SnG Lektion 2: Stark begonnen – stark nachgelassen. Was tun im Mittelspiel?

Woche zwei und somit die zweite SnG-Lektion für das Pokerboese aka Götz Schrage. Leicht hat man es nicht mit dem alten Mann aus Wien. Die einfachsten Basics, wie das Bedienen eines Hand History Replayer, erfordern mir ein Höchstmaß an pädagogischen Fähigkeiten und Geduld ab. Gutes Zureden alleine genügt manchmal nicht, da muss ich schon ganz tief in die Trickkiste des Poker-Coachings greifen, um den entsprechenden Lernerfolg überhaupt erst zu ermöglichen. Aus einem routinierten Cashgame-Spieler der alten Limit-Zeiten macht man nicht so schnell einen Online-Grinder im NL-Bereich. Kleine Anmerkung noch zu den Tücken der Technik. Einen hyperagressiven Move wollte ich zuerst ausdrücklich loben, bei näherem Nachfragen erfuhr ich allerdings, dass es sich um einen Missklick gehandelt hatte. Scheinbar sind zwei Tische gleichzeitig zu spielen schon eine grenzwertige Herausforderung für das Pokerboese.

Lieber Pokerboese,

Dein SnG-Spiel hat sich im Vergleich zur Vorwoche schon ein wenig verbessert, aber auch heute musst Du Dich wieder meiner schonungslosen Kritik stellen. Folgendes ist mir aufgefallen:

Preflop-Spiel und Starthand-Disziplin (Note 3 -):
Fast wäre ich in Jubel ausgebrochen, als ich gesehen habe, dass Du QJ suited gegen das Raise eines Shortstacks mit 10 Big Blinds gefoldet hast (wie wir letzte Woche gelernt haben, hast Du hier ja keine ausreichenden Implied Odds für einen profitablen Call). Doch meine von diesem Zeitpunkt  an heil scheinende Preflop-Welt brach wieder abrupt zusammen, als ich mitansehen musste, wie Du T2 suited im SB für Odds von etwa 7 zu 1 completed hast. Klar, 7 zu 1 sind eine Menge Odds, aber Flushes oder Two Pair macht man mit so einer sch….wachen Hand auch sehr selten und Out of Position spielt es sich auch nicht einfach. Also einfach folden!

Postflop-Spiel (Note 2 ):
Im Postflop-Bereich gab es in diesem SnG sehr wenig Situationen. Allerdings hast Du einen Raise im Battle of the Blinds mit Q9o auf einem K96 Rainbow-Flop gebracht, worauf Dein Gegner fast ausschließlich mit besseren Händen callen wird. Um auch die schwächeren Hände des Gegners nicht zu vertreiben, hättest Du hier vielleicht einen Gang zurückschalten und nur callen sollen. Insgesamt jedoch ordentliches Postflop-Spiel und daher Note 2.

Aggressivität (Note 3 -):
In diesem Bereich traten diese Woche die deutlichsten Probleme zutage. Während Du in der letzten Woche im Early Game noch mit aggressivem Spiel punkten konntest, taten sich in diesem SnG erst in der mittleren Phase Situationen auf, die eine aggressive Spielweise erfordert hätten. Leider hast Du Dich jedoch im Mid-Game wie auch in der Vorwoche relativ passiv verhalten und einen Tick zu häufig gefoldet.

Verdeutlichen wir dies an einer Beispielhand:

Du hast Dich hier dazu entschieden, QJ suited wegzuwerfen. Ein Fold ist hier jedoch ein mathematischer Fehler, da ein Fold immer einen Erwartungswert von 0 Chips hat und ein All-In in dieser Situation einen positiven Erwartungswert von 138 Chips hat (Dies habe ich mithilfe eines Nash-Rechners ermittelt, der im Prinzip die Hände aller beteiligten Spieler solange aufeinander abstimmt, bis jeder gegen jeden die optimale Spielweise wählt und sich keiner der Beteiligten mehr durch eine Abweichung in eine andere Richtung verbessern kann). Konkret hat hier ein All-In mit den Händen 22+, A8s+, A5s, ATo+, K9s+, KQo+, QTs+ und JTs einen positiven Erwartungswert und ist damit besser als ein Fold.

Gibt es aber noch eine bessere Lösung als ein All-In? Auch wenn es mathematisch schwer zu analysieren ist, würde ich sagen, dass ein Open-Raise hier noch besser ist als ein All-In. Wenn Du auf 500 raist, kannst Du gegen ein All-In der großen Stacks noch folden, während Du gegen ein All-In der kleineren Stacks aufgrund guter Odds bequem callen kannst. Du solltest mit Deiner Hand gegen den Spieler „Allergy99“ noch callen, aber gegen alle größeren Stacks auf ein All-In folden.


Wenn Dein Raise gecallt wird (was bei diesen shorten Stacks recht selten auftritt), so hast Du mit QJs eine Hand, die sich postflop sehr schön spielen lässt.
Also: Nur einen kleinenTick looser in der mittleren Phase des nächsten SnGs und Du bist auf der richtigen Schiene!

SnG Skills insgesamt: 3

In diesem SnG hast Du Deine Starthandauswahl schon etwas selektiver gestaltet, auch wenn hierbei noch die letzte Konsequenz fehlte. Auf jeden Fall ein Schritt in die gewünschte Richtung!  Leider warst Du auch in diesem SnG in den mittleren und späten Phasen wieder etwas zu passiv. Versuche, gerade in  diesem Teil in den nächsten Wochen etwas aggressiver zu spielen!

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