Der Lohn des Limpers – Das Pokerboese und seine langsamen Fortschritte

Liebes Pokerboese

Wieder einmal hattest Du die Gelegenheit, Dein Können unter Beweis zu stellen. Bei den üblichen Kränkeleien wie dem Spielen zu vieler Startblätter, dem Open-Limpen und generell etwas zu passivem Spiel machst Du leider nur sehr kleine Fortschritte. Allerdings hast Du mit einem durchdachten Limp mit AA in dieser Woche Köpfchen bewiesen und Dein eher passives Image gut genutzt.

Preflop-Spiel und Starthand-Disziplin (Note 3):
Du spielst nach wie vor in den frühen Leveln etwas zu viele Starthände. Hier gilt der Grundsatz „Tight is right“, um mit im Durchschnitt stärkeren Blättern als der Gegner in Geschehen einzusteigen. Zudem verringert sich die Anzahl möglicher falscher Entscheidungen enorm, wenn man nur starke Starthände spielt.
In den späteren Leveln machst Du es leider immer noch umgekehrt. Dort verhältst Du Dich auf einmal tight, obwohl Du hier deutlich looser sein und öfter All-In gehen könntest. Beispielsweise solltest Du mit einem Stack von etwa 10 Big Blinds alle Suited Asse aus jeder Position einfach direkt All-In pushen, da dies einen höheren Erwartungswert als ein Fold hat. Ich habe für das Kapitel 10 von „Sit´n Go Poker – Wie die Profis langfristig Geld gewinnen“ Tabellen dafür ausgearbeitet. Diese kannst Du während dem Spielen nutzen, wenn Du einmal unsicher bist, ob Du mit einer Hand eher All-In pushen oder folden solltest.

Postflop-Spiel (Note 2):
In dieser Session gab es kaum interessante Postflop-Spots. Bisher hast Du in diesem Bereich jedoch stets ordentlich gespielt, deshalb gibt es hier wieder eine 2!

Aggressivität (Note 3-):
Das Limpen spekulativer Hände konnte ich Dir leider immer noch nicht zur Gänze austreiben. Bitte halte Dich weiterhin an das Limpverbot und open-raise oder open-folde die Hände, die Du spielst!
Dafür hast Du Dein Image als passiver Limper jedoch in einer Situation perfekt ausgenutzt:

 

In dieser Situation hast Du Dich zu einem Limp entschieden. Das Standardspiel vieler Spieler ist hier, mit etwa 9 Big Blinds direkt All-In zu pushen. An einem Tisch, an dem sich viele mitdenkende Spieler befinden, wäre ein All-In auch zweifelsfrei richtig, denn lass uns mal ehrlich sein: Es gibt außer AA kaum Hände, die man in dieser Situation als guter Spieler limpt, deshalb wäre es für mitdenkende Spieler sehr offensichtlich, dass Du hier bei einem Limp eine Monsterhand hältst. Wenn ein Spieler extrem gut ist, ist er in der Lage, anhand dieses Reads sehr starke Folds zu machen. Ich habe in solchen Situation gegen gute Gegner schon einige Male Hände wie AK, JJ oder gar QQ gefoldet und  – wenn es zum Showdown kam – habe ich von   dem Profi-Gegenspieler auch stets AA oder KK gezeigt bekommen, so dass sich mein Read auf den Gegner bestätigt hat.
Du sitzt hier jedoch in einem 180-Mann-SnG mit niedrigem Buy-In. Der Spielerpool beinhaltet hier wenig Profis und sehr viele Zocker, so dass Du davon ausgehen kannst, im Durchschnitt etwa 7 eher schlechtere Spieler am Tisch zu haben, die sich wenig bis gar keine Gedanken um die Handrange, mit der Du hier limpst, machen. Hinzu kommt der Faktor, dass Du diese Variante bisher kaum gespielt hast, weshalb andere Profis am Tisch Dich nicht kennen und Dir somit in dieser Situation eine viel weitere Handrange als nur Monsterhände zuschreiben.
Somit generierst Du aufgrund dieser Faktoren mit Deinem Limp mehr Action als bei einem Raise oder direkten All-In. Großartig gespielt!
Deshalb gibt es von mir in diesem Bereich zwar eine tendenziell schlechte Note dafür, dass Du immer noch zu passiv spielst, die ich jedoch zu einer 3- nach oben korrigiere, weil Du Dein Image am Tisch perfekt genutzt hast.

SnG Skills insgesamt: 3+
Zwar weigerst Du Dich immer noch vehement, alte Angewohnheiten abzustellen, aber Du beweist Köpfchen beim Spielen, was sich bislang einerseits in vernünftigen Postflop-Entscheidungen sowie im angemessenen Nutzen Deines Images gezeigt hat. Daher hast Du Dich in dieser Woche verbessert.

 Alex Meidinger 
 
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