Schleswig-Holstein – Die Kollegen geben eine Wahlempfehlung – Meine dunklen Gedanken dazu

Schwierig, schwierig. Selten hatte ich schon vor der ersten Zeile so einen Bammel.  Die Hochgepokert.com Redaktion  argumentiert gekonnt und deklariert sich. Als Redaktionsältester gebe ich meinen Kollegen in einigen Punkten recht. Für eine direkte Wahlempfehlung zur CDU und FDP in Schleswig-Holstein reicht es allerdings nicht. Zugegeben, es würde mich in dieser speziellen Frage und in dieser speziellen Situation durchaus freuen, sollten die Kräfte, die sich für eine aktive Liberalisierung der Gesetzeslage in Sachen Poker einsetzen, entsprechenden Rückenwind bekommen. Diese „Kräfte“ sind aber nun Mal in der CDU und FDP-Schleswig-Holstein auszumachen. Genau das ist mein Problem. 

Natürlich ist es schlau und wichtig, wählen zu gehen. Für welche Partei man sich entscheidet und wie man zu der Entscheidung kommt, sei selbstverständlich jedem für sich selbst überlassen. Hoffentlich sind es andere grundsätzliche Fragen, die einmal die grobe Präferenz vorgeben. Es gibt auf der Welt – und mittlerweile auch in Deutschland – wirklich größere Probleme, und man sollte sich genau überlegen, wem man sein Vertrauen schenkt. Die Regulierung und Legalisierung des Online-Marktes ist zwar aus unserer Sicht ein großer Schritt in die richtige Richtung, allerdings im großen Ganzen der aktuell zu lösenden Aufgaben, eine wirkliche Marginalie. – Obwohl für den klassischen Wahlverweigerer, dem der Weg zur Urne sonst zu steil und kompliziert erscheint, der bei schönem Wetter nicht wählen geht, weil man da auch im Garten chillen kann und der bei schlechtem Wetter nicht wählen geht, weil Regen und Wind eben unchillig sind, für den wäre eine Wahl wie diese mal ein Einstieg. Quasi über Klientelpolitik der FDP ein prinzipielles Interesse für die Politik an sich zu finden. 

 Mein Herz schlägt ja deutlich links, aber ich bin mir bewusst, dass „meine Leute“ von zwei Themenbereichen so gar keine Ahnung haben. Glücksspiel und Prostitution gehören traditionell zu den großen weiße Flecken auf der linken Karte des Verständnisses. In Rumänien lachen die Menschenhändler noch heute über den seinerzeitigen rotgrünen Gesetzespfusch. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht und wenn man alles falsch macht, dann geht auch alles schief und damit sind wir schon bei der traurigen Realität. Angeblich ist das Klima in Schleswig-Holstein schon heute deutlich entspannter, als etwa bei den selbstgerechten Saubermännern in Bayern. Verlassen würde ich mich aber nicht darauf. Kleine Pokerrunden sind immer noch in Gefahr von Sondereinsatzkommandos gestürmt zu werden. Da werden dann wieder absurd geringe Beträge wie „€428.-“ sicher gestellt, Personalien aufgenommen, Karten und Chips beschlagnahmt. Um mich nicht falsch zu verstehen, die Exekutive tut das, was sie tun muss. Im Gegensatz dazu – um noch einmal auf das Problem mit der Prostitution zurück zu kommen – fällt es den Beamten da sicher schwer, tatenlos zu zusehen. Aber gegen die beiden halslosen, fetten Gestalten, die sich in billigen Trainingsanzügen vor oder gar in Wohnungen herumdrücken, deren Adressen über Inserate wie: „18jährige Rumänien – naturgeil, Ohne-Service möglich.“, verbreitet werden, fehlt einfach die gesetzliche Handhabe. „Ich Tourist. Ich interessieren Kultura“ reicht, auch wenn es etwa in Brunsbüttel gar nicht so viel an „Kultura“ gibt, ohne da jemand nahe treten zu wollen. 

Doch zurück zum Thema und damit zur Wahl in Schleswig-Holstein. Ein weiterer Versuch einer unschlüssigen und zugegeben nur ansatzweise verständlichen Wahlempfehlung. Die Piraten werden Pokerdeutschland sicher nicht weiterhelfen. Lustig, dass sie da waren. Man hat sie gesehen und fertig, ähnlichem einem Luftballonfalter in einer RTL Talentshow. Lustig war es und ein zweites Mal wird es dann langweilig. Christopher Lauer war als Jamie Gold der Politik in quasi jeder möglichen Talk-Show. Marina Weisband ist bereits wieder weg und der sonst so solide wirkende Martin Delius musste den Rückzug antreten, nach seinem dämlichen NSDAP-Vergleich. Da würde ich mir also nichts bis wenig erwarten. In Sachen Poker liegt unsere Hoffnung also definitiv auf Wolfgang Kubicki (FDP) und Hans-Jörn Arp (CDU), soweit schließe ich mich der Meinung meiner geschätzten Kollegen vollinhaltlich an. Allerdings schreibt die Redaktion dann weiter: „Der Aufruf an alle Pokerspieler in Schleswig-Holstein – egal welches politischen Coleurs – muss also lauten: „Geht raus wählen! Es geht auch um die Zukunft von Poker in Deutschland. Positionier dich!“. Das geht mir persönlich allerdings dann doch zu weit. Für mich wähle ich da die vorsichtige Formulierung, sollten bei dieser einen speziellen Wahl aus pokerspielenden Nichtwählern einmalig FDP/CDU-Wähler werden, würde ich mich vielleicht ein klein wenig freuen. – Fix ist, die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland produziert Unfreiheit und führt direkt in die Illegalität. Jemand, der dagegen antritt ist nun mal, zumindest temporär, unser Verbündeter. – Willkommen in der Realpolitik. 

Götz Schrage

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