wenn sie viel Glück haben, schnappen sie einen vergessenen Einsatz auf einfacher Chance (ich merke, ich werde schon wieder böse.)  – Aber ich bin immer noch da und ich spiele auch immer noch. Obwohl ich die Seite gewechselt habe in der Branche und mich nicht mehr als aktueller Pokerspieler sehe. Wohl auch weil meine Pokervarianten tendenziell ausgestorben sind. Und die, die heute noch hoch Limit spielen, sind wahrscheinlich doch besser als ich es jetzt bin. 

Der böswillige Leser wird meinen letzten Absatz jetzt mit einigem Recht für pure Angeberei halten und ich gebe zu, es könnte tatsächlich auch so wirken, als wollte ich mich ein wenig mit längst verwelkten Lorbeeren wichtigmachen  Ich habe aus meiner Sicht diesen Teil meiner Vita, den ich den vorigen fast 150 Kolumnen so konsequent verschwiegen habe, einfach anführen müssen, bevor ich J. das erwähnte Duell anbiete. Einfach aus Korrektheit, um nicht den blutigen Amateur vorzugeben, für den er mich ohnedies zu halten scheint. Jemand, der mir den Rat gibt, mich auf den „Playmoney-Seiten“ zu versuchen, hat einfach auf den richtigen Knopf gedrückt. Vielleicht war das ja auch der Plan. Crazy Sheep und seine Freunde sind doch durchaus schlaue Jungs und wenn das eine Falle war, dann bin ich prompt hinein getappt. Nicht zum ersten Mal in meinem Leben, nebenbei bemerkt. Egal, ich fordere J. zum Duell am echten Pokertisch. Buy-in 5000.-E. Als deutlich Älterer nehme ich mir heraus die Waffen zu bestimmen. Limit Seven Card Stud und Limit Holdem 10/20E. Aufstehen darf man nach mindestens sechs Spielstunden, oder wenn man all-in ist. Hit and Run ist nicht möglich und man muss auch sitzen bleiben, wenn die Auflage des  Gegners dünn ist.  – Soviel ich weiß, reist J. gerade durch Brasilien. Natürlich kenne ich seinen richtigen Namen, aber ich respektiere seine Anonymität. Vielleicht im April, wenn die WPT im Wiener Montesino gastiert wäre eine gute Zeit, aber ich bin zu jedem Termin bereit. – Klar wird das keine leichte Übung und ich rate auch meinen Freunden davon ab hohe Wetten auf mich abzuschließen. Aber es ist einfach eine Frage der Ehre und ich werde kämpfen wie ein Löwe und beißen wie eine böse Schlange.  – Zumindest wäre das mein Plan. 

Abgesehen davon halte ich J. für einen ganz passablen Schreiber. Viel zu schade, um zwei Meter tief hinten in den Kommentaren zu stehen. Im Gesamtpaket biete ich ihm auch noch meinen geheiligten Platz auf Hochgepokert.com an. Für ein Gasteditorial dürfte er seinen Standpunkt zu den von mir so böse gescholtenen Hilfsprogrammen erläutern. Ohne Zensur und ohne Vorgaben, einfach frei nach Schnauze in die Tastatur gehämmert. Selbstverständlich wären auch böse Witze jeglicher Art über mich und meine Old School-Generation erlaubt. Viele Daumen nach oben und jede Menge positiver Kommentare  wären J. gewiss. – In diesem Sinne, hoffe ich, er wird das Duell annehmen. Beweisen wird es wenig, aber Spaß machen wird es ganz sicher. Fairerweise muss ich noch erwähnen, dass ich erst letzten Samstag in einer lustigen Nacht mit der Club7-Partie um Paul Preis, Gregor Reichhardt, Niki Kovacs und Jens Knossalla genau das trainiert habe. Mixed Game Seven Card Stud und Holdem – beides in der Limit-Variante. Allerdings freundschaftliche 4/8E und Jens hat sich wacker geschlagen.  Alles über diese Nacht und mein weiteres Trainingsprogramm für die WPT Wien plus meinen gescheiterten Versuch Tassilo Wik die Hand zu geben, kommt in meiner nächsten Kolumne. Freitagnachmittag auf Hochgepokert.com und diesmal pünktlich. – Garantiert. 

Götz Schrage

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