Mein Partypoker-Shitstorm – Rettenbrinkmaier und meine Komplexe – Udo und Achim sind zu stark

Mich sprechen junge Männer an. In letzter Zeit vermehrt und mit eindeutigen Absichten. Sie möchten sich mit mir über die Finessen des Pokerspiels austauschen und sie scheinen viel Respekt vor meiner Meinung zu haben. Mein Problem, ich habe  zu den meisten Dingen keine Meinung. Ich habe nicht mal eine Ahnung. Die gruselige Wahrheit, meine jungen Leser wissen so viel mehr als ich und sobald ich auch nur versuche mit zu reden, begebe ich mich aufs dünne Eis der Ahnungslosigkeit. „Cool, dass der Rettenmaier den Partypoker Deal bekommen hat. Nur schade wegen dem Galic.“ sagt der junge Mensch und ich antworte: „Super wegen dem Deal und die Natalie Hof wird sich auch freuen.“ „Natalie Hof?“ staunt mein junges Gegenüber mit der gar nicht so reinen Haut „Natalie Hof ist doch mit dem Brinkmann zusammen. „Sorry“ sage ich. „Keine Ahnung warum, Brinkmann und Rettenmaier verwechsle ich immer. Brinkmann ist  doch der, der die Million beim Highroller Event in Monte Carlo gewonnen hat.“ „Das ist der Reinkemeier“ sagt der Junge kurz und geht weiter.  – Wieder einen Leser weniger. Wahrscheinlich auf Lebzeiten. Dabei bin ich gar nicht so dumm, sondern nur hoffnungslos romantisch. Ich dachte, es gäbe einen unfassbaren Glückspilz auf der Welt, der eben mal eine Million in Monte Carlo gewinnt, Natalie Hof als Freundin hat und jetzt noch als Dessert, einen fetten Partypoker-Deal ans Land ziehen konnte. Quasi den Rettenbrinkmaier als absoluten Nuts-Typen. 

Doch auch ich werde verwechselt. Einen Millionengewinn in Monte Carlo traut mir selbstverständlich niemand zu, aber zumindest ein Pius Heinz-Interview und für das werde ich dann gelobt. Völlig ungerechtfertigterweise natürlich, weil ich den nie getroffen habe. Pius gehört dem Udo Gartenbach. Der hat ihn groß gemacht, oder zumindest groß geschrieben. Und trainiert hat der Udo den WSOP-Champion auch, oder doch zumindest beraten. Hinterher wahrscheinlich, aber immerhin.  – Doch die Demütigungen gehen weiter.„Ich spiele jetzt auch bei Betsson“ sagte kürzlich jemand zu mir mit einem kleinen verschwörerischen Grinsen und setzte noch ein: „Vielleicht sieht man sich mal am Finaltable“ hinterher. Wieder ein klassischer Gartenbach-Verwechsler und das nagt dann am Selbstbewusstsein. Nicht mal meine Pokerstars-Hemden scheinen mich davor zu schützen. Dem Udo werden doch sicher die Taschen voll gemacht von Betsson. Ich wandle seit acht Jahren als lebende Pokerstars-Litfaßsäule durch meine enge Welt und bekomme keinen Dollar. Immerhin wird jetzt auf der Insel angeblich diskutiert. Ich kriege doch noch einen fetten Pokerstars-Deal. Alles was ich tun muss, ist all mein Zeug zurückgeben und versprechen, nie wieder mit Pokerstars-Logo aufzutreten. Das sind  schon schlaue Hunde diese Anwälte. Wahrscheinlich stehen die irgendwo vor dem Durchbruch zur Legalisierung. Aber wie kann etwas wirklich legal sein, wenn ich dafür Werbung mache?  – Ich werde das Geld nehmen für den Fall und den Termin beim Tätowierer lass ich sausen, obwohl mir so ein Logo auf der feisten Wade wirklich gut gestanden hätte. 

 Und weil es mir gerade einfällt. Ich wurde ja mal nackt für ein Plakat fotografiert. Ernsthaft. Es stimmt, auch wenn es lange her ist. Damals arbeitete ich für die WIENERIN, ein schickes Frauenmagazin (Ich brauchte das Geld und so). Und die Chefredakteurin hatte die geniale Idee alle männlichen Mitarbeiter ohne alles quer durch ganz Österreich zu plakatieren. Danach bekam ich so sonderbare Komplimente, die mehr so als um die Ecke verpackte Beleidigungen daher kamen. „Götz, nackt schaust du ja gar nicht so verbaut aus“ oder, „ich habe dich erst gar nicht erkannt. Gut siehst du aus. Am Plakat meine ich“.  – Ähnliche Komplimente bekomme ich auch, wenn mich mal sonst so anonyme Leser persönlich kennenlernen: „So verpeilt wie ich dachte bist du gar nicht.“ oder, „Du gehst auch ins Casino, ich dachte du hast ganz arge psychische Probleme und so.“ Das tut gut zu hören, wenn die Leser schon verblüfft sind mich ohne Zwangsjacke und Pfleger zu treffen. Keine Ahnung, wie ich diesen Eindruck vermitteln konnte. Muss das gleich nächsten Dienstag mit meinem Therapeuten besprechen. 

Und dann dieser Achim Schotte aka Robbie Quo. Den mögen irgendwie alle. Keine bösen Kommentare, kein böses Gewisper und Geflüster. „Der Achim, der ist in Ordnung“ oder „Voll witzig der Achim. Jetzt hör zu, der Rettenmaier hat bei der EPT Berlin gerade die Asse, kommt der Achim zum Tisch und sagt….“ Wobei, jetzt bin ich mir nicht ganz sicher. War das wirklich der Rettenmaier, oder war das der andere, der nicht Natalie Hof zur Freundin hat und trotzdem keine Million in Monte Carlo gewonnen hat? Egal jetzt, ich hätte jedenfalls gerne nur zehn Prozent der Achim Schotte-Freunde als Fans. Über mich sagt niemand, ich sei nett. Nicht mal meine Freunde finden mich sympathisch. Die betrachten die Freundschaft zu mir eher als Prüfung des Schicksals. Knapp auf einer Ebene wie Flugzeugabsturz und Blitzschlag. Im für mich besten Fall lande ich in dieser Kategorie. Quasi an meinen netten Tagen. 

Ich merke, ich verplaudere mich wieder. Altersgemäß hüpfe ich von Thema zu Thema. Dabei hatte ich doch einen Kolumnenplan. So wie dieser Tuchel von den Mainzern. Nur ohne Fußball. Eigentlich war ein reines Party-Poker Bashing geplant. Oder zumindest ein Partypoker-Shitstorm. Die Jungs sollen langsam ein bisschen Gas geben. Ich meine, wir sind doch der aktuell größte Pokermarkt auf der Welt und deswegen gebührt uns ein wenig Respekt. Was ist das für ein Kleingartenverein? Weil Dragan Galic keinen Vertrag mehr bekommt, haben sie jetzt Geld für den Rettenbrinkmaier oder was? Wenn es denen so schlecht geht, schick ich Partypoker gerne mein Erspartes! Wahrscheinlich gibt Pokerstars.de mehr Geld für die Minibar-Rechnung von Boris Becker aus – wegen den Chips und Salznüssen meine ich. Partypoker ist ein verdammt großer Anbieter und sollte sich auch am Markt so präsentieren. Die Schlauheit, andere wie eben Pokerstars die ganze Öffentlichkeitsarbeit machen zu lassen und sich dann mit Minimalaufwand ran zu hängen, darf einfach nicht belohnt werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz laufen genug spannende Pokerjungs herum, die ein temporäres Sponsoring verdient hätten. Apropos „dran hängen“. Diese Marketingidee von Partypoker sich als Pop up hinter Youporn.com dran zu hängen erleichtert so manches (und nicht nur den Konsumenten). Ganz ehrlich, soviel Erspartes habe ich gar nicht auf der Seite. Vielleicht werfe ich besser meine unbestrittenen Qualitäten als Werbetexter in die Schlacht und schenke denen einen Slogan. Gratis und alle Autorenrechte gibt es kostenfrei dazu: „Partypoker.com – wo sich die Wixer wohl fühlen.“ Und für 500 Partypokerpoints gibt es eine Großpackung extraweiche Papiertaschentücher. – Man gönnt sich ja sonst nichts. 

Götz Schrage 

PS: Nein, ich trinke keinen Rotwein. Ich schütte den mit Zimt und Chilli über die Schalotten  als leckere Beilage zum Steak. Und den Achim Schotte-Fans möchte ich mich als Zweitfreund antragen. Ich kann auch nett sein. – Zumindest für fast eine ganze Minute. Wenn ich mich wirklich bemühe. 

PPS: Sehe gerade über meiner Kolumne ein Partypoker-Banner. Sollte ich morgen arbeitslos sein, bitte ich meine treue Leser-Community um Unterstützung. Bitte empfehlen Sie mich weiter für kleine Gartenarbeiten, Deutschnachhilfe (kein Witz) und Nachtwächter-Jobs. Danke für die Aufmerksamkeit. 

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