Kein Vladimir Geshkenbein Interview – Gleiches Witzrecht für alle – Trotzki spielt kein Poker

Gut, wenn man Verbündete hat. Einer meldet sich immer und hilft mir bei meinem journalistischen Handwerk. „Geshkenbein sitzt im CCC Simmering und scheint sich zu langweilen“. Ich langweile mich gerade gar nicht, New Orleans Saints vs. Green Bay Packers live und in Farbe. Nach Jahrzehnten des Unverständnisses reicht meine Regelkunde nun, um wirklich keine Lust zu haben, aber was sein muss, muss sein und fair ist fair. Vladimir Geshkenbein soll schon was sagen dürfen. Schließlich hatte ich ja in meiner letzte Kolumne über seinen mehr als unglücklichen Scherz berichtet. In einem unschuldigen Intelli-Trainingsvideo sollte so etwas keinen Platz haben. „Was ist schwarz und geizig? – Ein Judenneger.“ – Der Taxifahrer erzählt mir, wie er dreimal an einem Abend mit den Damen verloren hat. Ich will aus dem Pokergespräch aussteigen und oute mich als Journalist in dienstlicher Mission und erzähle in Kurzfassung, was mich mitten in der Nacht von Chips und Fernseher wegtreibt. „Ich hasse Vorurteile“ sagt der Taxifahrer. „Und ich hasse Russen. Besonders Russen, die Geld haben“ setzte er fort. – Eine verdammt gute Einleitung, denke ich mir. Wahrscheinlich besser, als der ganze Rest. Beinahe hätte ich umgedreht.

Ganz hinten sitzt er. Unverkennbar. Das Gesicht geschnitzt wie von der Marionettenbühne, der Körper drahtig und diese sonderbare Unruhe in der Motorik von Menschen, die immer viel vorhaben und zugegeben, auch oft viel erreichen. Im charmanten Gegensatz dazu döst Christophe Gross aka Crazysheep den Casinoschlaf des gerechten Grinders. Die Wiener Nächte können hart sein und einen Tisch gleichzeitig zu spielen mit all den echten Menschen und all dem menschlichen Chaos, fordert seinen Tribut.

Götz Schrage: „Herr Geshkenbein, ich arbeite für Hochgepokert.com. Wir sind die größte und wichtigste deutsche Pokernews-Seite und hatten kürzlich einen Artikel, indem wir über ihren verunglückten Scherz auf Intellipoker berichtet haben. Ich bin jetzt extra schnell hergekommen, weil ich es für fair halte, Ihnen Gelegenheit zu geben, ein paar erklärende Worte zu finden.“

Vladimir Geshkenbein: „Warum flüsterst du?“

Götz Schrage: „Weil ich den Finaltisch nicht stören möchte und weil ich auch keine Lust habe,  brüllend Fragen zu stellen, in denen das Wort „Negerjude“ vorkommt“.

Vladimir Geshkenbein: „Wen soll das bitte stören?“

Vielleicht tatsächlich unvorstellbar für einen echten Highroller, aber am Finaltisch geht es für manche um das wirklich große Geld. Der erste Platz ist mehr als €12 000. Die Stimmung hochkonzentriert, aber Geshkenbein hat insofern recht, dass uns vom Finaltisch keiner beachtet. Die Jungs haben genug mit ihren Karten, Chips und den nur teilweise kongruierenden Flops zu tun. „Wen soll das bitte stören?“ wiederholt Geshkenbein und in dem Moment wacht Crazysheep nochmals auf, begrüßt mich ein zweites Mal freundlich und nickt wieder ein.  – Ich bleibe in der leisen Tonlage, wechsle aber ins vertrauliche Du. Drei wilde Russen gehen vorbei und grüßen freundlich. Vladimir grüßt zurück. Nicht die Sorte Russen mit Lederjacken und rasierten Schädeln Marke „Inkasso Moskau“, sonder eher wie böse Nebendarsteller aus einem wirklich bösen Film der Coen-Brüder. Ein Grund mehr, wirklich höflich zu bleiben.

Götz Schrage: „Vladimir, ich bin der letzte, der sich da als moralische Instanz aufspielen kann. Ich mach selbst in meiner Kolumne so manchen Witz, der mitunter mehr als nur ein wenig daneben ist. Ich dachte nur, es wäre eine gute Gelegenheit noch ein paar klärende Worte zu finden. Dachte mit ein paar Fragen und Antworten, könnte man das ganz aus der Welt schaffen.“

Vladimir Geshkenbein: „Du kannst mich gerne fragen. Ich bin auch bereit ein Interview zu geben. Frag mich was du möchtest zu anderen Dingen, aber in der Sache habe ich ein Statement bei Intellipoker – mein erstes Posting überhaupt gegeben – und das sollte reichen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Götz Schrage: „Na ja das Posting bei Intellipoker ist nicht wirklich erschöpfend. Es musste  ja sogar von Kollegen Breitbach aka „gefallener“ editiert werden. Da geht noch mehr.“

Vladimir Geshkenbein: „Nochmals, du kannst mir gerne Fragen stellen zu anderen Themen. Zu meinem Witz gibt es nur das Statement bei Intellipoker und wem das nicht reicht, der soll ….. ……“.

Götz Schrage: „Das werde ich natürlich nicht schreiben den letzten Teil.“

 

Vladimir Geshkenbein: „Das kannst du ruhig schreiben. Wem das nicht reicht, der soll……“

Götz Schrage: „Das werde ich nicht schreiben.“

Vladimir Geshkenbein: „Ich will aber, dass du es schreibst.“

Wir machen ein gemeinsames Foto. Freunde fürs Leben werden wir wohl nicht werden. Im Hintergrund plätschert immer noch der Finaltisch. Crazysheep hat sich auf den Weg in den Raucherteil gemacht und sitzt an der Bar. Eigentlich habe ich kein Recht mich zu beschweren und vielleicht ist das auch gar nicht so unschlau von Geshkenbein. Manchmal  ist es besser, nichts weiter zu sagen, weil wenn der Witz nur ein unglücklicher Witz war, verkommt jede weitere Erklärung zu einer Rechtfertigung. Dafür, dass ich keine weiteren Fragen vorbereitet habe, dafür kann er ja nichts. Ich hatte für den Abend auch andere Pläne. Die Greenbay Packers warten gemeinsam mit Chips, Bier und Zigarre, dass die Party weiter geht. Ich verabschiede mich bei Vladimir Geshkenbein, grüße Crazysheep von der Ferne und nicke Torsten Schmidt zu, der vor einer Batterie von Chips sitzt. Vorne beim Aces-Tisch stehen die drei Coen-Russen. Ob ich wohl meinen Witz vom „borschtschfressenden Ivan“ aus meiner letzten Kolumne löschen soll. – Obwohl? Soweit kommt es noch. Was heißt, wer austeilt muss auch einstecken können auf Russisch? War es nicht Lew Bronstein aka Trotzki (für die bildungsfernen Leser, das war nicht sein Internet-Nick), der gesagt hat: „Gleiches Witzrecht für alle“? Egal, ich werde gar nichts editieren und wen das stört, der soll  „…. ….. „!

Götz Schrage

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