WSOP 2012 – Chris Jesus Ferguson und Howard Lederer – Bracelet wem Bracelet gebührt

Über den Aufenthaltsort von Chris „Jesus“ Ferguson und Howard Lederer ist ja aktuell nur wenig bekannt. Persönlich ausschließen kann ich eigentlich nur zwei Orte. Bei mir im Kaffeehaus sind  sie nicht und bei der WSOP 2012 werden sie auch kaum auftauchen. Trotzdem bleibt  die Erinnerung lebendig und wer sich auf der offiziellen Homepage der WSOP ein wenig schlau macht, wird beide Namen in den diversen Ranking-Listen finden. Sieben gemeinsame Bracelets liegen bei den beiden im Schrank – wo immer der Schrank auch aktuell stehen mag. Und Chris „Jesus“ Ferguson darf sich als Gewinner des Main Events der WSOP 2000 sogar inoffizieller Pokerweltmeister nennen. In Summe hat der Turniertänzer und Kartenwerfer fünf Bracelets gewonnen und sein aktuell wenig besser beleumundeter Kollege Howard Lederer, immerhin zwei der begehrten Armbänder. Abgesehen davon, werden beide Namen wie selbstverständlich in allen Prizemoney-Listen geführt.

Jetzt wissen wir aber seit dem „Black Friday“, dass es bezüglich der Redlichkeit von Chris „Jesus“ Ferguson und Howard Lederer zumindest ernsthafte und berechtigte Zweifel geben muss. Will mich jetzt keinesfalls mit den Kommentaren der teilentmündigten Gewaltphantasten solidarisieren und lege auch keinen Wert auf Applaus aus dieser Ecke, aber seltsam ist sie schon diese Ignoranz der WSOP-Verantwortlichen. Und genau so verwunderlich ist es, dass sich im Netz zwar hunderte „Freiwillige“ finden, die ein mögliches Strafverfahren mit dem Baseballschläger oder der Machete abkürzen möchten, dass es aber keine Initiative gibt, all die offiziellen Ehrungen bis auf weiteres zumindest ruhend zu stellen. In jeder anderen „Sportart“ würde das zumindest diskutiert werden . Selbstverständlich muss ein ordentliches Verfahren abgewartet werden und ebenso selbstverständlich gilt bis dahin die Unschuldsvermutung. Persönlich muss ich zum Beispiel an mein Interview mit Gus Hansen denken und den halte ich einerseits für schlau und zweitens für einen absoluten Ehrenmann. Abgesehen davon, kenne ich ihn schon als Backgammonspieler und wusste früher gar nicht, dass er überhaupt Poker spielt. Jedenfalls in meinem damaligen Gespräch, abseits des Interviews waren so überhaupt keine Aggressionen gegen die ehemaligen Full Tilt-Köpfe spürbar. Wobei man ja wissen muss, dass Gus Hansen einer der größten Beschädigten sein soll. Manche reden von $9.000.000 und mehr. Jedenfalls Gus Hansen war zumindest damals der felsenfesten Überzeugung, dass Howard Lederer alles menschenmögliche unternehmen wird, damit alle Spieler ihre Guthaben so schnell wie möglich ausgezahlt bekommen. Vielleicht war da auch ein wenig Wunschdenken und falsch verstandene Kameradschaft dabei. Es ist jedenfalls nur fair, das an dieser Stelle hier zu erwähnen. Es ändert nichts an der Tatsache, dass  im Moment genug gegen Chris „Ferguson“ Ferguson und Howard Lederer spricht, um ihre Titel einstweilen auf Eis zu legen. Das mag zwar auch in letzter Konsequenz dem Bübchen mit ehemals $43 am FT-Account egal sein, der glaubt seine Duftnote unter jeder Full Tilt News hinterlassen zu müssen. „Pistole in den Mund und dann lebendig begraben“ oder ähnlichen Schwachsinn. Mir persönlich wäre es nicht egal. Wenn ich das Main Event 2012 gewinnen würde, möchte ich lieber in einer Reihe mit T.J.Cloutier genannt werden, statt dem falschen Jesus. – Und Jamie Gold verschweigen wir besser überhaupt.

Bitte mich jetzt an dieser Stelle nicht für allzu naiv halten. Geld stinkt  bekanntlich nicht und auch ungeklärte Herkunft mindert nur selten den nominellen Wert. Mal abgesehen von notierten Seriennummern in den Notizbüchern der Zielfahnder, oder lästige Farbspritzer von übernervösen Alarmpaketen. Man nehme nur diese imposanten Geldtürme am Finaltisch des WSOP Main Events. Würde man ganz streng darauf achten, dass nur Scheine liegen, die durch ehrliche Arbeit verdient wurden, hätten die Security-Männer deutlich weniger zu schleppen. So realistisch muss man einfach sein und überall, wo großes Geld kursiert, sind kleine Ganoven und große Gangster unterwegs. Die Welt ist nun mal mitunter böse und die Grenze zwischen einem geschickten Geschäft und einem glatten Betrug mitunter fließend. Abgesehen davon ist es auch unrealistisch eine Gewissensprüfung samt Untersuchungsausschuss für alle Teilnehmer der WSOP einzuführen. Allerdings im speziellen Fall geht es doch um etwas anderes. Wenn zwei Prominente der Pokerwelt im Verdacht stehen, die letzten paar Dutzend Buy ins ihrer Turnierkarriere mit ergaunertem Geld bezahlt zu haben, ist das eine Sache. Wenn sich die Gaunerei aber noch dazu im eigenen Biotop zugetragen hat, wird es wirklich perfide. Wer wird schon gerne vom eigenen Geld gecheckraist, oder gar aus dem Turnier genommen? Und wenn sich jemand so gut versteckt, wie es Ferguson und Lederer aktuell tun, sollte man zumindest mal davon ausgehen, dass es ihnen zur Zeit nicht so leicht möglich ist den Verdacht vom Pokertisch zu räumen. Vielleicht nur eine kleine unwichtige Geste, aber immerhin ein Ansatz wäre, bis zu restlosen Klärung des Falles alle Braceltes ruhend zu melden. Das Preisgeld ist selbstverständlich weg und wird auch immer weg bleiben. Verschwundenes Geld pflastert nun mal den Weg von Howard und Chris. Bracelets haben ja vor allen Dingen einen ideellen Wert und sind somit in erster Linie ein Ehrenpreis. Nur Ehre wem Ehre gebührt und dieses Prinzip gilt in dem Fall auch für glitzernde Armbänder. Ob sich Chris „Jesus“ Ferguson und Howard Lederer in Pokerkreisen noch jemals rehabilitiert können, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, dann wüsste ich was zu tun ist. – Ich hoffe die Verantwortlichen der WSOP wissen es auch. 

Götz Schrage 

 

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