WSOP 2012: Der Unterschied zwischen “Count“ und “Call“ – der Ungar Koroknai hat sich verhört

Beim Online-Poker ist vieles einfacher. Man sieht immer wie viele Chips der Gegner hat und seine Sprache muss man in der Regel auch nicht können, außer man möchte ihm nach der ein oder anderen Hand sagen, wie “gut“ er gespielt hat. Live sieht die Sache da etwas anders aus. Beim Main-Event der diesjährigen WSOP hat der Ungar Andras Koroknai diesbezüglich so manches erlebt und kann uns ein Lied davon singen.

Wenn man vor dem bedeutendsten Final Table seines Lebens steht, liegen die Nerven schon mal blank. Man hört Sachen, die der andere so gar nicht gesagt hat. Gut, zwischen “Count“ und “Call“ liegen klanglich nun wahrlich keine Welten. Einzig in der Bedeutung gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied. Da müssen wir nur Andras Koroknai fragen, der weiß nun bestens Bescheid.

Am Tag 6 im Main-Event erhöhte Koroknai in einer Hand vor dem Flop. Fabrizio Gonzales ging nochmal drüber und setzte 305.000 Chips, woraufhin der Ungar seine rund 2,4 Millionen Chips All-in puschte. Gespielt wurde Level 27 mit Blinds 30.000 / 60.000, Ante 10.000. Dann passierte folgendes: Gonzales fragte nach einem Count von Koroknais Chips, der Unger verstand aber das Wort “Call“ und drehte sofort seine Karten Kh Qh um. Nachdem der Floor sich den Vorfall angehört hatte, wurde Koroknai mit einer Runde aussetzen bestraft. Den Pot durfte er aber behalten, weil Gonzales muckte.

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Das war jedoch nicht der einzige Kontakt, den Koroknai mit dem Floor-Personal hatte. Bereits tags zuvor war er in eine strittige Hand involviert. Diesmal gegen die Final Table Bubble und beste Lady des Main-Events, die Französin Gaelle Baumann. Diese machte UTG ein Min-Raise auf 60.000 Chips. Es wurde zu dem Ungarn gefoldet, der mit etwa zwei Millionen Chips All-in stellte. Ein Spieler saß noch dahinter, ging aber raus. Koroknai dachte die Hand sei vorbei und muckte seine Karten. Nachdem ihm sein Fehler auffiel, konnte er nur noch eine Karte aus dem Muck identifizieren.

Das Floorpersonal musste einschreiten, kam an den Tisch und ließ sich die Hand vom Dealer erläutern. Dann wurde auch Turnierdirektor Dennis Jones gehört, welcher dann die Entscheidung traf, dass Koroknai 60.000 Chips an die Französin zahlen musste, jedoch nicht eliminiert wurde. Gaelle Baumann nahm das natürlich nicht ohne weiteres hin, doch ihre Beschwerde änderte an der Sache nichts mehr. Jack Effel, ein weiterer Turnierdirektor, bestätigte die Entscheidung seines Kollegen Jones.

Wollen wir hoffen, dass der Ungar nun seine Lektionen gelernt hat. Er ist mit knapp 30 Millionen Zweiter im Chipcount der verbliebenen neun Spieler des Final Tables und hat damit noch allerbeste Chancen auf den mit 8,5 Millionen Dollar dotierten Sieg des Main-Events. Dass er es soweit geschafft hat zeigt, dass er bis dato neben dem einen oder anderen Fehler, sicherlich auch viel richtig gemacht hat.

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