WSOP 2012: Deutschland im Abseits – Ich will Martin Kläser zurück – Hilft jetzt Jens Knossalla?

Wir müssen keinen fürchten!“ sagt Franz Beckenbauer und natürlich hat er recht. Deswegen ist er ja der Kaiser, wegen dem automatischen Recht haben und so. Bei der EURO 2012 ist die Welt noch in Ordnung. Keiner von uns fürchtet sich, vor keinem, von den anderen. Beim Pokern haben wir keinen Kaiser. Nur einen Papst und der sagt im Moment wenig. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sich am grünen Filz aktuell keiner vor Deutschland zu fürchten braucht. Die WSOP 2012 rauscht ergebnislos an uns vorbei. Die Luft scheint raus zu sein. Die goldenen Zeiten der großen Platzierungen gehören der Vergangenheit an. Pius Heinz konnte 2011 mit seinem Sieg beim Main Event die durchwachsenen Ergebnisse der anderen Bewerbe vergessen machen. Das Main Event ist nun mal das „main thing“ und wer das gewinnt, ist reich und groß. Wobei reich ist nur Pius Heinz. Die Pokernation Deutschland war groß und wurde seinerzeit wohl auch entsprechend ernst genommen. Jetzt sehnt man sich nach der Ära von Katja Thater, Martin Kläser und Michael Keiner zurück. Fußballexperten strapazieren gerne die Legende von den „richtigen Typen“, die immer zu stören scheinen, wenn sie da sind und allen abgehen, wenn sie mal fehlen. Deutschland mangelt es keinesfalls an echten Typen im Pokersport. Im Moment mangelt es an Spielern, die ein WSOP Event gewinnen, oder zumindest zweiter oder dritter werden können. Wenn das noch ein Jahr so weitergeht, lass ich mich auf Kosten von Hochgepokert fachärztlich sedieren und trickse so meine Flugangst aus. Wir brauchen neue Erfolge, sonst wird es langsam langweilig und  wenn keiner von den aktuellen Recken das Bracelet holt, muss wohl der alte böse Mann aus Wien zurück an den Kartentisch. 

Gewinner werden immer erwähnt. Das gibt es praktisch zum Preisgeld dazu als kleinen Extrabonus. Die tüchtigen Kollegen der News-Redaktion registrieren ebenso akribisch zweite Plätze und nennen sie dann „runner up“ (was immer das bedeuten mag?). Wenn es darum geht einen Spieler vorzustellen: „Trini Lopez, 2008 „runner up“ beim  $2000 WSOP Limit Hold Event……..“ Unter Aufbietung aller journalistischen Toleranz werden vielleicht auch noch dritte Plätze erwähnt. An Tagen wo sonst nicht wirklich viel los ist. Das liest sich dann so: „Der albanische Pro Enver Vata, Drittplatzierter bei ……“. Ab dem vierten Platz abwärts gibt es bei Rückblicken keinerlei Erwähnungen. Abgesehen von der aktuellen Tages-News. Heute gelesen und spätestens zwei Wochen später vergessen. So gnadenlos ist das Geschäft und so ehrlich muss man sein. Gökhan Diler ist einer der erwähnten tüchtigen Kollegen aus der Hochgepokert.com News-Redaktion. Nach dem  wahren olympischen Prinzip – Silbermedaille ist besser als Bronzemedaille, aber Goldmedaille ist noch viel besser – hat er die bisherige WSOP 2012 in einer kleinen Tabelle zusammengefasst.

Land

BraceletSilberBronze
USA303128
Canada242
England113
Bulgarien101
Frankreich100
Holland100
Belgien100
Japan100
Schweiz010
Ukraine010
Australien001
Malta001
Spanien001
Belarus001

 

Ich hatte ja schon ein Leben vor Hochgepokert. Kein gutes Leben selbstverständlich, aber man hat so existiert. Erinnere mich an die WSOP 2007 als ich noch Chefredakteur bei der olympischen Konkurrenz war. Damals betreute ich das Format „Nationencup“ und auch damals war selbstverständlich die USA mit Abstand die Nummer Eins, gefolgt stets von Kanada, aber dann durfte man schon die schwarzrotgoldene Flagge hissen. Auch 2008 war mit Platz Sechs für Deutschland ein gutes Jahr. Neben den üblichen USA und Kanada mussten wir damals noch England, Dänemark und Italien an uns vorbeiziehen lassen. 2009 wieder am vierten Platz (USA, Kanada, England vor uns). Zusammenfassend eine Ära der kontinuierlichen Erfolge. All denen, die so gerne Witze gemacht haben über Martin Kläser, oder böses geschrieben haben über Katja Thater und manchmal auch über Doc Keiner, sehnen sich heute wohl auch nach den alten  Zeiten und Erfolgen zurück. Selbstverständlich bleibt Turnierpoker ein Bewerb der Einzelkämpfer, aber es tut einfach gut ernstgenommen zu werden. Pius Heinz hat etwas Großartiges geleistet. Zweifelsfrei, aber es scheint aktuell so, als ob das als singuläres Ereignis wahrgenommen werden wird. Quasi der Erfolgsspieler einer ehemaligen erfolgreichen Pokernation. 

Dass die USA bei der WSOP 2012 aktuell bei gewonnenen 30 Braclets stehen, lässt sich mit dem Heimvorteil erklären. Kanada ist dieses Jahr schwach wie selten, aber zwei Bracelets sind es trotzdem. England sei das eine Bracelet gegönnt, aber das Bulgarien, Japan(!), Belgien und Frankreich einen Turniersieg bei der WSOP haben und wir nicht schmerzt. Ganz zu schweigen von den Niederlanden, die zwar bei der EURO 2012 ausgeschieden sind, aber beim Pokern aktuell die Nase vorne haben. Erwähnenswert auch die gefühlten Bronzemedaillen für Weißrussland und Malta. Wenn das so weitergeht, werden die großen Anbieter wieder die deutschen Clients löschen. So wie in den späten 90ern des vorigen Jahrtausends bei Planet Poker, Pacific und Paradis Poker. Da konnte man deutscher Monolingulist nicht mal die Kreditkarte verifizieren lassen. Zwei weitere Seuchenjahre und der deutsche Support wird auch wieder eingestellt und wir müssen uns auf weißrussisch und maltesisch beschweren, wenn sie uns dann überhaupt noch online mitspielen lassen. – Obwohl, gerade fällt mir ein. Es wird alles besser jetzt. Es wird sich alles zum Guten wenden. Hochgepokert.com hat keine Mühen und Kosten gescheut und exakt den „richtigen Typen“ über den Atlantik geschickt. Jens Knossalla ist angekommen, wird vier Wochen am Stück mit dem Mikrophon in der Hand hinter jeglicher Ecke warten. Das kann richtig motivieren wie ich meine. Wer will schon als 7. ausscheiden und dann zum Knossalla-Interview müssen? Da bleibt man doch lieber sitzen, solange man kann und wenn es sein muss, gewinnt man das Ding und lässt sich dann durch den VIP-Ausgang schleusen. Mal schauen, ob sich jetzt alles zum besseren wendet. – Ich bin (jetzt doch) optimistisch.

Götz Schrage

PS: Selbstverständlich steht Jens Knossalla auch beim VIP-Ausgang, aber das verraten wir nicht jedem. Bitte nicht weitersagen.

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