15. April – vor genau einem Jahr wurde es an einem Freitag schwarz

Auf den Tag vor einem Jahr gingen in Amerika auf den drei größten Online Poker-Seiten die Lichter aus. Als Black Friday ist dieser Tag in die jüngere Pokergeschichte eingegangen. Was genau passierte und welche Auswirkungen es hatte, fasst eine Chronik zusammen.

Es war eine Erschütterung, deren Folgen am Anfang gar nicht wirklich abzusehen waren. Zwar waren am 15. April 2011 gleichzeitig die Domains der drei größten Pokerseiten der Vereinigten Staaten vom Department of Justice gesperrt worden, aber keiner ahnte damals wirklich, was zum Beispiel mit einem Giganten, wie Full Tilt passieren könnte. Oder dass bis zum heutigen Tag Spieler auf der ganzen Welt immer noch auf die Auszahlung von über 350 Millionen Dollar warten.

Relativ unbeschadet hat vor allem PokerStars die Katastrophe überstanden. Obwohl auch gegen die führenden Manager und die Eigentümer des Marktführers am 15. April Haftbefehle erlassen und schwere Vorwürfe, wie Geldwäsche und Bankbetrug erhoben worden waren. Doch PokerStars bemühte sich von Anfang um eine Kooperation mit dem DOJ, auch um außerhalb der USA weiteragieren und vor allem um ihre Spieler auszahlen zu können. Natürlich auch, weil sie es konnten. Im Gegensatz zu Konkurrent Full Tilt waren die Spielerkonten von den Geschäftskonten bei PS getrennt und somit auch nicht Bestandteil anderer Geschäftsaktivitäten. Seine globale Marktführerschaft – übernommen 2006 nach dem Rückzug von PartyPoker aus dem amerikanischen Markt – konnte PokerStars seit dem Black Friday noch ausbauen.

Fast vernichtet haben die Folgen Konkurrent FullTilt. Der Anbieter verschwand nicht nur komplett aus den USA, sondern wenig später komplett aus dem Netz. Die Eigentümer und Hauptanteilseigner, wie Ray Bitar, Chris Ferguson und Howard Lederer tauchten komplett unter und überließen die Dinge ihrem Lauf. Weil immer klarer wurde, dass es bei Full Tilt zu einer massiven Veruntreuung von Spielergeldern gekommen war, wurde dem Anbieter wenig später auch die Lizenz in Alderney entzogen, was die FullTilt-Seite komplett aus dem Netz verschwinden ließ. Seitdem kämpfen Ex-Pro`s gegen ihre Ex-Chefs, werden Klagen angestrengt und Threads mit wüsten Beleidigungen voll geschrieben. Insgesamt warten bis heute in den USA und Europa  Spieler auf über 300 Millionen Dollar. Zwar steht eine Lösung in der Sache Full Tilt durch den Kauf durch die Group Bernard Tapie wohl unmittelbar bevor, aber ob der Raum es je wieder schaffen wird, z.B. zur Heimat der Online-High Stakes zu werden, steht in den Sternen. 

Gar nichts mehr in den Sternen steht wohl für Absolute Poker und Ultimate Bet. Nach dem gewaltigen Superuser-Skandal war es ein Wunder, dass sich das Netzwerk der beiden Seiten, CEREUS noch bis zum Black Friday schleppen konnte. Bereits  2001 war Ultimate Bet an den Start gegangen, 2003 Absolute Poker. Beide waren lizenziert im Indianer-Gebiet Kahnawake Mohawk Territory. Das CEREUS-Netzwerk wurde schließlich im Jahr 2008 gegründet. Absolute Poker und Ultimate Bet wurden ein Jahr später zusammengelegt und von da an UB.com genannt. Die Seite akzeptierte ebenso, wie PokerStars und FullTilt auch nach dem UIGEA US-Spieler und nutzte dafür illegal operierende Zahlungsdienstleister. Da UB.com nahezu ausschließlich auf dem US-Markt aktiv war, brachen die Umsatzzahlen nach dem Black Friday so stark ein, dass davon ausgegangen werden kann, dass diese Seite wohl nie wieder zurückkehren wird. UB.com schuldet seinen Spielern noch 60 Millionen Dollar, die wohl zum größten Teil nie wieder ausgezahlt werden.

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