Der Ivo Donev Blog – Meine erste EPT im Jahr 2012


Hallo liebe Leser,

am 25. März kam ich in Campione an und spielte zum aufwärmen das Super Sattelite mit 530€ buy in (mit einer Rebuy-Möglichkeit). Leider war für mich die Struktur eine pure Enttäuschung: „Tombola“ mit 3.000 Starting Stack und extrem steiler Level Erhöhung, nur 30 min. Levels; das war wie ein gefundenes Fressen für manche chronische Gambler, die Poker lieben wie die Urmenschen – ,,all in“ oder fold. Es war kein Wunder, dass schon nach ein paar Levels der Average unter M10 lag, und somit der Glücksfaktor hochgetrieben wurde. Aber egal, ,,Ende gut alles gut“, ich hatte schlussendlich eines von den acht Tickets für das Main Event (5.300€) gewonnen.

Als Sattelite-Gewinner sollte ich an Tag 1A spielen, aber ich hatte sehr schlecht geschlafen und war unglaublich müde, darum konnte ich mich kurz vor Beginn von Tag 1A auf Tag 1B ummelden.

Am 27.03. saß ich um 14h an meinem Tisch mit vielen unbekannten südländischen Gesichtern. Ich hatte meinen Stack konstant nach oben entwickelt und mit 100.000 – das war fast doppelter Average Stack – Tag 1 beendet.

Tag Zwei verlief auch ok. Mein Stack rollte wie ein Schneeball nach oben, und ich schaffte es mit 317.000  den Tag zu beenden. Nur 99 Spieler waren noch übrig geblieben, und zum Geld war es nur noch ein Katzensprung (88 Plätze).

An  Tag 3 hatte ich kurz weiter Gas gegeben und die 500.000 Marke geknackt! So weit so gut, jetzt aber wurde es interessanter. Es lief Level 17 (2500/5000+500), und alle waren in the Money. Von einem anderen Tisch kam Walter B. zu uns, ein unberechenbarer Senior, ein Amateur, der aber schon lange auf der Poker Szene unterwegs ist. Ich saß auf Platz Fünf und er wurde mit seinem mageren Stack von rund 70.000 auf Platz Vier gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war ich am Tisch klarer Chipleader und Walter klarer Short Stack. Als Big Stack wurde mein Big Blind bis jetzt selten attackiert, außer jemand hatte wirklich gute Gründe zum Raisen. Bald schon war ich im Big Blind und Walter im Small Blind. Alle foldeten zu ihm, er begann zu grübeln, was er tun sollte. Ich schaute meine erste Karte an: Ac und sagte: „Walter, wenn du vor hast zu Gambeln, brauche ich nicht viel, um dich zu callen.“ Meine Aussagen hatten ihn offensichtlich überhaupt nicht beeindruckt, denn er raiste kräftig All in für etwa 70.000. Ich schaute schnell meine zweite Karte an, As, und callte natürlich sofort. Normalerweise ist in solchen Situationen, wenn ein Short Stack im Heads up gegen ein Big Stack spielen muss, der Short Stack im Nachteil.

a)    Der Short Stack sollte in dieser Situation mit ziemlich guten Händen spielen, denn wenn er verliert ist er vom Turnier raus. Und kaum jemand will nach drei Tagen Arbeit am Schluss mit einer Schrotthand gegen den Big Stack ausscheiden.

b)   Der Big Stack kann mit einer breiten Range callen, denn sogar wenn er verliert, kostet es ihm einen Bruchteil von seinem Stack. Also ist bei dem Big Stack ist in solchen Fällen die Fold Equity zu klein.

In diesem Fall sind die Shorties unter großem Druck und müssen die Situation zum pushen gut auswählen. Die Fold Equity war bei mir sehr klein, und Walter sollte in diesem Fall eine vernünftige Hand zeigen, denn dass er gecallt würde war sehr wahrscheinlich. Ich öffnete meine schwarzen Asse und er Td4d. Er sagte noch optimistisch: ,,Ich habe zwei live Karten“! Der Flop 8h7d3s, jetzt war mein Vorteil noch riesiger. Turn Ad, River 6d, autsch!

 

Man kann sagen, gar nicht so schlimm, Ivo hat weniger als 20% seines Stacks verloren und ist immer noch gut dabei! Natürlich, das stimmt, aber leider konnte ich diesen brutalen Bad Beat nicht so leicht verdauen. Wahrscheinlich ist es am besten, nach so einem Schlag das Casino für 5-10 min. zu verlassen, aber bei diesen gigantischen Blinds fand ich keine Kraft, so einen schlauen Zug zu machen. Innerlich kochte ich und begann leider etwas looser zu spielen, was logischerweise zu Fehlern  führte. In Folge verlor ich noch vier Pots hintereinander. Einer von diesen vier Pots war ziemlich groß, was mir noch mehr Salz in meine Wunden streute.

Auf Platz 1 spielte ein wilder ,,no name“-Italiener, der extrem loose spielte und frech seine seltsamen Bluffs zeigte. Im verhexten Level 17 raiste er aus mittlerer Position auf 12.000, ich fand in späterer Position TcTs. Gegen loose Spieler bevorzuge ich mit einem mittleren Paar nur zu callen. Der Flop brachte 9s9c5s, er machte die Conti Bet 18.000. Ich wusste nicht, ob er bluffte mit Ass und irgendwas oder wirklich ein großes Paar hatte. Einmal in Position kann man callen, dachte ich. Der Turn brachte eine 2. Der wilde ,,Nobody“ feuerte wieder kräftig 33.000. Jetzt war es Zeit, zu bremsen. Leider haben mich in diesem Moment zwei Faktoren zum Call gebracht:

A)  Der Italiener hatte ein looses Image, und es könnte somit gut sein, dass mei Paar TcTs vorne lag.

B)   Ich war zu heiß von dieser kurz zuvor erlebten Assen Niederlage und wollte schnell die verlorenen Chips nachholen. Gebe zu: klarer Fehler!

Der River brachte eine 5. Mein Gegner war nicht zu bremsen und schoss eine Kanonade von blauen 5.000er Chips, etwa 75.000. Wow, was nun? Hatte ich zu viel bezahlt mit meinem Over Paar, um jetzt zu folden? Ich fand keinen Grund aufzugeben und callte. Er zeigte mir dieses Mal keinen Bluff sondern [Qx][Qx]. Leider musste ich wiederholt zugeben, dass ich diese Hand schlecht gespielt hatte. Egal ob er eine gute Hand oder Luft hatte, am Turn wäre es die richtige Zeit aufzugeben!

Es lief die letzte Hand von Level 17 und ich war im Big Blind. Alle foldeten bis zum Button, ein anderer „no name“-Italiener, der gierig auf meine Blinds war, verlangte 16.000, um den Flop zu sehen. Dieses Mal foldete Walter im SB, und ich sah meine Karten, AsKs. Weil ich ,,out of Position“ war, wäre es  gut, wenn ich den Pot sofort gewinnen würde, darum hatte ich ihm ,,all you can eat“ angeboten, der Preis: 160.000 süsse Chips. Der kräftige Italiener war offensichtlich hungrig und dies nicht ohne Grund, da er in seinen Händen zwei Könige hielt. Am Flop war kein Ass und kein Pik zu sehen. Das war es, total auf die gleiche Weise war ich am Final Tisch – POKER EM 2011 in Baden bei Wien ausgeschieden – AKs gegen KK. In diesem Moment war ich wie unter Schock. Ich hatte drei Tage mein 1A Poker gespielt und lag lange Zeit ganz vorne in den Chipcounts. Und verlor jetzt in Level 17 in nur 30 Minuten sechs Pots hintereinander und somit auch meinen großen Stack, und die Finaltisch Träume wurden wie Staub zwischen meinen Gegnern verteilt. Ich kann nicht beschreiben, welche Gefühle in diesem Moment in mir waren! Trotzdem war dies meine siebter und nicht letzter EPT-Cash auf dem 56. Platz mit 9000€.

Aber eines ist sicher: Irgendwann wird es mit dem großen Erfolg klappen!

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                 Win2day Online Hand des Tages – Wolf-Falle

Es ist Sonntag am Abend und ich spielte wie immer auf meiner Stamm-online Seite win2day das bekannte Big Sunday Turnier. Warum zieht mich dieses Turnier so oft an? Es sind zwei Faktoren:

a) die Struktur ist sehr gut: 5000 Starting Chips bei 1 Level10/20, was etwa 170 Starting M bedeutet

b) das Turnier Feld ist nicht so stark, es gibt viele ,,just for fun “Spieler und sehr viele Fische, die nur mit Bauchgefühl spielen.

Oft lande ich im Preisgeld, aber manchmal wurde ich gnadenlos rasiert wie folgendes Beispiel zeigt.

Nach kurzer Zeit hatte ich in Level 1 mein Stack auf 7.200 entwickelt. Der einzige Spieler, der mich zu diesem Zeitpunkt am Tisch gecovert hatte, raiste UTG auf 60 und drei andere Mitspieler wollten seine Hand kontrollieren. Jetzt war ich am Button mit [Ax][Qx]. Was nun? Klar, ich wollte mit einem kräftigen Raise das Feld ausdünnen und nicht [Ax][Qx] gegen sechs Leute spielen. In solchen Fällen raise ich circa Potgröße, also 390. Mein hohes Raise hatte drei Spieler sofort in die Flucht getrieben, und ich hatte somit teilweise mein Ziel erreicht.

Der Flop war wie ein Märchen, Top 2 Pair und zwei Gegner mit viel Chips. Der SB checkte, aber Praschk bot 1.065, und Steven1980 versuchte mein Leben schwer zu machen, also verlangte er 2130.

Kurz nachgedacht, was diese zwei Spieler haben könnten:

a) 2 Paare

b) Big Draw wie Kombi Flush, Straßen Draw, KsJs oder JsTs

c) [Ax][Kx], eventuell [Ax][Jx]

 d) Set, eventuell [5x][5x][5x], weil, wenn jemand von den beiden AA oder QQ hatte, hätte ich vor dem Flop ein Reraise gehört.

Es war offensichtlich, dass ich nur im Fall d) hinten liegen würde. Außerdem hatte ich bei einem Online Turnier gegen unbekannte Spieler solche Aktionen oft erlebt, wo Spieler mit viel schwächeren Händen solche Aktionen gemacht hatten.

Ob ich calle oder all in gehe macht einen kleinen Unterschied. Es ist klar, dass Steven 1980 schon Pot-comitted ist, aber wenn ich jetzt all in ginge, kann es sein, dass der Praschk von dem kräftigen Raise und Reraise erschrocken wurde und foldete. Darum callte ich und war sicher, dass Praschk Minimum callen wird.

Zu meiner Überraschung schob Praschk sofort all in und Steven wollte an diesem riesen Kuchen auch naschen. Wow, was nun? Plötzlich begann meine Hand wacklig zu werden. Trotzdem fand ich keinen Grund Top 2 Paare bei einem 100 buy in online Turnier nach dem Flop zu folden.

Nach dem Showdown war ich leider wie gegossen, ich lag weit hinten gegen ein Set Fünfer um ein riesen Pot über 20.000 bei Blinds 10/20, das entsprach einem M von circa 670! Was für einen gigantischen Vorteil hatte ein Spieler, der mit 4-fachen Average ein Turnier startet!!

Trotz diesem schnellen schmerzlosen Ausscheiden werde ich weiter viele Big Sunday win2day Turniere spielen und auf besseren Wind hoffen!

Euer: Ivo ,,The Chessmaster

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