Ivo Donev: „Mein vorletzter Blog ist da!“

Hallo liebe Leser,

nach etwa zwei Jahren bloggen bei „Hochgepokert“ und „win2day“ ist nun der Zeitpunkt gekommen, wo ich meine Zeit als Blogger beenden werde. Also es gibt noch einen Blog bis Ende Mai.

Ich muss sagen, dass diese geistige Arbeit mir sehr geholfen hat, meine Entwicklung als Turnierspieler zu fördern. Dazu zählten unter anderem die zahlreichen Handanalysen und die Kommentare von anderen guten Spielern. So konnte ich mir immer viele Gedanken über Turnierverläufe machen.

Darum möchte ich allen meinen Lesern Dank aussprechen. Sie haben mich motiviert, mich in meine Blogs zu vertiefen.

GCOP Rozvadov-Anatomie einer Hand

Vor etwa einem Jahr hatte ich dieses Turnier Poker Paradise in Mitteleuropa entdeckt. Die regelmäßigen großen GCOP Turniere haben eine gute Struktur mit fetten und garantierten Preispools. Deshalb durfte ich im Mai diese Turnier-Schokolade natürlich nicht verpassen.

13. Mai, ich spiele Tag 1 A beim 1600€ buy in GCOP in Rozvadov. Es lief Level 8 (250-500+50). Ich hatte etwa 140.000 und war zu diesem Zeitpunkt Chipleader.

Alle foldeten bis zu mir am Button, ich fand [Ax][Kx] und raiste bescheiden auf 1100. Der SB  glaubte schnell  meine Geschichte, dass ich stark war, aber der Lokalmatador Martin Dietrich verteidigte seinen Big Blind und zahlte nach. Flop: AdKdQc, na wunderbar, dachte ich. Martin checkte brav zu dem Aggressor und ich setzte meine Offensive fort, also Bet 2.000. Es ist überflüssig zu erklären, dass bei einem solchen Board es sehr gefährlich ist, slowplay zu spielen und eine freie Karte zu geben. Jedes Karo, jeder Bube oder jede Zehn sind eine potentielle Drohung eine bessere Figur als meine Top 2 Paare zu machen. Wenn ich Top 2 Paare im Heads-up habe, will ich meistens Action von meinem Gegner. Als ob Martin meine Wünsche lesen könnte, machte er ein Mini-Raise auf 4000! Was bedeutete ein solches Mini-Raise? Ich begann nachzudenken. Im Poker ist die Bedeutung eines Zuges von vielen Faktoren abhängig wie beispielsweise von der Stack-Grösse beider Spieler, vom Table Image, von der Turnierphase und vieles mehr.

Beginnen wir jetzt zu analysieren, welche möglichen Hände er haben könnte:

a)     J T- für Straße: Viele Spieler machen mit Nuts ein Mini-Raise, um den Gegner leichter in die Falle zu locken. Ich habe aber auch schon oft Mini-Raises auf hohem Niveau zwischen  guten Pokerspielern gesehen, die nicht unbedingt ,,Nuts“ bedeuteten.

b)   Paar Damen mit Flusch Draw wie QdJd oder QdTd oder Td9d. Alle diese Hände sind ziemlich starke Drawing-Hände

c)     Zwei Paare: [Ax][Qx], [Kx][Qx]

d)     AA, KK, QQ – wobei er vermutlich vor dem Flop mit so starken Händen out off Position gegen ein großes Stack geraist hätte.

Ich fragte nach, wie viele Chips Martin hatte, es waren  32.000 total, also etwas weniger als ein Viertel meines Stacks. In solchen Situationen, denke ich, ist es am besten, zu reraisen all-in, falls ich ihm eine Draw Hand gebe, oder zu folden, falls ich ihm Straße gebe. Wenn ich reraise all-in, wüde ich alle Draw-Hände in Schwierigkeiten bringen. Und wenn er wirklich JT hätte, hatte ich vier Outs, und dieser Spaß kostete mir weniger als ¼ von meinem Stack! So schob ich Reraise auf 32.000 und….Martin snapp callte. Jetzt war mir klar, dass er JT hatte, nur Poker Fortuna könnte mir helfen. Turn [Jx] River [Kx]. „Sorry Martin.“ Schlussendlich habe ich Tag 1A als Chipleader mit 173.000 beendet.

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Tag 2.

Meine erste Hand. Ich bin im Big Blind (400-800+100) mit einem Paar 44, der UTG, ein Shortie, pushte für 16 000 All-in. Nach ihm ein Tscheche mit etwa 70 000 Stack callte nur, alle foldeten zu mir, und ich dachte nach, was ich tun sollte – Fold oder Call? Wenn ich callte brauchte ich unbedingt ein Set (Set treffe ich in 1 von 8 Flops), weil fast sicher einer von beiden ein großes Paar hatte, außerdem waren die Implied Odds nicht hervorragend, der Tscheche hatte nur 70 k übrig. Also war hier klar ein Fold die bessere Entscheidung. Ich foldete und auf dem Board erscheinen 4c8s9h2dAd. Der UTG Shortie zeigt AQ und der Tscheche KK. In diesem Moment dachte ich, wie typisch für einen Pokerspieler: Wenn ich falsch gespielt hätte und vor dem Flop gecallt hätte, wäre ein riesiger Pot zu mir gewandert. Na ja, Poker ist ein Situationsspiel, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen, und nach dem Spiel ist oft klar, wie man optimal spielen hätte können.  

Irgendwie habe ich an Tag 2 nicht meine beste Leistung gebracht und wurde bald Short Stack. Als mein Stack etwa 70 000 war, hatte ich eine  Raise-Schlacht mit dem Chipleader Zohar begonnen. Bei einem Board  2h3hQh4h hatten wir mehrere Male geraist, und am Schluss hatte er mich nach langer Überlegung All-in gespielt. Ich foldete, und er zeigte mir stolz Ts8c für den totalen Bluff. Es versteht sich von selbst, dass Zohar in diesem Moment etwa 5-6-mal mehr Chips als ich hatte und sich deshalb einen solchen „Bluff – Luxus“ auf hoher Ebene locker leisten konnte. Leider hatte ich diese Situation falsch eingeschätzt und war nach dieser Hand nur mit etwa 30 000 (10 BB) geblieben. Bald bekam ich eine supergute Hand [Jx][Jx] und hatte All-in gespielt. Der Big Blind wachte aber mit ein paar Damen auf, und somit war ich kurz vor dem Preisgeld ausgeschieden. Immer noch mache ich mir Gedanken und Vorwürfe darüber, wie ich als Top 5 beim Chiprang an Tag zwei nicht einmal in das Preisgeld gelangen konnte. Es ist absolut sicher, dass ich einige Fehler gemacht hatte und zu zurückhaltend und zu vorsichtig gespielt hatte. Und somit hatte sich die alte Regel bewiesen: Wer bei der großen Blind-Steigerung zu tight spielt ist selber schuld!

Win2day Hand des Tages- Satellite für WSOP Main Event

Ich finde es wunderbar, dass win2day die Möglichkeit gibt, sich durch ein 55€ buy-in Sattelite für das WSOP 10 000$ Buy-in zu qualifizieren. Und wie geplant war ich am Abend am 6. Mai Sonntag voll mit Hoffnung vor dem Computer gesessen um dieses einmalige Sattelite zu spielen.

Ich hatte 2 rebuys und 1 add on (je 50€) profitabel gemacht und von den gestarteten 10 000 chips auf 152 699 aufgebaut. Hier die Schlüsselhand, die für mich entscheidend für mein Endergebnis war.

Wir spielten im Level 14, wo die Blinds 1250/2500 +Ante250 waren. Der UTG-Spieler raiste auf 6625, alle foldeten bis zu mir am Button. Ich fand KK – King Kong. Logischerweise möchte ich gerne noch mehr mein Stack aufzubauen und erhöhte vernünftig auf 16125.

Dieser Zug hatte zwei Ziele:

a)     Mit einer starken Hand  einen großen Pot aufzubauen

b)     Den Initial-Raiser zu isolieren und im Heads Up in Position zu landen

Hinter mir der Small Blind ,,Nissimaus“ auf Platz 1, der auch ein großes Stack hatte, callte. Der Big Blind und der UTG-Raiser rochen den Braten und verschwanden sofort von dem Schlachtfeld. Somit hatte ich teilweise meinen Plan erfüllt. Ich war im Heads-up in Position gelandet und zwar nicht gegen den UTG-Raiser sondern gegen den Small Blind, der sogar ein Riesen-Stack wie ich hatte. Zuerst dachte ich, was für eine Hand er wohl haben könnte, um so ein großes Reraise vor dem Flop out off Position zu zahlen. Im normalen Fall gab ich ihm ein Range von Händen wie ein großes Paare TT+ AK oder AQ.

Der Flop [Qx][9x][8x]. Der brave ,,Nissimaus“ checkte zu mir. Im Flop lagen über 43 000 und ich hatte großen Appetit auf diese Chips! Um meinen Plan schnell zu erledigen schoss ich ein kräftiges Conti-bet, etwa 2/3 der Potgröße aus folgenden Gründen hinein:

a) Ich gebe keine frei Karte mit meinem Overpaar, weil jedes Herz, jede 10 oder ein J könnten einer Drawhand helfen.

b)Falls mein Gegner AQ, JJ oder TT hätte, kostete es ihm ziemlich viele Chips, die Turn Karte zu sehen


 

Mein Gegner aber hatte eine andere Meinung über diesen Flop gehabt. Plötzlich schob er All-in für 114 546. Wow! Was nun? Hatte er AQ, QQ oder Flush Draw? Das wären die logischen Hände, die er haben könnte! Wenn das mir im Live Turnier passiert wäre, hätte ich ernsthaft ein Fold überlegt. Aber online? Nein im online Poker wird loose gespielt und die eigenen Hände oft überschätzt, dazu die Bluffs und Semi-Bluffs, die viel öfters vorkamen. Warum ist das so? Der Grund liegt auf der Hand. Erstens sind fast alle Spieler anonym, und niemand wird ausgelacht, wenn er irgendwelchen Blödsinn macht. Zweitens sind die Buy-ins bei den Online-Turnieren viel kleiner als bei den Liveturnieren. Die meisten von den Leuten spüren nicht den Wert des virtuellen Geldes!

Also machte ich den Call, und ,,NissiMaus“ drehte um Qc9s für gefloppte zwei Paare! Mit meiner Analyse lag ich total daneben, weil ich ihm nie im Traum Q 9 offsuited gegeben hätte!

 

Keine Hilfe am Turn und River, und der neue Chip Leader des Turnier zu diese Zeit Punkt war geboren: ,,NissiMaus“.

Jetzt kommt die Frage auf, wie man out off Position mit so einer schwache Hand wie Qc 9s ein Raise und Reraise  für etwa 12% von eigenem Stack bezahlen kann? Es ist sicher, dass einer von den beiden Spielern dominieren Q 9 und was macht ,,Nissimaus“, wenn der UTG-Spieler nochmals reraiste?

Ich glaube, dass so ein Call mit Q9 in Liveturnieren ganz selten passiert, aber online? Es ist eine tägliche scharfe Suppe, die viele Spieler schlucken müssen!

Nach dieser Hand wurde ich extrem short und war kurz vor dem Geld ausgeschieden. Habe vergessen zu erwähnen… es gab ein Tickets für das Main Event und mehrere Geld Preise.

Viel Glück am grünen Filz wünscht Euch: Ivo „The Chessmaster

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