Pokerstars und Full Tilt Poker – Was geschieht in Zukunft?

Es war wohl die News des Tages gestern, eher die News der Woche oder sogar in den vergangenen Monaten. PokerStars kauft Full Tilt, das war zumindest das sagenhafte Gerücht, dass keiner so richtig glauben wollte. Doch so langsam scheint alles Hand und Fuß zu haben. 

Daniel Cates twitterte gestern, dass er einige „vielversprechende Neuigkeiten“ zwecks Full Tilt Poker habe. Das es sich darum handeln soll, dass PokerStars, der größte Onlinepoker Anbieter der Welt, den ehemals stärksten Konkurrenten aufkauft, dass hatte selbst Cates nicht gewusst. Im Interview mit Quadjacks erzählte Cates, dass er dies nicht gewusst habe und etwas anderes meinte. Um was es sich dabei handelte wurde nicht geklärt. Allerdings ist er traurig über die Informationspolitik von PokerStars und das sie bisher noch kein vernünftiges Statement gebracht haben. 

Egal ob Gerücht oder nicht, Fakt ist jedoch, dass die Groupe Bernard Tapie keinen Deal mit dem DoJ und Full Tilt Poker bekommen hat und die sieben Monate andauernden Verhandlungen gescheitert sind. Sowohl die GBT als auch das DoJ bestätigten dies. Letztendlich lag es wohl daran, dass die GBT nicht die nötigen Mittel zur Verfügung hatte, um die strikten Richtlinien des DoJ zu befolgen. Denn diese schreiben unter anderem vor, dass die Spieler innerhalb von 90 Tagen ausbezahlt werden sollten. Da die GBT auch Angst hatte, dass der meiste Traffic von FTP in den Staaten liegt, zeigt, dass das Interesse der GBT nicht ganz so groß war, wie bisher von den Medien beschrieben. 

Hier die inoffizielle Übersetzung von PokerStrategy.com der GBT : 

Die Groupe Bernard Tapie bedauert bekannt zu geben, dass nach sieben Monaten intensiver Arbeit unsere Bemühungen, eine finale Zustimmung des US-Department of Justice im Hinblick auf die Übereinkunft zu erhalten, die den Kauf der Vermögenswerte von Fill Tilt Poker regeln sollte, erfolglos beendet wurden.

Letztendlich ist der Deal aufgrund von zwei wesentlichen Problemen nicht zustande gekommen.

Die Parteien konnten sich nicht auf einen Plan einigen, der die Rückerstattung der Spielergelder von Nicht-US-Spielern geregelt hätte.

Die GBT hatte einen Plan vorgeschlagen, der die sofortige Instandsetzung aller Spielerkonten von Nicht-US-Spielern zur Folge gehabt hätte, mit dem Recht diese Gelder im Laufe der Zeit auszuzahlen, basierend auf der Höhe des jeweiligen Spielerkontos und dem Ausmaß der Spielaktivität des jeweiligen Spielers auf der wiedereröffneten Seite. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wäre es allen Spielern gestattet gewesen, sämtliche Gelder des Spielerkontos auszuzahlen, unabhängig davon, ob sie auf der wiedereröffneten Seite gespielt hätten. Darüber hinaus wären die Spielergelder von 94.9% aller Nicht-US-Spieler bereits am ersten Tag erstattet worden. Das US-Department of Justice bestand jedoch letzten Endes im Falle von allen Spielern auf eine komplette Rückerstattung mit dem Recht sämtliche Gelder innerhalb von 90 Tagen auszuzahlen – eine überraschende Forderung, die in der letzten Minute gemacht wurde, nachdem die GBT monatelang in gutem Glauben verhandelt hatte.

Rechtliche Komplikationen, die den Deal umgeben – insbesondere Fragen nach der Legalität der Beschlagnahme unter Nicht-US-Gesetzen – konnten ebenfalls nicht geklärt werden.

Alle wesentlichen Vermögenswerte der FTP-Unternehmen befinden sich außerhalb der Vereinigten Staaten. Ein Nicht-US-Gericht könnte die angestrebte Beschlagnahme als „betrügerische Transaktion“ beurteilen und als nichtig erklären oder den Käufer der Vermögenswerte als verantwortlich für alle Verbindlichkeiten des Gläubigers ansehen.

In Anbetracht des Kaufpreises von $80 Millionen und der beträchtlichen Menge an Kapital, die nötig wäre, um FTP wieder auf den Markt zu bringen, stellten sich diese Probleme letzten Endes als zu erheblich dar, um sie zu überwinden.

Die GBT ist sich der Hoffnungen, die sie geweckt hat, sehr bewusst – ob nun bei den Angestellten FTPs im Hinblick auf die Erhaltung ihrer Arbeitsstelle, bei den Spielern FTPs im Hinblick auf eine Rückerstattung ihrer Gelder oder bei der gesamten Pokercommunity im Hinblick auf eine Wiederkehr des weltweit besten Anbieters, was für die nötige zusätzliche Konkurrenz in einem Markt sorgen würde, der aktuell von einem einzigen Anbieter dominiert wird.

Die GBT kann das Ende dieser Hoffnungen nicht akzeptieren.

Aus diesem Grund werden wir uns auf unseren eigenen Aktionsplan konzentrieren, es sei denn, in den nächsten Tagen kommt eine konkrete und rechtlich unbedenkliche Lösung zustande, die die Mitarbeiter absichern würde und eine Rückzahlung der Gelder der FTP-Spieler zur Folge hätte.

Den aktuellen Presseberichten können wir entnehmen, dass das US-Department of Justice eventuell eine Übereinkunft mit PokerStars getroffen hat, auf Basis derer PokerStars die Vermögenswerte von FTP erwerben wird. Falls diese Meldungen korrekt sind, können wir nur vermuten, dass PokerStars sich entschieden hat, die rechtlichen und finanziellen Risiken zu akzeptieren, um seinen eigenen Rechtsstreit mit dem DOJ beizulegen. Falls ein Kauf FTPs durch PokerStars bedeutet, dass alle FTP-Spieler umgehend ihre Gelder wiedererhalten, freuen wir uns natürlich für die betroffenen Spieler, da die endgültige und komplette Rückerstattung der Spielergelder für uns stets oberste Priorität hatte.

Wir bedauern lediglich, dass ein solcher Deal eine weitere Verschmelzung eines Pokermarktes signalisieren würde, der aktuell bereits von einem einzigen Anbieter dominiert wird – ein Resultat, das unter Umständen kartellrechtliche Bedenken auslösen könnte und auf lange Sicht wahrscheinlich nicht zum Vorteil der Spieler und der gesamten Online-Pokerindustrie wäre.“

Kurze Zeit später eröffnete Shaun Deeb einen weiteren Threat im 2+2-Forum. Dort sagte er zuversichtlich: 

„Wie auch immer, mir wurde gesagt, der Deal ist fix! Folgende Punkte wurden dabei berücksichtigt:

Spielergelder werden innerhalb von 90 Tagen zurückgezahlt
FTP wird im US-Markt zur Verfügung stehen und 
Isai Scheinberg wird sich aus dem Unternehmen zurückziehen“.

Damit wurde ein weiteres Detail von Shaun Deeb offengelegt. Ob es stimmt, ist natürlich fraglich. Jedoch würde vieles einen Sinn ergeben. Der Gründer von PokerStars, Isai Scheinberg soll abtreten. Dies ist keine so abwegige Theorie, denn auch bei PartyPoker zog sich der Hauptanteilseigener von PartyGaming, Anurag Dikshit, nach einem Deal mit dem DoJ 2008 zurück.

Ebenfalls könnten sich nun die angeklagten PokerStars-Manager wie Isai Scheinberg im Zuge eines Deals auskaufen. Dikshit zahlte damals eine Summe von $300 Millionen und musste nicht ins Gefängnis. Des Weiteren ist es für PokerStars sicher wichtig, sich gut auf dem amerikanischen Markt zu positionieren, sollte Onlinepoker in naher Zukunft geregelt werden. Da man sich durch den Aufkauf von Full Tilt Poker nicht gerade unbeliebt beim DoJ machen wird, sollte man in Zukunft auch harmonieren. Rein geschäftlich gesehen macht der Aufkauf nicht all zu viel Sinn. Natürlich hätte man vorerst einen noch größeren Spielerpool als bisher und man könnte die Vormachtstellung ausbauen, jedoch sind die politischen Gedanken hier sicherlich größer. Auch Isai Scheinberg würde sich wohl darüber freuen, nicht mehr auf der FBI-Wanted Liste zu stehen und zusätzlich alle Anklagen gegen ihn fallen gelassen werden. 

Bisher fehlt allerdings ein ausführlich Statement von PokerStars. Solange es dies auch nicht gibt, sind alle Äußerungen noch reine Vermutungen. Gestern gab es immerhin ein kleines Statement von Eric Hollreiser, Leiter des Corporate Communications PokerStars:

„Wir hatten viele Anfragen und in den Foren gibt es bereits viele Spekulationen. Deshalb geh ich jetzt ein wenig auf das PokerStars Gerücht ein. Wie Sie wissen, ist PokerStars in Vergleichsverhandlungen mit dem US Department of Justice. Da dies alles vertraulich abläuft, können wir natürlich noch nichts kommentieren. Sobald wir Informationen öffentlich machen können, werden wir es tun.“

Immerhin wurde noch nichts geleugnet oder abgestritten, was vermuten lässt, dass es zumindest noch Gespräche mit dem Department of Justice gibt. Hoffen wir auf ein positives Ende, denn mehr ist momentan nicht möglich. Allerdings war die Hoffnung seit langem nicht mehr so groß und viele sind sich bereits jetzt sicher, dass man nun wieder eine realistische Chance hat, sein Geld wieder zu erlangen. 

pics: poker.org

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