Die schöne Tanja – Club7Poker Montesino VIP Lounge – Tassilo Wik und die Verweigerung

 

Vorab eine technische Durchsage. Aus wie ich hoffe nachvollziehbaren Gründen müssen Sie heute auf das gewohnt brillante Bild von meinem ebenso brillanten Konterfei verzichten. Dafür hat das aktuelle Aufmacherbild historische Bedeutung. Quasi mein persönlicher Gipfelsturm, oder zumindest ein Höhenlager auf dem Weg nach ganz oben. – Im April kommt die WPT ins Wiener Montesino und ich will dabei sein. Kein leichtes Vorhaben für jemand mit meiner Disposition. Vor den geschätzten Lesern von Hochgepokert.com habe ich ja keine Geheimnisse. Sie erfahren alles, ob Sie nun möchten  oder nicht. Mein Problem seit Jahrzehnten ist die Akrophobie  – die sogenannte Höhenangst. Alles über dem zweiten Stock war für mich jahrzehntelang praktisch unerreichbar. Jetzt ist das eigentliche Montesino in der fünften Ebene und deswegen befinde ich mich seit Dezember  in der Selbsttherapie. Um jede Stufe und um jeden Höhenmeter wird gekämpft. Erstes Etappenziel war letztes Wochenende die Club 7Poker-Lounge (4.Stock) anlässlich des Finales der Deutschen Bracelet-Meisterschaft. – Ich war tatsächlich dort oben. Einen befreundeten Sherpa hatte ich auch dabei und stolz war ich wie Reinhold Messner bei seinem ersten Zwölftausender. Mindestens!

Mein Freund Otto Göschl vom Montesino gab mir noch den brutalen Tipp, doch mit dem Lift zu fahren. Was natürlich gar nicht geht. „Bevor ich in einen Lift einsteige, lass ich mich eher am Horn von Afrika in einem Schlauchboot aussetzen. Gerne auch zusammen mit vier Tschetschenen auf Crystal Meth.“ hatte ich geantwortet. –  Es muss schon zu Fuß sein und langsam, so wie seinerzeit Goethe am Straßburger Münstern. Ein phobischer Bruder im Geiste nebenbei bemerkt. Wir erinnern uns dunkel aus dem Deutschunterricht  – Wobei ich hatte deutlich mehr Motive. Goethe wollte nur seine Angst besiegen. Ich hatte vor Jens Knossalla zu treffen, mit Michael Körner zu plaudern und Tassilo Wik endlich mal persönlich ins Antlitz zu sehen. Und vor allen Dingen wollte ich einem brandheißen Gerücht nachgehen. Man hatte mir erzählt, dass an der Bar der Club7Poker Montesino VIP Lounge eine gewisse Tanja arbeiten würde und ich hatte meinen gewöhnlich gut unterrichteten Informanten gefragt: „Meinst du die Tanja? Die hübscheste von allen hübschen serbischen Kellnerinnen, die Wien einfach zu schönsten Stadt der Welt machen?“ „Genau die Tanja hat er gesagt.“ Und so bin ich zum Friseur gegangen, habe den Bauch ein wenig eingezogen. Meinen besten aller schwarzen Rollkragenpullover aus dem Schrank geholt. Rolex, Goldkette (unter dem Rollkragenpullover, weil man weiß ja nie) und bin da in Todesverachtung raufgestapft mit Blutdruck im 200plus-Bereich und Flatterpuls. – Eigentlich wollte ich Tanja ja noch einen Strauß Blumen kaufen, aber dann dachte ich, wohlmöglich glaubt dann Tassilo, die Rosen seien für ihn und es wird noch peinlicher mit der Versöhnung, als es ohnedies zu befürchten war.

Ganz schlimm also. Ich geh da oben rein. Quasi in mein letztes Höhenlager und komme scheinbar zu spät. Nette junge deutsche Spieler mit Pokalen stehen in Reih und Glied. Überall Scheinwerfer und Stative. Fotografierende Kollegen mit deutlich teureren Kameras als meine, knipsen was das Zeug hält. Jens Knossalla winkt mir freundlich zu. An der Bar steht ein erschöpfter Michael Körner. „Jetzt bitte alle lächeln. Wir machen ein Bild für unseren Sponsor.“ Tassilo Wik dirigiert die Gruppe und die Gruppe folgt brav und lächelt was das Zeug hält. Pro Niki Kovacs sitzt am Rande auf einem kleinen weißen Sofa und versucht sich quer durch den Raum mit dem Club7Poker Obermarketingboss Paul Preis zu verständigen. Scheinbar geht es um die Party danach. „Und jetzt bedanken wir uns alle beim Herrn Doktor für seine großartige Unterstützung.“ Die Männer mit den verschieden großen Pokalen tun was Tassilo sagt. Einen Doktor könnte ich jetzt auch gut brauchen. Vielleicht die Höhenkrankheit oder so. Zuletzt war ich so hoch oben im vierten Stock da hat der Franz Beckenbauer noch beim HSV gespielt. Daran erinnere ich mich ganz fix. Jens Knossalla klopft mir zart auf die Schulter. Ich setze mich neben Kollegen Körner und mustere die VIP Lounge. Respekt! Tadelloses Design. Gutes Licht, ein edler Tisch, schicke Bar. Nur wo zur Hölle war Tanja? Wahrscheinlich dienstfrei an dem Tag. Sehr ärgerlich. 

Mehr als zehn Jahre ist das jetzt her. Ich war damals Manager im legendären Euro Card Casino. Im ersten Stock gab es ebenfalls einen High Limit Raum. Otto Göschl war mein Chef und Tanja die Kellnerin für die VIPs und Highroller. Fast jeden Tag gab es hohes Spiel. Jeff Lisandro, Bruno Stefanelli, Pepi Klinger, Christoph Haller, Markus Golser und viele andere der lokalen und internationalen Highroller. Geld lag am Tisch in Bündel, als würde es morgen abgeschafft und vor der Tür saß die tüchtigste Securtiy von Wien. Viele aus der jetzigen Montesino-Crew hatten dort seinerzeit gearbeitet, unter anderem auch Montesino Geschäftsführer Gerald Riener und viele andere mehr. Und ein klein wenig musste ich auch meine beiden andere Bosse von damals denken. An den leider viel zu früh verstorbenen Goran, dem ich meinen zweiten Roman widmen werde (wenn ich es endlich schaffe ihn fertig zu schreiben) und an Zoran, den wir hoffentlich bald wieder bei uns haben werden. – Gerade als ich so ganz versunken in Gedanken da saß und das freundliche Geplauder von Jens nur noch wie einen angenehmer Klangteppich aus der Ferne wahrnahm,  zog jemand einen Vorhang zurück  und machte  eine Glastür auf. Gleich neben der Bar gibt es eine Terrasse. Gut für die Highroller zum Entspannen, ganz furchtbar für mich. Ein Blick wie in den Grand Canyon aus meiner Sicht mit kleinen Spielzeugautos, die den Gasometer umkurven.

Die Jungs mit den Pokalen hatten sich zwanglos im Raum verteilt. Mich trieb es weg von der Bar und möglichst weit weg von der offenen Terrassentür. Gerade hatte ich angefangen zu vergessen wo ich war und dann diese erschreckende Aussicht. Der Pokertisch, an dem noch vor kurzem um die deutsche Bracelet-Meisterschaft gekämpft wurde, schien mir ausreichend stabil und gut gelegen. Noch kurz ein paar selbstberuhigende Worte zu meinem vegetativen Nervensystem und dann fertig für ein gemeinsames Foto mit Michael Körner. Vor dem geordneten Rückzug wollte ich mich noch bedanken. Schließlich weiß ich ja was sich gehört. Leicht muss es dem Tassilo Wik nicht gefallen sein, mich da zu dieser Veranstaltung zuzulassen und das wollte ich durchaus würdigen. Mit einen paar freundlichen Worte auf den Lippen und der ausgestreckten rechten Hand bin ich auf ihn zu. Damit hatte er glaube ich nicht gerechnet und tat das, was man reflexartig so tut, wenn man zu einen Handschlag eingeladen wird und beinahe wäre es auch zum Vollzug gekommen. So als hätte er mich im ersten Moment nicht erkannt, schien er plötzlich so richtig zu erschrecken, hielt sich mit seiner linken Hand seinen rechten Arm fest (sicher ist sicher) und sprang ungelogen mehr als einen Meter nach rückwärts. Was soll´s. Ich werde diese peinliche Situation überleben. Tassilo Wik hat mich gedemütigt und wird das auch überleben. Theoretisch hätte ich ihn zwar über das Geländer der Terrasse hinunter zu den Spielzeugautos werfen könne, aber da hätte er weitere zwei Wochen warten müssen, bis ich aus das nerventechnisch im Griff gehabt hätte. Das kann man wirklich nicht verlangen. Gut, dass ich nicht nachtragend bin. In 51 Jahren werde ich ihm nochmals meine Hand reichen. – Frühestens. 

PS: Wenn Sie in den nächsten Tagen einen großen breiten Mann mit einem Strauß Blumen treffen, der langsam die Stufen zum Montesino erklimmt, sprechen Sie ihn bitte bloß nicht an. Nicht füttern, keine guten Ratschläge und bloß nicht anrempeln. Vielen Dank. 

Götz Schrage

 

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