SnG Lektion 3 – Offizielles LIMP-VERBOT für Götz Schrage

Schlechtes Zeugnis für das Pokerboese. Statt die Lernleistung zu steigern, treten wir im Moment ein wenig auf der Stelle. Das Limpen im Mittelspiel muss ich ihm noch austreiben und auch am Bet-Sizing werden wir noch arbeiten müssen. Diese Woche gab es eine erste kleine Krise. Ganz normal im Verhältnis zwischen Coach und SnG-Schüler. Götz meinte, ich würde unter allen Händen, absichtlich immer die am dümmsten gespielte Hand aussuchen. Selbstverständlich stimmt das gar nicht und wir beide müssen da jetzt durch. Nächste Woche gibt es neue Resultate und neue Chancen, aber diese Woche gibt es mal ein wirklich schlechtes Zeugnis. Götz Schrage aka Pokerboese wird das schon aushalten.

Lieber Pokerboese,

diese Woche habe ich leider nur wenig Lobenswertes in Deinen SnGs gesehen (allerdings muss ich fairerweise auch zugeben, dass es sehr wenige interessante Situationen gab, in denen Du Dich wirklich auszeichnen konntest. Folgendes ist mir aufgefallen:

Preflop-Spiel und Starthand-Disziplin (Note 3-):
In diesem Bereich hattest Du in dieser Session Pech, da Du nicht viele interessante Startblätter hattest und die von Dir gespielten Hände wie TT oder QQ sich nun mal sehr einfach spielen lassen. Insgesamt muss ich diesen Bereich aufgrund mangelnder Information daher wie in der Vorwoche mit einer 3- bewerten. Wir werden jedoch mit Sicherheit in den kommenden Wochen ausreichend Gelegenheiten finden, um Dein Spiel im Preflop-Bereich weiterzuentwickeln.

Postflop-Spiel (Note 2):
Dein Postflop-Spiel war auch hier nach wie vor ordentlich. Dennoch ist mir eine (wenn auch kleine) Unlogik aufgefallen, die ich hier mit Dir zusammen an 2 Beispielhänden besprechen möchte:

 

Nachdem Du hier im BB mit 22 defendet hast, geht es am Flop Check/Check und Du bettest am Turn sehr klein. Du solltest bei einer Bet stets darauf achten, dass Du auch einige Hände in der gegnerischen Range, die Du schlägst, zum Callen bekommst (Value-Komponente) oder aber Hände, die Dich im Moment schlagen evtl. zum Folden bekommst (Bluff-Komponente). Prüfen wir dies hier, so fällt auf, dass Deine kleine Bet von jeder Q, jeder 9 und jedem A gecallt wird. Eine 3 foldet vielleicht, jedoch hat der Gegner nur wenig 3x-Kombinationen in seiner Preflop-Range, also besitzt Deine Bet so gut wie keine Bluff-Komponente. Umgekehrt sind Hände, die Du schlägst, vornehmlich Kx- und Jx-Kombinationen, von denen aber nur speziell JT als Straight Draw callen würde. Da Deine Bet hiermit auch keine Value-Komponente beinhaltet, denke ich, dass hier ein Check mit 22 angebracht ist, da Du Deinem Gegner, der in seiner Range viele Ax-, Qx- und 9x- Kombinationen hält, sonst zu häufig Chips abgibst. Insgesamt ist dies jedoch nur ein sehr kleiner Fehler.

Sehen wir uns Beispielhand 2 an, wo wir genau den umgekehrten Fall haben:

Hier hast Du im SB completed, der Flop ging auch Check/Check und du entscheidest Dich dazu, diesmal den Turn zu checken. Ich würde hier jedoch definitiv betten. Es ist natürlich keine direkte Value-Komponente gegeben, da Du aktuell nur J high hältst, allerdings hast Du einen Flush-Draw, wodurch Du mit Deiner Turn-Bet evtl. am River noch einen größeren Pot generieren kannst, sofern Du triffst. Somit könnte man sagen, es besteht die Möglichkeit, dass Deine Bet eine indirekte Value-Komponente beinhaltet. Viel entscheidender ist hier jedoch die Bluff-Komponente. Da Du aktuell zwar fast nichts schlägst, jedoch mit Deiner Bet einen großen Anteil an Jx-, Qx-, Kx- und Ax-Kombinationen zum Folden bekommst, ist eine Bet als Semi-Bluff mit dem zusätzlichen Flush Draw hier die bessere Alternative zum Check.
Da dies aber nur kleine Fehler sind und Du insgesamt postflop schon recht vernünftig spielst, gibt es auch in dieser Woche wieder eine 2.

Aggressivität (Note 4-):
Kurz gesagt: Dieser Teil ist und bleibt nach wie vor Deine Problemzone. Da gibt es nichts zu beschönigen. Auffallend war diese Woche, dass Du mehrmals Starthände wie 87s und ATo gelimpt hast, wobei es kaum Situationen gibt, in denen ein Limp einem Open-Raise vorzuziehen ist, da man bei einem Raise immer die Möglichkeit hat, den Pot gleich zu gewinnen, wenn alle Gegner folden.
Du bist in dieser Session noch einmal abgerutscht und daher müssen wir hier so langsam zu etwas drastischeren Maßnahmen greifen. Deshalb gibt es jetzt von mir eine strikte Verhaltensregel für die nächsten Wochen: Wenn Du mit einer Hand in einem SnG eröffnen möchtest, so MUSST Du sie in Zukunft entweder raisen oder folden. Das heißt, ich verbiete Dir ausdrücklich, zu open-limpen, wenn Du Dir keine Note 5 in Deinem nächsten Zeugnis einfangen möchtest!

SnG Skills insgesamt: 3-

Ja, es ist tatsächlich so! Dein Gesamtzeugnis fällt in dieser Woche etwas schlechter aus als in den vorangegangenen Wochen. Dies liegt zwar zum einen Teil daran, dass Du keine ausreichenden Möglichkeiten hattest, Dich im Preflop-Bereich zu beweisen, zum anderen aber auch daran, dass sich immer weitere Bereiche auftun, wo Du Dich zu passiv verhältst. Dieses Mal äußerte sich dies darin, dass Du fast alle Hände gelimpt hast, obwohl in 99 % der Fälle ein aggressiver Open-Raise besser als ein Limp ist.
Lass Dich aber nicht durch diesen Rückschritt demotivieren. Sehe es als Weckruf und als Chance, Dein Spiel von nun an aggressiver zu gestalten! Und vergiss nicht: Limpen ist ab sofort STRENG VERBOTEN, wenn Du Dir im nächsten Zeugnis kein „Mangelhaft“ einfangen möchtest 😉 

 Alex Meidinger
 

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