Tracking-Sites sind was für Tunten – Die missglückte Analogie – Das Ding in der Hose

Ich muss ja nicht immer alles verstehen. Manchmal reicht auch ein Bauchgefühl, ergänzt durch ein wenig Hausverstand und man weiß, auf welcher Seite man zu stehen hat. Mir sind diese ewigen Diskussionen um Tracking-Sites rätselhaft. Sonst ist man ja auch nicht heikel bei den AGBs. Jedem Anbieter solcher Betrugssoftware sollte man eine Etage voller Anwälte auf den Hals hetzten und jeden User, der sich dann wissentlich illegale Vorteile schafft, gnadenlos sperren und die Guthaben einfrieren. Brachiale Lösungen machen selten Sinn, aber wenn die Termiten durchs Dachfenster krabbeln, wird es mit gut zureden alleine nicht getan sein. Da muss der Kammerjäger her, sonst stürzt am Ende noch das ganze Haus ein.  – Pokerstars.com scheint sich zumindest mal auf die starken Beine zu stellen und wie man sieht, mit Erfolg. Mein junger Kollege Gökhan Diler hat darüber berichtet. In der Kommentarfunktion wird heiß diskutiert und so fühle auch ich mich berufen, meine verschrobenen Gedanken in schräge Sätze zu schrauben. 

 Eines vorweg, sich über seine Gegner zu informieren, Stärken und besonders Schwächen zu analysieren und daraus seine Vorteile zu ziehen, ist Teil der Herausforderung und absolut sportlich und ehrenhaft. Gehöre da nicht zu hoffnungslosen Romantikern, die pokern für so eine kultische Handlung des reinen Herzens halten. Es gibt nur eng gesteckte Grenzen. Wenn mir ein Freund etwas über den verrückten Perser zu meiner Rechten erzählen möchte, nur zu. Ich werde zuhören. Wenn mein Nachbar zusätzliche Defizite beim Karten anschauen hat und sie dabei so ungeschickt hält, dass ich sie quasi sehen muss, werde ich ihn selbstverständlich darauf hinweisen. Wenn es sein muss, starre ich auch so lange gegen die Casinodecke, bis die ungeschickte Musterung der Starthand beendet ist. Und ich glaube jeder ehrenhafte Hochgepokert.com-Leser wird das genau so halten. Dem Gegner in die Karten schauen, kommt gleich nach Chips stehlen. 

Hilfssoftware schaut aber in gewisser Weise dem Gegner in die Karten. Zwar nicht auf die banale wirklich streng verbotene Tour. Kein Spartaner und kein Trojaner schmuggelt sich hinter den Bildschirm des Gegners, sondern basierend auf einer verwerflichen Datensammlung, hat man die Poker-Stasi auf seiner Seite. „IM Pokertracker „schickt das virtuelle Bulletin gegen Schandlohn auf den virtuellen Spieltisch. Die Karte wird zwar nicht eingesehen, aber die stimmige „Range“ entscheidend reduziert.Und wozu das Ganze? Nur damit sich multitabelnde Nerds, die sich in der Manier eines Hochstaplers „Pokerspieler“ nennen, ihr Ding ertragreich durchziehen können? Keine Hilfsprogramme, keine Chance auf die Art Geld abzugreifen. Großartiger Gedanke, mit dem strengen Verbot dieses virtuellen Unrats, schickt man ein paar pickelige Idioten zurück auf den Arbeitsmarkt. Dann sind die Schlangen beim McDonalds in der Stoßzeit nicht mehr so lang und alle haben etwas davon. Oft höre ich dann das Argument, man könne sich ja selber so etwas aneignen und über die freie Verfügbarkeit dieses Werkzeugs sei die Chancengleichheit doch gegeben. Bullshit! 

Aus meiner Spezialkiste für unzulässige Analogien hätte ich da folgende Anekdote anzubieten. Mittelhohes Omaha im veranstalterischen Graubereich. Also keine rein private Partie, aber auch – darauf lege ich Wert – keines der bekannten Wiener Card Casinos als Schauplatz dieser kleinen Begebenheit. Mit anderen Worten, es wurde „rake“ genommen, aber es gab auf hundert Meter keine Security oder ähnlichen Luxus (dafür wunderbar fesche Kellnerinnen, aber das wäre dann eine andere Story). Wie auch immer, besagter Proponent jener zum Scheitern verdammten Analogie saß auf Platz Neun. Am River verfehlte er das entscheidende Out um aus seiner spekulativen Hand ein gelungenes Ganzes zu machen. Als dann alle checken, sucht er sein Heil in einem desperaten Bluff: „Pot“. Zwei Spieler folden und der sympathische Gast auf Platz sechs mit dem viel zu guten Sakko überlegt eine Weile. Schließlich erkundigt er sich höflich beim Dealer über die möglichen Kosten seiner Neugier und quittiert die Antwort: „€487 mit einem Seufzen und einem halblauten – aber deutlich vernehmbaren – „Bezahlt“. In der Sekunde wirft der ertappte Bluffer seine Karten weg,  lehnt sich leicht frustriert zurück und sucht in seiner Jacke nach einem weiteren Päckchen Zigaretten. Der Dealer wartet geduldig. Wer „Pot“ sagt, muss ja die Chips auch reinstellen. Spätestens, wenn sich jemand zu einer Kontrolle meldet. Keine Reaktion und keine Anstalten, dafür genussvolles Rauchen. „Bitte sehr der Herr, €487 wären noch zu bringen.“ Schweigen und stattdessen eine Handbewegung, die wohl als Aufforderung zu verstehen war, den vorhandenen Pot doch endlich dem Sieger zuzustellen. Der Dealer versucht es noch einmal: „Es fehlen bitte noch Ihre €487“. Inzwischen herrschte einige Unruhe am Tisch. Kartenspieler ohne Karten spät in der Nacht neigen zu verhaltensauffälliger Nervosität. Der ertappte Bluffer machte aber auch weiterhin keinerlei Anstalten sich von seinen Chips zu trennen, stattdessen steht er kurz auf, legt die Zigarette für einen Moment aus der Hand, zieht seine Jacke aus und setzt sich wieder nieder. Beinahe hätte man die dunkle Waffe im hässlich hellen Schweinslederhalfter übersehen können. Mehr war auch nicht. Keinerlei Drohungen, keinerlei spektakuläre Handlungen. Jacke ausziehen, hinsetzen, Zigarette nehmen, weiter rauchen und fertig. Nur aus der Hose rechts neben der gewaltigen Bauchwölbung ragte dieses Ding. Der Herr auf Platz sechs hatte offenbar nicht nur ein gutes Sakko, sondern auch passend gute Menschenkenntnis dazu. „Geben Sie mir den Pot. Der Herr hat doch keine Karten mehr“ und deutete dem Dealer auf seine immer noch am Tisch liegende Hand. Zustimmendes Gemurmel, Erleichterung auf allen Plätzen und Freude darüber, dass die nächste Austeilung kurz bevor stand. Ich bin dann bald gegangen. Selbstverständlich nicht ohne für mich selbst eine weitere goldene Lebensregel zu notieren. – In dubiosen Partien warten, bis die Chips auch wirklich in der Tischmitte stehen und dann erst bezahlen.

Selbstverständlich hinkt der Vergleich, aber vergessen wir das Hinken und kümmern uns um die Parallelitäten. Bloß weil Pokertracker und ähnlicher Schund verfügbar ist und ihn man sich theoretisch ebenfalls besorgen könnte, wird noch keine korrekte Sache daraus. Hässliche Schweinslederhalfter samt Inhalt kann sich quasi auch jeder besorgen. Mancher legal und mancher anders. Vielleicht kann man dann manchmal gratis bluffen, weil der Gegner so halbwegs freiwillig verzichtet. Wie auch immer, meine Instinkte sagen mir, ich sollte jetzt schnell aufhören aus diversen Nähkästchen zu plaudern. Also versuche ich zu retten, was zu retten ist und begebe mich auf sicheres Terrain und klaue eine Textzeile von meinem lieben Kollegen Udo Gartenbach: Tracking-Sites sind was für Tunten  Und nicht vergessen, die gewinnenden Rakeback-Zombies am Multitable-Bildschirm reinigen schon bald das Fettbackgerät Deines Vertrauens.  – Man sieht sich beim McDonalds. 

Götz Schrage

PS: Für alle Pokermütter samt Anhang habe ich diesen kleinen Ausschnitt aus „California Split“ montiert. So gefällt mir das. Analysiere deine Gegner mit Style und sei erfolgreich dabei. 

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