Meine mittelleichte Panikattacke – Sperrt ganz Casinowien zu? – Der uninformierte Informant

Gestern wurde ich von einer mittelleichten Panikattacke gebeutelt. Alles was das vegetative Nervensystem zu bieten hat an Spektakel und Turbulenzen. Es war in einem Lokal mit durchaus bescheidenem Ruf und mein Gesprächspartner selbst hatte so gar nichts Bedrohliches an sich. Es war auch nicht die Art und Weise seines Vortrags, die mich so nervös machte, es war mehr das schleichende Gefühl, dass der Junge ausnahmsweise mal recht haben könnte mit seinen Szenarien des gefühlten Weltuntergangs. Seine These in der Kurzzusammenfassung. Am 31.12.2012 um 23.59 wird ganz Wien dicht gemacht. Pokermäßig natürlich nur. Gesoffen, gekokst und gevögelt wird nahtlos ins Neue Jahr. Alle Casinos zu! Alle Pokertische geschlossen! Wien, Wien nur du allein, wird eine gottverdammte pokerfreie Stadt dann sein. – Ein furchtbarer Gedanke zugegeben und kein Wunder, dass mich das ein klein wenig in Panik gesetzt hat.

Natürlich hatte ich schon von jener sagenumwobenen „einen Poker-Lizenz“ gehört, die dann vergeben werden soll, an wen auch und warum auch immer. Und ebenso pfiffen die Pokerspatzen von den Tischen das Lied von den strategischen Motiven der Fusion zwischen Montesino und CCC. Gemeinsam noch größer und noch stärker sein und wer würde schon wagen, einen Betrieb mit hunderten Arbeitsplätzen stillzulegen? 2013 wird in Österreich gewählt. Da kommt so was nicht so gut.  Bis gestern habe ich mir in der Casinosache nie wirklich Sorgen gemacht. In den 90ern waren wir Schlimmeres gewohnt. Da schien es mehrmals tatsächlich an der Kippe zu stehen. Gegen Jahresende hatten wir uns stets versprochen in Kontakt zu bleiben: „so oder so“. Und das erste „so“ stand immer für den GACU   – den größten anzunehmenden Casinounfalls. Das Unvorstellbare schien etwa 1995 vorstellbar. Das Concord Card Casino knickt unter dem Trommelfeuer der Anzeigen und Klagen ein. Die bösen Behörden siegen und alles ist vorbei. Ohne den Mut und die eisernen Nerven von CCC-Oberboss Peter Zanoni wäre das auch ganz sicher passiert und sollte es jemals das große Pokerverdienstkreuz geben und der Herr Zanoni bekommt das nicht als erster verliehen, verstehe ich die Welt ohnedies nicht mehr.

Doch zurück zu meinem konspirativen Gesprächspartner des gestrigen Abends. Kein wirklich großes Licht, doch für österreichische Verhältnisse recht gut informiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass er diese Kolumne liest ist gering und deswegen kann ich auch schreiben, dass er zu denen gehört, die tatsächlich glauben, dass bei 9/11 alles ganz  anders war: „Man muss sich ja nur anschauen, wie die Türme zusammengefallen sind und es waren fast kein Juden im Gebäude und das in New York!“. Nebenbei bemerkt gehört „Flechters Visionen“ zu seinen Lieblingsfilmen. Wahrscheinlich, weil er glaubt, dass das Drehbuch auf wahren Begebenheiten beruht. Wie auch immer, seine partielle Kompetenz – und die hat er sehr wohl – geht auf die Zeit in einer der Selbsthilfegruppen für Menschen mit Spielsuchtproblematik – zurück. Die ehrenamtlichen und engagierten Mitarbeiter dieses Vereins sind durchaus gut vernetzt und dementsprechend auch gut informiert. Wenn man aus der Ecke etwas hört, kann man zumindest darüber nachdenken, ob das nicht vielleicht tatsächlich stimmen könnte. Bei meinen Recherchen im Netz stieß ich dann auf die mir unbekannte Seite spieler-info.at. Deren Prognosen zur Jahreswende sind auch alles andere als rosig. Man beachte auf dem Bild das fette „ALLE“  vor dem „mit 31.12 müssen alle (Poker-Casinos) ihren Betrieb einstellen“ und die Betonung auf „EINE Konzession“ für „EIN Poker-Casino“.  – Da kann man schon ein wenig ins Grübeln kommen.

Obwohl, ich bin jetzt seit mehr als vierzig Jahren in Wien und normalerweise gibt ihn tatsächlich den charmant schlampigen österreichischen Weg. Bereits lang vor dem berühmten „Pokerboom“ gelang es den Behörden nicht, die privaten Poker-Casinos zu schließen. Man konnte ihnen mit Prozessen, Razzien und Anzeigen zwar ziemlich zusetzen, aber im Endeffekt zahlte sich die Beharrlichkeit und Unbeugsamkeit der CCC-Gruppe aus. Auf genau diese Beharrlichkeit von Peter Zanoni hoffe ich jetzt. Die Fusion mit dem Montesino war zweifelsfrei auch Teil einer Strategie. „Too big to fail“ passt zwar nicht ganz, weil es sich beim CCC ja zweifelsfrei um ein prosperierendes Unternehmen handelt, aber vielleicht gilt da ein österreichisches „too big to zusperren“. Sollte es tatsächlich nur diese eine „Poker-Konzession“ geben, gebührt die ohne jeden Zweifel der CCC-Gruppe. Zwanzig Jahre im Buisness auf hohem Niveau und mit einer beeindruckenden Präzision in der Arbeit, gehören belohnt.  – Wobei meine liebste Variante wäre zugegeben eine andere. In Österreich hat man den sympathischen Hang Dinge zu verschieben. Um ein Jahr, um ein weiteres Jahr und dann gleich mal um ein paar Jahre mehr. In meiner perfekten Wiener Welt dürften einfach alle Cardrooms offen bleiben. Die großen und die kleinen. Vielleicht könnte man ja diese gnadenlose Frist auf 31.12. 2014 verschieben und dann auf 2015 und dann……..  – So manches dumme österreichische Gesetz wurde schon so lange verschoben, bis es irgendwann einmal vergessen wurde. Darauf zu hoffen wird wohl noch erlaubt sein.

Götz Schrage –  (Quelle u.a.: spieler-info.at)

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