Der Tag an dem das Licht ausging – US-Spieler erinnern sich an den Black Friday

Für viele US-Spieler bedeutete der Black Friday einen tiefen Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Nun genau ein Jahr später erinnern sich einige Online-Highroller an den dunkelsten Tag ihrer Karriere.

Um die Bedeutung des Black Friday für die weltweite Online-Pokerszene wirklich einschätzen zu können, muss man sich vor allem die Zahlen der Industrie in den USA ansehen.

Durch Full Tilt, PokerStars und UB.com wurden 70 Prozent des US-Online-Poker-Marktes repräsentiert. 55.000 Echtgeld-Spieler waren dort zu jeder Stunde online. Am 15. April 2011 ging für sie alle von einer auf die andere Stunde das Licht aus.

Genau ein Jahr später haben sich nun einige bekannte US-Online High Roller zu Wort gemeldet und vom schwärzesten Tag ihrer Karriere berichtet.

Steve „gboro780“ Gross (Foto)beispielsweise.  Fast sechs Millionen hat der einstige Profi von Doyles Room in seiner Online-Karriere gewonnen und war vom Cardplayer-Magazin 2008 bis 2010 unter die Top 3 der stärksten Online-Spieler des Jahres gewählt worden. Bis vor dem Black Friday spielte Gross nach eigener Aussage an sechs Tagen in der Woche jeweils über zehn Stunden. Dann war von einem Tag auf den anderen Schluss. In einem Interview hat er nun zugegeben, dass ihn der Black Friday aus einer Sackgasse befreit hat. „Am Anfang dachte ich noch es wäre nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder seinen normalen Gang gehen würde. Doch dann gingen die Wochen ins Land und ich habe Stück für Stück gemerkt, wie ausgebrannt ich eigentlich war.“ Glücklicherweise hat Gross schon vor dem Black Friday große Summen außerhalb der Online-Welt investiert und kann sich nun im Gegensatz zu vielen Kollegen, die immer noch auf ihre Auszahlung warten einen relaxten Lifestyle gönnen.

In Las Vegas hat er sich nun auf die Live-Action konzentriert. „Ein paar Mal im Jahr fliege ich nach Kanada, um zum Beispiel die WCOOP zu spielen. Ansonsten bin ich hier ein zufriedener Gelegenheitsspieler geworden.

Das vielleicht krasseste Schicksal erlitt Blair „blur5f6“ Hinkle.  Der Bracelet-Gewinner entschied nur wenige Wochen vor dem Black Friday ein Online-Turnier für sich und gewann 1.162.949 Dollar. Unglücklicherweise auf Full Tilt, die danach alle Auszahlungswünsche ignorierten. Hinkle hatte sich schon nach einem Haus in seinem Heimatstaat Missouri umgesehen. Danach geriet er nach eigener Aussage in einen unheilvollen Strudel aus immer wieder genährten Hoffnungen und folgenden Enttäuschungen. „Ich war Millionär und gleichzeitig ein armer Mann. Das war die wohl brutalste Erfahrung meines Lebens.“

Shannon „BLUFFforRENT“ Shorr berichtet von einer wahren Odyssey nach dem Black Friday. „Ich war auf das Pokereinkommen irgendwie angewiesen und wollte aber auf gar keinen Fall meine Heimat Alabama verlassen. Also war ich auf einen Wechsel zum Live-Poker angewiesen. Eine finanzielle Sackgasse, wie sich schon wenig später herausstellte.“ Shorr hat mittlerweile wieder einen normalen Job angenommen. Und sieht mittlerweile auch die positiven Seiten seiner unfreiwilligen Änderung. „Ich achte wieder verstärkt auf meine Gesundheit und arbeite an meiner Persönlichkeit. Das wäre vor den Online-Tischen nie möglich gewesen.“

Jason „jdpc27“ Wheeler hingegen hat es geschafft sich langsam aus der Misere herauszugrinden. Mit fast zwei Millionen Dollar an Online-Gewinnen stand er vor dem Black Friday an der Spitze der Nahrungskette. Dann verlor er fast eine halbe Million Dollar. Wheeler zog nach Kanada und baute sich mühsam wieder eine Bankroll auf. „Ich musste lange Zeit viele Anteile verkaufen, um überhaupt wieder halbwegs auf meinen Limits spielen zu können. Das hat wehgetan.“ Doch Wheeler hat sich durchgebissen und ist im vergangenen Jahr zum Cardplay-Spieler des Jahres gewählt worden. 

Sich von seiner Pokerkarriere verabschiedet, hat sich allerdings offenbar Jason „JP OSU“ Potter. Nach ein paar Wochen nutzlosen Wartens hat er sich letztlich entschieden ins wahre Erwerbsleben zurückzukehren. „Ich hatte wirklich Angst einen ganz normalen seven to five-Job annehmen zu müssen. Dann hab ich mich entschieden meine noch verbliebenen $20.000 zu nehmen, um drei Semester Jura an der Oklahoma State University zu studieren. Das monatelange Theater um Full Tilt hat mich wirklich fast den Verstand gekostet. Ich will da einfach nichts mehr davon hören und hab das Geld innerlich abgeschrieben.“

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